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Ein feierlicher Moment erlebte die Bäckergenossenschaft am 30. Juli 1925. Geschäftsführer Ludwig Rompel übergibt seinem Vater, dem Ehrenobermeister der Bäckerinnung, Josef Rompel, den Hammer zum Einmauern des Grundsteins für den Neubau an der Dr.-Wolff-Straße.

Heute BÄKO Rhein-Main-Limburg eG

Die Limburger Bäcker setzten auf gemeinsame Kraft

Vor 100 Jahren gründeten sie eine erfolgreiche Genossenschaft mit aktuell 105 Beschäftigten.

Limburg -Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gab es in Limburg weit mehr selbstständige Bäckereien als heute. Die Menschen und die zumeist kleinen Familienbetriebe hatten es nach 1918 schwer, sich von den Verlusten des Ersten Weltkrieges zu erholen. In der Domstadt hatten 20 Bäcker erkannt, dass sie den wirtschaftlichen Neubeginn nur gemeinsam meistern würden. Mit einer weitblickenden Entscheidung gründeten sie die Bäckergenossenschaft, die heutige BÄKO Rhein-Main-Limburg eG, die am Samstag, 28. November, auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken kann.

"Das war in der damaligen Zeit eine geniale Idee", sagt Dr. Klaus Wolf. Der Limburger Jurist, der die Wirtschaftsgeschichte seiner Heimatstadt erforscht, hat dabei zufällig das Jubiläum entdeckt und die Entwicklung der Genossenschaft aufgearbeitet. Demnach erfolgte die erste Versammlung bei Robert Diefenbach, dem Großvater des gleichnamigen, vor knapp drei Jahren verstorbenen Gastwirts "Zur Reichspost", der damals eine Bäckerei neben der Gastwirtschaft in der Frankfurter Straße betrieb. Die Gründung selbst war am 28. November 1920 im Kolpinghaus.

Der Initiator Ludwig Rompel, der Sohn von Obermeister Josef Rompel aus der Brückenvorstadt, wurde im jungen Alter von 25 Jahren zum Geschäftsführer, Wilhelm Peuser (Untere Fleischgasse) zum Vorstandsvorsitzenden und Josef Mais (Frankfurter Straße) zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Ein gemieteter Büroraum in der unteren Grabenstraße diente als Geschäftsstelle.

"Von den Einlagen hat die Genossenschaft Mehl und Salz gekauft und beim Vorsitzenden in der Fleischgasse eingelagert", berichtet Klaus Wolf. Wilhelm Peuser war der Vorbesitzer der Bäckerei Bischoff, heute "Hermann's Café". Geschäftsführer Ludwig Rompel habe das Geschäft ausgebaut und weitere Lagerräume in der Grabenstraße und im Eschhöfer Weg angemietet. Der Erfolg habe dazu geführt, dass sich weitere Bäcker aus dem Umland der eGmbH anschlossen.

300 Mitglieder

nach drei Jahren

Als in der Nachkriegszeit 1921 die französischen Besatzer heimische Betriebe mit der Zwangsbewirtschaftung konfrontierten, verlagerte Ludwig Rompel die Vorräte in Lager nicht besetzter Gebiete, so in Hadamar, Runkel und Steeden, um sie der Verfügbarkeit durch die Besatzer zu entziehen. Er besorgte bei Behörden Mehlkontingente und legte auf diese Weise alle Geldeinlagen in Ware an. In weiser Voraussicht stellte die Genossenschaft ihr Stammkapital auf tausend Zentner Roggenmehl um und entging in der Inflationszeit dank der Sacheinlage der Geldentwertung. Bereits drei Jahre nach ihrer Gründung zählte die Bäckergenossenschaft bereits 300 Mitglieder. "Heute würde man das einen Hype nennen", kommentiert Wirtschaftsforscher Wolf.

"Rompel hatte in der Krisenzeit großen wirtschaftlichen Erfolg, der schließlich in der Zusammenführung sämtlicher Lagerräume in einem Neubau in der Dr.-Wolff-Straße führte, der nach den Plänen des Architekten Willy Bungarten errichtet wurde", so Wolf weiter. Die neugeschaffenen räumlichen Kapazitäten mit Büros und einem Laden im Erdgeschoss erlaubten nach der Einweihung am 28. Juli 1926 auch den Ankauf von Mehl, das mit großen Schiffen auf der Lahn von oberrheinischen Mühlen angeliefert wurde. Auf der Rückfahrt transportierten die Lastkähne heimisches Getreide zu den Mühlen.

