In der Limburger Fußgängerzone steht die Ampel weiter auf Rot. Ein paar Lockerungen des Lockdowns gibt es zwar, vielen Betroffenen reicht das aber nicht aus.
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In der Limburger Fußgängerzone steht die Ampel weiter auf Rot. Ein paar Lockerungen des Lockdowns gibt es zwar, vielen Betroffenen reicht das aber nicht aus.

Die Reaktionen aus Limburg-Weilburg

Die meisten Ampeln bleiben rot

Neueste Corona-Beschlüsse stoßen nur bei wenigen Betroffenen auf Zustimmung

Limburg-Weilburg -Für die meisten vom Lockdown betroffenen Branchen stehen die Ampeln auch nach den Beschlüssen von Bund und Ländern am Mittwochabend auf Rot. Ein paar Lichtblicke gibt es aber auch. Wir haben uns beim Einzelhandel, der Gastronomie und im Sport im Kreis Limburg-Weilburg umgehört, wie diese die Situation bewerten.

Einzelhandel: "Besser als nichts." Mit diesen Worten kommentiert der Vorsitzende des City Rings Limburg, Horst O. Hoppe, die jüngsten Öffnungsperspektiven für den Einzelhandel. Bei Inzidenzwerten zwischen 50 und 100 dürfen Händler Kunden nach Voranmeldung im Laden bedienen. Mit diesem "Click and Meet" werde aber nur die kleinste Forderung des Einzelhandels erfüllt, machte Hoppe deutlich. Der Handel benötige dringend mehr finanzielle Unterstützung, um überleben zu können. Er halte die Beschlüsse für ein Ablenkungsmanöver, bei dem Handel und Gastronomie zum Sündenbock der Corona-Politik gemacht würden. Beide Sparten seien einer "politischen Willkür ausgesetzt, die durch nichts zu rechtfertigen ist". Die Inhaber vieler Geschäfte könnten sich derzeit kein Gehalt auszahlen und müssten dennoch ihre Familien ernähren. Dies könnten sich Leute, die jeden Monat ihr festes Gehalt ausbezahlt bekommen, gar nicht vorstellen, kritisiert Hoppe.

"Ein bisschen erleichtert", zeigte sich hingegen Beate Seibert-Simon, Vorsitzende des Gewerbevereins Elz, die selbst einen Kinderladen ("Schatzkiste") betreibt. "Wir hätten natürlich lieber eine Öffnung mit 20 Quadratmetern pro Kunde gesehen", sagt sie. "Aber Click and Meet ist wenigstens ein erster Schritt." Sie hoffe, dass in der Woche vor Ostern die Läden unter Hygieneauflagen wieder öffnen können. Sie selbst könne sich mit ihrem Abholservice und "ganz tollen Kunden, die uns unterstützen", noch ganz gut über Wasser halten, sagt Seibert-Simon.

Claudia Ochs-Urban von Möbel Urban Bad Camberg ist mit der Möglichkeit von "Click and Meet" zufrieden. "Für den Möbel- und Küchenbereich ist das eine gute Sache, denn wir haben sehr viel Platz, und bei uns läuft im Verkauf sowieso vieles über Terminvergabe", sagt sie. "Wir sind eine beratungsintensive Branche und daher für den Montag bestens gerüstet." Eine totale Öffnung wäre sicher besser gewesen, um auch Laufkundschaft zu gewinnen, doch mit dieser Regelung könne Möbel Urban gut leben. "Wir sind zufrieden", sagt Ochs-Urban.

Bei Wolfgang Eck, dem Vorsitzenden der Wirtschafts-Werbung Weilburg (WWW) will sich, wie er sagt, keine "richtige Begeisterung" einstellen, "aber immerhin hat der Handel eine Perspektive". Allerdings sei "Click and Meet" längst nicht ausreichend, um Umsätze zu machen, die mehr als die Miete decken. Kritisch sieht Eck die Öffnung bei einer Inzidenz unter 50. "Wie will man planen und Werbung machen, wenn alles wieder dicht gemacht wird, sobald die Inzidenz drei Tage über 50 steigt?", fragt er sich.

Hotels und Gastronomie: Für Hotels und Gaststätten ändert sich vorläufig nichts. Erst am 22. März soll erneut darüber beraten werden, ob und wann in Restaurants gegessen, an Tresen getrunken und in Hotels übernachtet werden darf. "Bis dahin sind uns alle Illusionen genommen", sagt Armin Güth, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Limburg und Inhaber des Hotels Lochmühle in Oberzeuzheim. Damit sei klar, dass Gastronome und Hoteliers in diesem Jahr erneut das Ostergeschäft abschreiben können.

