Maria Heun zeigt die Bestätigung, dass sie geimpft wurde.
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Maria Heun zeigt die Bestätigung, dass sie geimpft wurde.

Von Dehrn nach Wiesbaden

Die Impfung als Geburtstagsgeschenk

  • vonSebastian Semrau
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82-Jährige erhielt Pieks im Regionalen Impfzentrum. Ihr Sohn kann nur Positives berichten. In Limburg geht es am 9. Februar los.

Limburg -Als eine der ersten Personen aus dem Landkreis Limburg-Weilburg ist Maria Heun am Dienstag, einen Tag nach ihrem 82. Geburtstag, im Regionalen Impfzentrum in Wiesbaden gegen das Coronavirus geimpft worden. Ihr Sohn, der Dehrner Ulrich Heun berichtet, was sie dort erlebt haben.

"Ich möchte mich impfen lassen, was hältst Du davon?", fragte meine Mutter als absehbar war, dass eine Corona-Impfung in Kürze möglich sein wird. "Ich halte das für eine sehr gute Idee!", war meine Antwort. Auch meine Brüder waren froh, dass unsere Mutter das Angebot wahrnehmen möchte und so warteten wir, bis sich die Möglichkeiten konkretisierten. Dann war klar, ab dem 12. Januar werden Termine vergeben.

Also habe ich ab morgens um 8 Uhr versucht, einen Termin zu bekommen. Wie man schon ausführlich lesen konnte, war dabei Geduld gefragt, aber diese wurde um die Mittagszeit belohnt. Ich konnte meine Mutter erst registrieren lassen und schließlich am Nachmittag einen Termin vereinbaren. Das zu Beginn der Vergabe die Systeme überlastet sein würden, war mit klar, dass es dann aber doch so schnell funktionierte hat mich gefreut und auch überrascht.

Und dann noch der Termin: 19. Januar 2021, 19.40 Uhr, der erste Tag, an dem in Wiesbaden, dem für uns zuständigen Regionalen Impfzentrum geimpft wird - einen Tag nach ihrem Geburtstag - wahrlich ein schönes Geschenk. Das war schon toll und hat auch meine Mutter sehr gefreut.

Ob das denn mit dem Hinfahren auch ginge? Ich habe ihre Frage gar nicht verstanden. Die ganze Familie war sich einig, wir nehmen jeden Termin und einer von uns Kindern, Schwieger- oder Enkelkindern wird schon fahren.

Dann war er da, der heißersehnte Tag und nachmittags eine Überraschung vom Impfzentrum, nämlich ein Anruf, ob wir auch früher kommen könnten. "Ja gerne, wann sollen wir denn kommen?", fragte ich. Die Antwort ganz einfach: Am besten jetzt. Nun, das ging so schnell leider nicht. Ich musste erst noch von meiner Arbeitsstelle in Frankfurt nach Hause fahren, aber dann nichts wie ab nach Wiesbaden, gegen 17.45 Uhr waren wir da.

Ausreichend Platz im Parkhaus war vorhanden und wir gingen zum Eingang. Noch bevor wir im Gebäude waren wurden wir von einem Mitarbeiter in Empfang genommen: "Sind Sie der 19.40 Uhr Termin? Dann folgen Sie mir einfach." So wurden wir hineingeführt und liefen verschiedene Stationen ab. Zunächst, vor allem anderen, die Temperaturkontrolle, damit niemand mit Fieber in die Impfstraßen kommt, dann Anmeldung, Prüfung der erforderlichen Unterlagen, alles lief ganz problemlos und hochprofessionell ab.

Viel Polizei und Bundeswehr war im Einsatz, um den ganzen Vorgang sicher und den Ablauf reibungslos zu machen. Anschließend hieß es noch Anamnesebogen und Impferklärung ausfüllen und schließlich weiter zur Impfkabine. Dort gab es noch ein kurzes Arztgespräch und dann war es soweit - um 18.15 Uhr bekam meine Mutter die Impfung mit Comirnaty ®, dem Impfstoff von Biontec. Wie meinte die Ärztin: "Eigentlich ziemlich unspektakulär vom Ablauf", aber für meine Mutter etwas ganz besonderes, ein erster Schritt in Richtung Normalität und vor allem Sicherheit.