Der Zweite Weltkrieg unterbrach den florierenden Handel. Nicht allein, dass einer der beiden zur Versorgung des Umlandes angeschafften Lkws von der Wehrmacht eingezogen wurde, auch viele Mitarbeiter und Kunden standen nicht mehr zur Verfügung. Doch der verheißungsvolle Neubeginn kam 1955 in einem Erweiterungsbau an der Ecke zur Frankenstraße zum Ausdruck.

Einen traurigen personellen Rückschlag musste die Genossenschaft 1958 hinnehmen. Ludwig Rompel, der inzwischen zum Direktor befördert worden war und in Personalunion auch die Landes- und der Bundeszentrale der Bäckergenossenschaft führte, verstarb während seines Dienstes im Alter von 63 Jahren.

Roberto Blanco

singt beim Jubiläum

Ein sichtbares Zeichen des Fortschritts war in den 1960er Jahren die Expansion eines Lagers mit Musterbäckerei in der benachbarten Frankenstraße. Dort, wo später das Krimipanoptikum Einzug hielt, wurden Vorführungen, Schulungen und Hausmessen veranstaltet. Unter Friedhelm Brass, der 1970 die Geschäftsführung übernahm, beging die Genossenschaft in der Markthalle zum 50-jährigen Bestehen eine großartige Party. Mit dem Mainzer Karnevalist Rolf Braun als Conférencier sowie Roberto Blanco und Mona Baptiste als Gesangsstars feierten 1400 Besucher.

1973 erfolgte der Umzug in den vom Architekten Erich Götting geplanten Neubau im Gewerbegebiet auf dem Fleckenberg nahe Offheim, was die Schließung der Zentrale zur Folge hatte. Das Verwaltungs- und Lagergebäude wurde 1980 abgebrochen, nur das Portal blieb bis heute. Es wurde in den Neubau der City-Arkaden integriert. Dr. Klaus Wolf: "1974 kam die BÄKO Frankfurt infolge Fehlmanagements in Schieflage, so dass Friedhelm Brass dort kommissarisch als Geschäftsführer eingesetzt wurde. So kam es zur Fusion mit Limburg zur BÄKO Hessen-Nassau Bäcker- und Konditoren-Genossenschaft eG."

Heute beliefert die 2009 umfirmierte BÄKO Rhein-Main-Limburg eG ihre Mitglieder der Bäcker- und Konditorenbranche neben Rohstoffen mit Produktionsmaschinen, Ladeneinrichtungen und mehr. An den beiden Standorten in Limburg und Wiesbaden hat sie nach eigenen Angaben 105 Beschäftigte und erwirtschaftete 2019 einen Jahresumsatz von 56,5 Millionen Euro.

Die Gründer

Die 20 Gründer 1920 waren: Karl Baier, Werner-Senger-Straße 23; Josef Foß, Obere Grabenstraße 22, Bäcker und Gastwirt; Franz Karl Haas, Bahnhofstraße 13 (heute Café Marucci); Johann Peter Hatzmann, Weiersteinstraße 2; Wilhelm Heun, Fischmarkt 6; Adam Keller, Im Schlenkert 9; Karl Lang, Wallstraße 6; Josef Mais, Frankfurter Straße 23; C. Hermann Maldaner, Salzgasse 4; Josef Menges, Brückengasse 6; Adolf Meuer, Diezer Straße 49; Anton Noll, Bischofsplatz 3 (heute Café Kosmol); Michael Ost, Holzheimer Straße 10; Wilhelm Peuser (ab 1928 Bäckerei Bischoff, heute Hermann's Café); Josef Rompel, Bäckerobermeister, Brückenvorstadt 26, heute Westerwaldstraße); Christian Schwenk, Flathenbergstraße 7 (heute Werner-Senger-Straße); Heinrich Strunk, Frankfurter Straße 1; Karl Weyand, Brückenvorstadt 15; Karl Will, Salzgasse 23 (heute Café Will); Peter Josef Wirth, Barfüßerstraße 18/20 (heute Bäckerei Friedrich, "Zum Schlößje")

Dieter Fluck

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