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Seit letztem Jahr hilft auch Julian Simon den Krippenbauern Sascha Schäfer und Philipp Lamboy (von links).

Ein Hingucker im Limburger Dom

Die etwas andersartige Krippenlandschaft

Maria und Josef zwischen Kakteen und lebendigen Goldfischen

Hoch hinaus wollten die Krippenbauer in diesem Jahr, zudem haben Sascha Schäfer und Philipp Lamboy mit Helfer Julian Simon - wegen der Standfestigkeit - auch intensiv im und am Untergrund gearbeitet. Das Ergebnis: eine völlig andersartige Krippenlandschaft im Limburger Dom, die durch Schönheit und Authentizität besticht. Zwei Rollen Hasendraht haben dafür gesorgt, dass die Gebirgslandschaft von Galiläa entstanden ist, "wenn auch mit Westerwälder Akzenten", schmunzelt Philipp Lamboy. Der 28-jährige Gärtner und Maurer aus Stockum-Püschen und Sascha Schäfer, 38 Jahre alt und seines Zeichens Werkzeugmacher aus Kölbingen, sorgen seit 2010 dafür, dass die Krippenfiguren in Szene gesetzt werden und ihre Geschichte erzählen können.

Goldfische und blühende Blumen

Auch Kinder können so gleich erkennen, worum es eigentlich geht. Im Moment natürlich um die Herbergssuche - die hochschwangere Maria sitzt auf dem Esel und versucht verzweifelt mit Ehemann Josef eine Unterkunft zu finden. Dem Herbergsvater sieht man gleich an, dass er ihnen nicht wohlgesonnen ist. Also müssen sie weiterziehen - in diesem Jahr im Dom über hohe Berge, vorbei an Kakteen, der gemauerten Brücke und dem Bachlauf, der in einem kleinen Teich mündet, in dem sich tatsächlich sieben Goldfische tummeln. Wer jetzt bibelfest ist, könnte darin eine behutsame Andeutung für den See Genezareth in Palästina und die Taufe Jesu im Jordan sehen - aber so wichtig ist das gar nicht. Die jüngsten Besucher jauchzen einfach vor Freude, weil doch tatsächlich lebendige Fische im Gotteshaus schwimmen. Die neue Pumpe sorgt dabei für ein lebendiges Gewässer, in der sich Flora und Fauna gleich wohlfühlen.

Was in diesem Jahr auch ganz besonders gelungen ist, ist die Auswahl der Blumen und Pflanzen. Die jungen Männer haben mit leichter Hand all das in die Erde gesetzt, was zur Landschaft passt und an Weihnachten blüht, wenn alles klappt: Kamelien, Seidelbast, Hamamelis, Amaryllis. Eine Augenweide sind auch die Palmen, die zwischen Jurastein und Moos wachsen. Die große Krippe spricht alle Sinne an: Man sieht viel, hört das Plätschern des Wassers und riecht den Duft der Blumen. Oft sind auch die beiden Domschwestern Schwester Marion und Schwester Waltraud hier zu finden, Domküster Bruder Elmar und der Domschweizer Maurizio Longo und beantworten Fragen. Auch Sascha Schäfer und Philipp Lamboy sind geduldige und interessierte Gesprächspartner und lassen sich beim Umbau an jedem Wochenende über die Schulter schauen. Die beiden sind ein Glücksgriff. Die lange Anfahrt jede Woche und die über 100 Arbeitsstunden pro Kopf machen ihnen nichts aus. "Die Gestaltung der Krippe macht Freude", sagen sie schlicht. "Uns gefällt, dass wir bei der Planung und Ausführung der Landschaft immer kreativ sein dürfen." Die einzige Auflage, die sie haben, ist, beim Aufbau Steine zu verwenden, die dem Farbton des sogenannten Jerusalemsteins entsprechen.

Sommerfrische bei Verwandten

Die zwei talentierten Krippenbauer suchen in Gärtnereien und Baumärkten immer nach passenden Steinen, Folien und Pflanzen. Leider kann nicht alles recycelt werden. So brauchen die Krippenbauer jährlich anderthalb Tonnen neuen Sand. Der wird mit anderen Materialien so vermischt, dass er nicht mehr getrennt werden kann. Alles, was wieder benutzt werden kann, wird aber aufgehoben. Die Pflanzen, darunter die Palmen und die Kakteen, aber auch Öl- und Mandarinenbäumchen sowie Bonsais, werden über den Sommer bei der Verwandtschaft in Pflege gegeben. Und Domküster Bruder Elmar nimmt die Figuren in seine Obhut - damit die Weihnachtsgeschichte alle Jahre wieder erzählt werden kann . Die neue Krippe wurde angeschafft, da die jüngsten Besucher mit der alten Steingutkrippe wenig anfangen konnten. 2010 wurden übergangsweise andere Figuren ausgeliehen. Die ersten neuen Figuren kamen 2011 und wurden in den Folgejahren ergänzt. Figuren und Tiere verlegen die Geschichte aus der Wüste Judäas in unsere Region und die heutige Zeit. Sie ist eingebettet in die Landschaft des Bistums Limburg. Von Süd nach Nord, also von rechts nach links, sind an der Rückwand der Bartholomäusdom in Frankfurt, St. Bonifatius in Wiesbaden, die Bad Camberger Kreuzkapelle und die Simultankirche in Wetzlar dargestellt. Dann geht es in den Westerwald mit der Abtei Marienstatt bis zur Lahnmündung in Lahnstein. In der Senke zwischen der Kreuzkapelle und dem Wetzlarer Dom liegt Limburg: Hier warten Maria und Josef auf das Jesuskind.

In diesem Jahr hat die Dompfarrei Weihnachtskarten von der Domkrippe drucken lassen. Sie können am Schriftenstand gegen eine Spende erworben werden. "Der Erlös ist für zugewanderte Familien, die vielfach mittellos, ohne Sprachkenntnisse, hilflos und zum Teil auch wohnungslos sind. Sie kommen so, wie die Heilige Familie in Bethlehem, bei uns an", berichtet Schwester Marion. anette in concas

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