Mit gelockerten Maßnahmen für seine Branche rechnet Güth nicht vor Ende April. Und selbst dann wird ein Restaurantbesuch reglementiert sein: Gäste müssen sich anmelden, registrieren, dürfen maximal zu fünft erscheinen und aus höchstens zwei Haushalten stammen, und gespeist werden darf nur im Außenbereich ohne Heizstrahler, weil die in Hessen verboten sind, sagt Güth. "Was glauben Sie, wie viele Gäste unter diesen Bedingungen kommen?" Noch schwieriger werde die Situation, wenn beim Restaurant-Besuch ein aktueller Corona-Test vorgelegt werden soll. "Was will man den Gastronomen denn noch alles aufdrücken? Wie soll das gehen?"

Gemeinsam mit seinen Kollegen habe er auf eine Perspektive gehofft. Dabei habe niemand an das große Massengeschäft mit Bussen oder riesigen Feiern gedacht, sondern an "ganz normale Familien oder Kleingruppen, die auswärts essen wollen". Doch diese Perspektive gibt es vorerst nicht. Armin Güth ist enttäuscht. Denn wie es weitergehen soll, bleibt ungewiss. Klar ist nur, dass es nach der Pandemie nicht für alle weitergehen wird. "Wenn wir wieder arbeiten können und uns umdrehen", sagt Güth, "dann werden wir feststellen, dass zehn bis 20 Prozent der Hotels und Gaststätten nicht mehr da sind." Die Finanzspritze des Bundes ändere daran nichts. Die hatte vorgesehen, dass Betriebe 75 Prozent des November- und Dezemberumsatzes aus dem Vorjahr als Corona-Hilfe bekommen. Reichen wird das nicht, ist Güth überzeugt. In den meisten Fällen handele es sich hier allenfalls um einen "niedrigen vierstelligen Betrag". Zum Überleben genüge das nicht.

Sport: "Ich habe mir schnellere Lockerungen gewünscht", sagt Benedikt Folda, Geschäftsführer des Fitnessstudios "Fit & Fun Folda" in Niederselters. Es seien Hygienekonzepte vorhanden, die für die Sicherheit der Kunden und Trainer sorgen. "Die Sportler haben vor der Schließung im November stets die Abstands- und Hygieneregeln beachtet. Und das würden sie im Falle einer Öffnung auch erneut tun", so Folda. Frühestens am 22. März darf er sein Fitnessstudio wieder öffnen. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 aber nur für Kunden, die einen tagesaktuellen Selbst- oder Schnelltest vorlegen.

"Auch uns hat die Corona-Krise natürlich getroffen", sagt er. Allerdings habe der Familienbetrieb jahrelang gut gewirtschaftet, so dass es trotz des verlängerten Lockdowns keine Existenzängste gebe. Folda kann es sich derzeit noch leisten, auf die Beiträge seiner treuen Mitglieder zu verzichten. "Wir haben beschlossen, dass niemand, der nach dem Lockdown wieder bei uns trainieren will, während der Schließung für seine Mitgliedschaft zahlen muss", sagt er.

Jürgen Erlemann, Fußball-Abteilungsleiter des RSV Weyer, kann verstehen, dass nicht noch stärker gelockert wird. "Die Gesundheit ist das Allerwichtigste", betont er. Trotzdem würde er sich sehr darüber freuen, wenn die Kicker seines Vereins zeitnah wieder auf den Platz zurückkehren könnten. Sollte die Inzidenz nicht auf über 100 ansteigen, dürfen Kinder und Jugendliche ab kommenden Montag wieder individuell und kontaktlos trainieren. "Wir werden uns schnellstmöglich zusammensetzen, damit die Kids schon bald wieder gegen den Ball treten können."

Die Situation für die Seniorenmannschaften sei noch weitaus schwieriger, da kontaktloses Training eine echte Vorbereitung für die Spiele nicht ersetzen könne. Mit der Vorlage eines tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttests dürfen die Erwachsenen ab 22. März wieder mit Kontakt trainieren, wenn die Inzidenz dann immer noch zwischen 50 und 100 liegt. "Es ist aber nur schwer umsetzbar, jeden einzelnen der über 40 Spieler vor den Einheiten zu kontrollieren, ob sie sich selbst getestet haben", so Erlemann. Man werde in Ruhe darüber beraten, wie dies möglich sein könne. abv/goe/tob

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