Danach mussten wir noch etwas warten, um mögliche Impfreaktionen zu bemerken. Meine Mutter hat alles gut vertragen und sagte abschließend: "Hier war man ja wirklich keine Sekunde alleine!" Überall waren Soldaten, die von Station zu Station lotsten und bei Wartezeiten sofort einen Stuhl für die Älteren bereitstellten. Und da an jeder Station Name und Geburtsdatum kontrolliert wurden, gab es noch nachträglich viele Glückwünsche zum Geburtstag.

Nach einer gute Stunden verließen wir das Impfzentrum als letzte von 288 Menschen, die am ersten Tag in Wiesbaden geimpft worden waren. Wenn ausreichend Impfstoff vorhanden ist, kann die Zahl auf über tausend Personen täglich hochgefahren werden. Das schafft auf jeden Fall Zuversicht.

Ein dickes Lob

Auch Gerhard und Renate Weuthen aus Elz hatten bereits am Dienstag Impftermine in Wiesbaden, allerdings einen um 10.50 und einen um 17.40 Uhr. "Das hätte bedeutet: zwei mal 100 Kilomter von Elz nach Wiesbaden fahren. Wir beschlossen, zusammen zum ersten Termin zu fahren und zu bitten, ob es nicht möglich wäre, zusammen geimpft zu werden", berichtet Gerhard Weuthen.

Sie seien am Empfang sehr freundlich empfangen worden und der Herr sagte auf die Bitte hin: "Selbstverständlich können Sie zusammen geimpft werden, gehen Sie nur durch." Auch im weiteren Verlauf seien sie, egal ob Polizist oder Soldat, freundlich weitergeleitet worden. Auch der Arzt in der Kabine empfing sie mit den Worten: "Wir freuen uns, dass sie sich impfen lassen." Das ganze Prozedere habe eine Dreiviertelstunde gedauert. "Da man das nicht alle Tage erlebt, möchte ich dies hier einmal publik machen, denn man sollte nicht nur immer kritisieren sondern auch mal ein dickes Lob aussprechen!"

Land bestätigt: Impfstart in Dietkirchen am 9. Februar

Das Impfzentrum des Landkreises Limburg-Weilburg in Dietkirchen wird am Dienstag, 9. Februar, seinen Dienst aufnehmen. Das hat gestern Michael Schaich, Sprecher des Hessischen Innenministeriums, bestätigt. Einzige Voraussetzung: Impfstofflieferungen halbwegs in dem Umfang, den der Bund den Ländern versprochen hat. Noch seien die benötigten Impfdosen nicht da. Und zuletzt habe der Bund das Land informiert, dass die Lieferungen der kommenden Wochen niedriger ausfallen werden, als ursprünglich geplant. Dies werde voraussichtlich zumindest die nächsten vier Wochenlieferungen betreffen. Das Land Hessen rechnet aktuell für diesen Zeitraum mit etwa 12 Prozent weniger Biontech-Impfstoff.

Dennoch sollen alle 28 Impfzentren des Landes am 9. Februar öffnen, mit einem Beginn der Anmeldung rechnet Schaich für Anfang Februar. Dabei seien die größten Probleme gelöst. "Wartezeiten können wir aber leider dennoch nicht ausschließen", sagt Schaich.

Die ersten 60 000 vergebenen Termine, die sich aus den vom Bund zugesagten Impfstofflieferungen für drei Wochen ergeben, werden aber weiterhin in den sechs Regionalen Impfzentren durchgeführt. Dazu gehört auch die nötige Zweitimpfung nach drei Wochen. Für Bürger aus dem Kreis Limburg-Weilburg ist bis dahin das Impfzentrum in Wiesbaden zuständig. Dort gab es am ersten Tag nach Angaben der Stadt 228 Impfungen. Wie viele davon an Bürger aus dem Landkreis Limburg-Weilburg gingen, konnten auf Nachfrage weder die Stadt noch das Innenministerium mitteilen. Diese Zahl soll aber laut Schaich mittelfristig verfügbar sein.

