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Die Bilanz der ersten Sturmnacht in und um Limburg

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Von: Klaus-Dieter Häring

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Dieser Baum stürzte kurz vor dem Bahnhof Wilsenroth zum Glück nicht auf die Fahrbahn, sondern in die entgegengesetzte Richtung und richtete daher keinen Schaden an.
Dieser Baum stürzte kurz vor dem Bahnhof Wilsenroth zum Glück nicht auf die Fahrbahn, sondern in die entgegengesetzte Richtung und richtete daher keinen Schaden an. © Klaus-Dieter Häring

Der nächste Orkan nähert sich bereits, weshalb sich die Schulen am Freitag erneut nur in der Notbetreuung befinden.

Limburg - Orkantief "Ylenia" hat in der Nacht von Mittwoch (16.02.2022) auf Donnerstag (17.02.2022) seine Spuren auch im Nassauer Land hinterlassen. Nun soll es schon heute Nachmittag wieder stürmischer werden: Mit "Zeynep" wird das nächste Orkantief erwartet. "Ylenia" mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern hat im Nassauer Land vor allem für umgestürzte Bäume, Probleme im Nahverkehr und Stromausfälle gesorgt. Im Westerwaldkreis wurden zudem zwei Personen leicht verletzt.

Im Landkreis Limburg-Weilburg hatten einige Bäume dem Sturm nichts mehr entgegenzusetzen. Dazu kamen noch unzählige Äste, die auf den Straßen lagen, umgestürzte Mülltonnen die sich selbstständig gemacht haben, abgerissene Werbeplakate, Baustellensicherungen und vieles mehr, das nicht ausreichend gesichert auf den Grundstücken lag und sich durch den Sturm selbstständig machte. Wie Kreisbrandinspektor Georg Hauch berichtete zählte ein umgekippter Anhänger, neben den Bäumen, zu den größten Einsätzen. Acht Feuerwehren waren nach seinen Informationen in der Nacht ausgerückt. Viele der umgestürzten Bäume wurden dann an die Straßenmeisterei oder den Bauhof der zuständigen Gemeinde gemeldet. "Ansonsten war es ruhig", bilanziert Hauch.

Unwetter im Kreis Limburg-Weilburg: Stromausfälle wegen umgestürzter Bäume

Bäume, die auf Freileitungen stürzten, sorgten in drei Fällen für Stromausfälle, wie die Syna GmbH berichtet. Einer wurde am Donnerstagmorgen um 4.54 Uhr in Teilen von Bad Camberg, Dombach, Erbach, Oberselters, Schwickershausen und Würges gemeldet. Die meisten Betroffenen hatten nach 6 Minuten wieder Strom, alle um 6 Uhr. Ebenfalls ab 4.54 Uhr fiel der Strom in Teilen von Eisenbach, Haintchen, Münster, Niederselters, Villmar, Weyer und Wolfenhausen aus. Ein Großteil der Betroffenen konnte nach 90 Minuten wieder versorgt werden. Alle hatten um 11.23 Uhr wieder Strom. Gleiches Bild um 9.30 Uhr in Teilen von Dorchheim, Dorndorf, Elbgrund, Ellar, Frickhofen, Fussingen, Hausen, Langendernbach, Niederzeuzheim, Oberzeuzheim, Thalheim und Wilsenroth - nach 30 Minuten hatten die meisten, um 11.17 Uhr alle wieder Strom.

Im Landkreis Limburg-Weilburg gab es in den Schulen zudem nur Notbetreuung für die ersten bis sechsten Klassen, was auch am heutigen Freitag so sein wird, auch wenn der Sturm erst für den Nachmittag und Abend erwartet wird. Zudem verkehren keine Schulbusse.

Unwetter in Limburg: Schienenersatzverkehr im Einsatz

Auch sonst hatte der Sturm Auswirkungen auf den Nahverkehr. So sorgte der Sturm nach Angaben der Hessischen Landesbahn unter anderem dafür, dass die Strecke zwischen Limburg und Siershahn längerfristig über den Tag gesperrt werden musste. Per Bussen wurde dort ein Schienenersatzverkehr in beide Richtungen eingerichtet, der ab 7.45 Uhr im Einsatz war und Teile der ausgefallenen Züge auffangen konnte. Ebenfalls zu Einschränkungen kam es auf der Bahnstrecke Limburg - Siegen. Dort wurde der Bahnverkehr am Morgen vorübergehend eingestellt und ein zwischenzeitlicher Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Westerburg und Altenkirchen eingerichtet, wie es hieß. Laut Hessischer Landesbahn war die Strecke ab 10.25 Uhr wieder frei, so dass hier im Laufe des Mittags der Zugverkehr in Teilen wieder aufgenommen werden konnte. Auch auf der Lahntalbahn kam es zu Verspätungen und Ausfällen. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn an den ICE-Bahnhöfen in Montabaur und Limburg Süd kam es unterdessen nur zu vereinzelten Verspätungen und Zugausfällen.

