Der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn (rechts) überreicht am Rechenzentrum von OVH cloud in Offheim Generalmanager Falk Weinreich ein von Ute Wengenroth gestaltetes Bild mit Motiven aus Limburg.
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Der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn (rechts) überreicht am Rechenzentrum von OVH cloud in Offheim Generalmanager Falk Weinreich ein von Ute Wengenroth gestaltetes Bild mit Motiven aus Limburg.

Firma erweitert in Offheim und sucht noch mehr Platz

Die digitale Datenwolke wächst und wächst

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Das Unternehmen OVH cloud verdreifacht seine Speicherkapazitäten in Limburg.

Limburg -Wenn Sie Ihre Urlaubsfotos nicht mehr auf Ihrem Smartphone speichern können, weil der Speicherplatz voll und auch nicht erweiterbar ist, können Sie Ihre Fotos auch in einer "Cloud" speichern. Diese "Wolke" schwebt nicht irgendwo am Himmel, sie ist sehr erdverbunden und sehr physisch. Im Grunde ist es eine gigantische, permanent mit dem Internet verbundene Speicherplatte, die irgendwo stehen kann und die jeder anmieten kann, um dort seine Urlaubsfotos hochzuladen. Das kostet eine geringe Monatsmiete und hat den Vorteil, dass solche und andere Daten auf verschiedenen Geräten - dem Tablet, dem Laptop oder dem PC - jederzeit abrufbar sind - natürlich mit der entsprechenden Internetverbindung.

Eine dieser gigantischen Datenwolken befindet sich in Offheim, bei der Firma OVH cloud. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankreich hat dort bereits im Juni 2017 auf dem Gelände der ehemaligen Vereinsdruckerei, nicht weit vom Offheimer Friedhof entfernt, ihr erstes deutsches Rechenzentrum errichtet. Dort stehen unzählige, vernetzte Speicherplatten für insgesamt rund 10 000 Kunden. Das sind sowohl Privatleute, die hier ihre Urlaubsfotos speichern, als auch Unternehmen, die sehr hohen Speicherplatzbedarf haben, sowie Bundesbehörden, die auf hohe Sicherheitsstandards Wert legen müssen.

Das Unternehmen hatte gestern offiziell nach Offheim eingeladen, weil es sein neues drittes Rechenzentrum vorstellen wollte. "Wir haben was zu feiern", sagte Falk Weinreich, der für Zentraleuropa zuständige Generalmanager des Unternehmens, vor zahlreichen Gästen, darunter Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD), IHK-Präsident Ulrich Heep und der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch.

Gefeiert wurde die Verdreifachung der Speicherkapazitäten in Offheim von 15 000 auf 45 000 Server. Weinreich zitierte das Lied einer deutschen Band "Gekommen, um zu bleiben" und sagte: "Wir sind geblieben, haben Geld investiert und uns erweitert." Aber schon jetzt sei klar, dass in zwei Jahren am Standort in Offheim die physischen Serverkapazitäten erschöpft sind - ein sehr analoges Problem für eine digitale Firma.

Die Server werden

mit Wasser gekühlt

Die Firma sucht deshalb bereits einen neuen Standort und befindet sich offenbar schon in sehr guten Gesprächen mit der Stadt. Das konnte man Hahns Gesichtsausdruck mühelos ansehen. Er sagte nichts Konkretes, lächelte aber wie jemand, der etwas weiß, was er noch nicht sagen will. Auch Wirtschaftsförderer Thomas Aumüller und Andreas Hasenstab von der Stadtentwicklungs- und Bauleitplanung waren bei der Feierstunde dabei. IHK-Präsident Heep wurde von Hauptgeschäftsführerin Monika Sommer und dem bei der IHK für Unternehmensförderung zuständigen Michael Hahn begleitet. Ihre gemeinsame Botschaft an OVH cloud war sehr deutlich: Wir wollen unbedingt, dass ihr bleibt.

Bürgermeister Hahn sagte später, Limburg liege nicht nur an einer mehr als 1000 Jahre alten Handelsroute, sondern auch an einer Datenautobahn an der A 3. Damit spielte er auf die Glasfaserleitungen entlang der Autobahn an, die für ein Unternehmen wie OVH cloud wichtig sind. Dazu kommt die mindestens ebenso wichtige Nähe zum Rhein-Main-Gebiet, wie Weinreich im Gespräch erklärt. Frankfurt sei ein sehr wichtiger Knotenpunkt für das weltweite Internet, und deshalb gebe es viele Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet. Limburg liegt noch nah genug dran, um Teil dieses Zukunftsmarkts zu sein. "Das Cloud-Geschäft boomt", sagte Weinreich.

Später durften sich die Gäste das neue Rechenzentrum anschauen. Selbstverständlich ist das nicht. Das sieht man schon dem umgebauten Gebäude an der Limburger Straße in Offheim an. Betonmauer. Stacheldraht, Kameras und Stahltor plus eine Rund-um-die-Uhr-Sicherung durch einen Wachdienst. Die in dem Gebäude gesicherten Daten werden maximal geschützt, um Sabotage oder Spionage zu verhindern. Und Limburg kann darüber hinaus froh sein, erdbebensicher zu sein - auch das ist für die Ansiedlung eines Rechenzentrums essenziell.

Bei der Präsentation des dritten Rechenzentrums wurde deutlich, warum OVH cloud in Deutschland Rechenzentren betreibt: Staatliche Behörden als potenzielle wichtige Kunden können und wollen ihre Daten nicht bei amerikanischen Unternehmen speichern. Die sind verpflichtet, die auf ihren Servern - auch in Ländern wie Deutschland - den amerikanischen Behörden zur Verfügung zu stellen. Und die spionieren bekanntlich nicht nur böse Terroristen aus. So ein deutsches Patent kann auch ganz nützlich sein.

Das neue Rechenzentrum selbst ist eine weitere ehemalige Halle der Druckerei mit weißen Wänden, kleinen Fenstern in luftiger Höhe und Hochregalen, in denen sich die Speicherplatten befinden. Hier ist es angenehm warm, aber nur, weil aufwendig gekühlt werden muss. Die zentralen Rechen- und Steuereinheiten der Computer werden ohne Kühlung bis zu 80 Grad heiß. Ohne Kühlung wäre jedes Rechenzentrum eine Sauna. Das macht auf Dauer keine Maschine mit. Also wird gekühlt. Nicht mit Luft, wie sonst üblich, sondern mit Wasser, wie Generalmanager Weinreich betont. Wasser leite Wärme besser ab als Luft und sei energieeffizienter.

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