Dann könnten auch eventuelle ungleiche Vergabezahlen für die jeweiligen Kreise nachträglich noch ausgeglichen werden. Denn bisher wird zwar die Zahl der Impfdosen nach der Bevölkerungszahl vergeben, bei den Regionalen Impfzentren aber kein Unterschied gemacht, wer aus welchem der berechtigten Kreise kommt. "Das hat sich aber sehr gleichmäßig verteilt", sagt Schaich.

Der Sprecher des Innenministeriums möchte übrigens nicht bestätigen, dass der nun erfolgende Impfstart auch in den Landkreisen damit zusammenhängt, dass es zahlreiche Proteste gegeben hatte, weil zunächst nur sechs Impfzentren eröffnet wurden. Den Eingang zahlreicher Schreiben bestätigt er aber. Unter anderem hatten der Hessische Landkreistag, Landrat Michael Köberle (CDU) und auch die Bürgermeister des Landkreises in solchen Schreiben die Öffnung aller Impfzentren gefordert.

Dieser Forderung haben sich zuletzt unter anderem der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Tobias Eckert, die FDP-Landtagsabgeordnete Marion Schardt-Sauer, die Limburger FDP-Fraktion in einem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung sowie die Weilburger und die Elzer SPD dafür starkgemacht. Zudem haben der Limburger Stadtverordnete Robert Kleinmichel und der Eschhöfer Ortsvorsteher Daniel Stenger (beide SPD) eine Online-Petition an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gestartet, die bis gestern 6873 Personen unterstützt wurde.

Anlässlich des Besuches des noch leerstehenden Impfzentrums in Limburg hat Schardt-Sauer ein gemeinsames Vorgehen gegen die Pandemie angemahnt: "Es ist eindrucksvoll, was hier vom Team der Kreisverwaltung mit Landrat Köberle an der Spitze geleistet worden ist! Jetzt fehlt nur der Impfstoff. Wir hoffen, dass dann wie angekündigt auch am 9. Februar viele Menschen im Kreis endlich wohnortnah geimpft werden können. Wir hätten uns einen früheren Impfstart in Limburg gewünscht. Leider war die Landesregierung dazu nicht bereit. Trotzdem hoffen wir dadurch die Pandemie im Laufe des Jahres endlich zu überwinden."

Wer zuerst geimpft wird und wie man an einen Termin gelangt

Zunächst werden nur Menschen mit Schutzimpfungen mit höchster Priorität geimpft. Das sind:

Personen ab 80 Jahre.

Personen in Alten- und Altenpflegeeinrichtungen (Mitarbeiter/innen und Bewohner/innen).

Mitarbeiter/innen ambulanter Pflegedienste.

Mitarbeiter/innen in medizinischen Einrichtungen mit sehr hohem Covid-19-Expositionsrisiko (insbesonder Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste).

Mitarbeiter/innen in medizinischen Einrichtungen, in denen Personen behandelt werden, bei denen eine Covid-19-Infektion schwere und tödliche Verläufe erwarten lässt (insbesondere Hämato-Onkologie, Transplantationsmedizin).

Wenn wieder neuer Impfstoff vorhanden ist, startet die nächste Anmelderunde, vermutlich Anfang Februar. Dies geht an den Hotlines 11 61 17 oder (06 11) 50 59 28 88, unter www.impfterminservice.hessen.de oder auf der neuen Webseite der Landesregierung zur Schutzimpfung in Hessen unter www.corona-impfung.hessen.de.

Im Anmeldeverfahren bereits erfolgreich Registrierte, die aber keinen Termin erhalten konnten, bleiben gespeichert. Registrierungen sind auch weiterhin möglich - nur die konkrete Terminvereinbarung kann erst wieder erfolgen, sobald dafür Impfdosen planbar durch den Bund zur Verfügung gestellt werden. Nur, wenn Hessen mehr Impfdosen erhält, können auch mehr Termine angeboten werden.

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