Im Westerwaldkreis kam es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zu einer Vielzahl von Einsätzen sowie in mehreren Städten und Gemeinden zu Stromausfällen. Die Feuerwehrhäuser in den betroffenen Orten wurden vorsorglich frühzeitig als Anlaufstelle für die Bevölkerung besetzt. "Insgesamt sind seit der Nacht fast 300 Einsatzkräfte im Kreisgebiet unterwegs, für deren Unterstützung wir sehr dankbar sind", teilt Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Tobias Haubrich mit. Haubrich ergänzt, dass die Einsatzkräfte vor allem mit der Beseitigung von umgefallenen Bäumen und herabfallenden Ästen beschäftigt waren. In Folge kommt es im gesamten Kreisgebiet zu vereinzelten Straßensperrungen. Zwei Personen wurden leicht verletzt, als Bäume auf ihre Fahrzeuge fielen.

Neue Unwetter drohen in und um Limburg

Von Freitag auf Samstag droht nach ersten Meldungen des Deutschen Wetterdienstes erneut eine schwere Sturm - oder Orkanlage. Deshalb wird darum gebeten, dass sich die Menschen in festen Gebäuden aufhalten sollen. Zudem macht Haubrich darauf aufmerksam, dass auch in der Zeit nach einem starken Sturm Wälder und Alleen zu meiden sind. Dort können möglicherweise noch Bäume umfallen oder Äste herabfallen. Gegenstände auf Terrassen, Balkonen und in Gärten seien sorgfältig abzusichern, wenn diese sich nicht ins Gebäude bringen lassen. Auch Fahrzeuge sind vorausschauend und sicher abzustellen.

Die Hochwasserlage hat sich dagegen gestern entspannt. Hochwasserlagezentrum Lahn des Regierungspräsidiums Gießen meldete für die meisten Nebenflüsse der Lahn sinkende Pegel. Der der Lahn stieg zwar noch, lag aber in Limburg und Diez noch deutlich unter der ersten Meldestufe.

Sturmschäden in Limburg: Welche Versicherungen für welche Schäden zahlen

"Ylenia" und "Zeynep" fegen über Deutschland hinweg und hinterließen Schäden an Bäumen, Autos und Häusern. Jetzt geht es um den Schadensersatz, auf den Versicherungskaufleute vorbereitet sind. Am einfachsten sei das bei Autos, die durch abgebrochene Äste, Bautafeln oder Dachziegel beschädigt wurden, berichtet Peter Klein, Sprecher des Bezirks Limburg im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK): "Die Kaskoversicherungen zahlen, zwar abzüglich vereinbarter Selbstbeteiligungen, aber ohne Rabattrückstufung."

Ab Windstärke 8, das sind 62,1 Stundenkilometer und mehr - sind auch die Gebäude- und Hausratversicherungen für den Schadenersatz zuständig. Die Sturmtiefs erreichten mancherorts Geschwindigkeiten über 150 km/h. Die Folgen: Abgeknickte und entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer, zertrümmerte Fensterscheiben, Überschwemmungen. Für die finanzielle Entschädigung von diesen Sturmschäden sind die Gebäudeversicherung oder bei Mietern die Hausratversicherung zuständig.

Wenn allerdings Keller mit Regenwasser vollgelaufen sind, benötigen Hausbesitzer und Mieter eine Naturgefahren- beziehungsweise Elementarschadenversicherung. "Diese kann in die bereits bestehende Gebäude- oder Hausratversicherung eingeschlossen werden und deckt auch Schäden von Starkregen, Erdrutschen und -senkungen und Lawinen ab", erklärt Peter Klein. "Wie wichtig diese ist, zeigte nicht zuletzt auch die Flutkatastrophe im Juli letzten Jahres." In Deutschland verfügen aber nur rund 47 Prozent der Wohnhäuser über diesen umfassenden Versicherungsschutz.

Sturmschäden in Limburg: Alle Schäden zügig melden

Wenn Nachbars Baum - oder einer der Gemeinde - sowie abgerissene große Äste schwere Schäden an Autos oder Häusern anrichteten, hilft meistens nur die eigene Versicherung. Die kann später prüfen, ob dem Baumeigentümer ein Schuldvorwurf zu machen ist, ob er beispielsweise einen erkennbar kranken Baum vorher hätte entfernen musste. Ist ein eigener Baum umgefallen, sieht man nach, ob die Entsorgungskosten für Holz und Geäst in der Gebäudeversicherung mitversichert sind. Hauseigentümer, die nach erstem Anschein glimpflich davongekommen sind, sollten dennoch ihr Hausdach mustern. Am einfachsten geht das mit einem Fernglas. Denn auch verschobene oder gerissene Dachziegel sind Sturmschäden, die auf Kosten der Gebäudeversicherung gerichtet werden sollten.

Was auch immer "Ylenia" und "Zeynap" beschert haben, das oberste Gebot für Geschädigte ist: Alle Schäden zügig der Versicherung melden. Dokumentationsfotos von Schäden seien wichtig und erleichterten die Schadensregulierung, die von den betreuenden Versicherungskaufleuten übernommen werden kann, sofern man seine Verträge bei ihnen abgeschlossen hat, so Klein. (Klaus-Dieter Häring)

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