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Der Gastgeber des Abends, Michael Jung (Zweiter von rechts), Dorothee Hoffmann (Hessen Lotto) und Dominique Huth (rechts) begrüßen den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel beim Limburger Kreis im Mineralbrunnenmuseum in Niederselters.

Am Lagerfeuer der Nation

DFB-Chef Reinhard Grindel spricht beim Limburger Kreis

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Der Fußball löst keine gesellschaftlichen Probleme – aber er kann zu ihrer Bewältigung beitragen, wenn es diesem Sport gelingt, seine Integrationskraft auszuspielen. So lautet das Fazit des Vortrags, den DFB-Präsident Reinhard Grindel beim Limburger Kreis hielt. Zum ersten Mal dabei war auch Dr. Max Rempel, Chefredakteur dieser Zeitung.

Offen, kritisch, intensiv, aber durchaus konstruktiv darf es zugehen beim Limburger Kreis, begrüßt Initiator Michael Jung die zahlreichen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport im Mineralbrunnenmuseum in Niederselters. Unter den Gäste sind der Landtagsabgeordnete Andreas Hofmeister (CDU), Regierungspräsident Christoph Ulrich, der Limburger CDU-Stadtverordnete und Bäckermeister Dominique Huth, der dem Präsidenten des Deutschen Fußballbunds, Reinhard Grindel, später ein großes Limburger Kreis-rundes Brot überreichen wird, FNP-Chefredakteur Dr. Max Rempel und Mit-Gastgeberin Dorothee Hoffmann von Lotto Hessen. An diesem Abend aber soll es vornehmlich rund gehen: Um Fußball und um dessen gesellschaftliche Bedeutung.

„Fußball“, sagt Reinhard Grindel, „ist das letzte Lagerfeuer der Nation.“ Und dessen Strahlkraft müsse erhalten werden. Immerhin seien im deutschen Fußballspiel-Betrieb rund 160 000 Menschen organisiert, Alte und Junge, Profis und Amateure – und, betont der Funktionär, Sportler mit und ohne Migrationshintergrund. Denn „dem Ball ist es egal, wer hinter ihn tritt“. Rund 70 000 Flüchtlinge und deren Kinder spielten heute in deutschen Vereinen, berichtet er. „Das ist unser Beitrag zur Integrationsarbeit.“

Kraft durch Vielfalt

Dass sich die Vielfalt der Spieler und ihrer Herkunft positiv für den Sport auswirkt und zu neuer sportlicher Stärke führt, zeigen zudem die Erfolge, die die Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren erzielt hat. Einen deutlicheren Hinweis auf die „Integrationskraft des Fußballs“ gibt es nicht. Das dürfe freilich nicht auf den Bundesligabetrieb beschränkt sein. Einzelne Leuchtturmprojekte zu fördern, reiche nicht. Unterstützungsarbeit müsse auf allen Ebenen geleistet werden.

Die Profis von morgen müssten heute gefördert werden, und das geschehe überwiegend in kleinen Vereinen. „Die kleinen Amateurvereine leisten hier große Arbeit“, ist Grindel überzeugt. Möglich sei dies nur durch den unermüdlichen Einsatz von ehrenamtlich engagierten Trainern und Betreuern. Deren Bedeutung könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, weshalb der DFB-Präsident auch hervorhob: Man benötige mehr und besser qualifizierte und motivierte Trainer und eine bessere Infrastruktur, also mehr Übungsplätze – auch in den Städten, die hier in der Verantwortung sind.

Die Plätze müssen Grindel zufolge mit Kunstrasen belegt sein und zwar nicht, weil Kunstrasen die „Goldrandlösung“ der Sportplätze ist, sondern weil diese Plätze das ganze Jahr über bespielbar sind. Das sei wichtig, um gerade junge Fußballer bei der Stange zu halten. Wenn die monatelang in eine Spielpause entlassen werden, verlieren sie die Motivation und bleiben weg, sagt der Fachmann.

Seine Forderung ist deutlich: Hier muss investiert werden. Denn das ist eine Investition in die Zukunft und somit ein Beitrag zu nachhaltiger Gesellschaftspolitik. Sportplätze sind „Orte für die Gemeinschaft“, und die müssen geschützt werden – auch was deren wirtschaftliche Möglichkeiten anbelange, erklärt der DFB-Chef und verweist auf die aufwendigen Abrechnungsmodalitäten, die die gemeinnützig tätigen Vereine bisweilen zu bewältigen haben. Wichtig muss sein, dass die Vereine auch künftig „fest auf dem grünen Rasen stehen“, sagt Grindel.

Image und Identifikation

Wirtschaftliche Einblicke in die Fußballwelt bot der Funktionär schließlich auch in einer Fragerunde. Wie steht es um die Vermarktung von Vereinen und Spielern, um kaum nachvollziehbare Ablösesummen? Anstatt elegant an einer Antwort vorbei zu dribbeln, wurde Grindel deutlich: Die Vermarktung von internationalen Spielern durch ihre deutschen Vereine schaffe ein hohes Maß an Identifikation mit eben jenen Vereinen. Klar ist aber auch: „Geld allein schießt keine Tore.“ Leistungsfähigkeit hängt nicht allein von der finanziellen Ausstattung ab. Dass die dennoch wichtig ist, zeigt der Wechsel des DFB-Sponsors, auf den Grindel ebenfalls angesprochen wurde. Die jahrelange Zusammenarbeit mit Mercedes wurde beendet. Der Deutsche Fußballbund setzt jetzt auf VW, weil alles andere wirtschaftlich unsinnig gewesen wäre, stellt Grindel klar. Und ganz am Ende des Abends gibt es dann auch noch ein kurzes Statement zur aktuellen Debatte über eine Super-Liga. Gemeinsam mit der UEFA versuche der DFB, „einiges in der FIFA in Ordnung zu bringen“.

Es bleibt spannend auf den Fußballplätzen und daneben.

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