Keiner da in der Kreisstadt zum Jahreswechsel: Limburg erweist sich auch auf dem Neumarkt in der Silvesternacht als "No-go-Area".
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Keiner da in der Kreisstadt zum Jahreswechsel: Limburg erweist sich auch auf dem Neumarkt in der Silvesternacht als "No-go-Area".

Corona-Regeln weitgehend beachtet

Die ruhigste Silvesternacht aller Zeiten

  • vonKlaus-Dieter Häring
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  • Robin Klöppel
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Auf den Straßen und Plätzen in Limburg ist fast niemand zu finden. Einsatzkräfte im Kreis weniger als sonst gefordert.

Limburg -Über Limburg in der Nacht kursieren seit Jahren im Netz die abenteuerlichsten Geschichten. Menschen, die Angst haben, im Dunkeln durch die Innenstadt zu laufen, die gar von einer "No-go-Area" sprechen. Doch in der Silvesternacht war diesmal alles anders, wie eine Runde mit den Mitarbeitern der Ordnungsbehörde zeigte. Ab 21 Uhr galt ja auch in der Kreisstadt Limburg eine Ausgangssperre.

Würden trotzdem kurz vor dem Jahreswechsel alkoholisierte Gruppen auftauchen, denen die Corona-Bestimmungen schnuppe sind? Um kurz vor 23 Uhr ist es am Limburger Bahnhof kühl und regnerisch. Der Bahnhofsvorplatz ist fast menschenleer. Keine Fußgänger, keine Herumlungernden. Nur fünf Taxifahrer warten brav an ihrem Standplatz auf Kundschaft.

Pünktlich um 23 Uhr treffen sich die städtischen Hilfspolizisten, die in der Silvesternacht im Dienst sind, mit dem Leiter der Ordnungsbehörde, André Tamoschus, zur Lagebesprechung. Bisher alles ruhig, teilen seine neun Leute - ein Zehnter hatte sich kurz vor Dienstbeginn krank gemeldet - mit. Vor Mitternacht sollen sie wieder in der Innenstadt ausschwärmen, um Personen zu kontrollieren, die sich trotz Ausgangssperre draußen aufhalten - auf dem Bahnhofsvorplatz, auf dem Neumarkt bis zum Europaplatz, an der alten Lahnbrücke, aber auch in der Altstadt wie am Kornmarkt und auf dem Domplatz, wo prinzipielles Böllerverbot herrscht. Tamoschus bittet sie um keine Toleranz bei Verstößen. Seine Leute sollen aber auch nichts riskieren und Verstärkung anfordern, falls irgendwo größere Gruppen auftauchen sollten.

Wer erwischt wird,

muss 200 Euro zahlen

Die Ordnungshüter ziehen wieder in die Nacht los. Als Tamoschus, der noch schnell etwas aus seinem, Büro holt, wieder aus dem Gebäude tritt, huschen zwei Jugendliche auf einem Rad vom WERKStadt-Gelände kommend vorbei in Richtung Busbahnhof. "Wären sie fünf Minuten früher gekommen, hätten sie Pech gehabt", sagt der Leiter der Ordnungsbehörde. Denn ohne triftigen Grund in der Nacht auf der Straße zu sein, kann eine Strafe in Höhe von 200 Euro nach sich ziehen. Die städtischen Mitarbeiter nehmen dabei nur die Namen der Betroffenen auf und geben sie an den Kreis weiter, so Tamoschus. Von den Einnahmen aus Corona-Verstößen habe die Stadt Limburg nichts.

Der Leiter der Ordnungsbehörde ist verärgert über die Gerüchte über die Sicherheit in Limburg. "Unsere Leute werden viel schlechter dargestellt, als sie sind", sagt Tamoschus. Natürlich könnten sie nicht überall sein. In der Silvesternacht sei niemand in den Stadtteilen. Aber man habe sich bewusst auf die Innenstadt konzentriert, wo besonders mit Gruppenbildung und Böllerei zu rechnen sei.

Tamoschus sagt: "Das Wetter spielt uns heute in die Karten. Keiner hat im Regen Lust, raus zu gehen." Der Abteilungsleiter prognostiziert, dass in der Nacht nichts passieren werde. Und tatsächlich: Vor dem Bahnhof, in der Fußgängerzone, auf dem Kornmarkt, in der ganzen Altstadt und auch auf dem Domplatz keinerlei Fußgänger zu sehen sind. Irgendwen muss es doch geben, der die Regeln nicht kennt oder dem sie einfach egal sind. Jemand, der mit einer faulen Ausrede kommt, warum er trotz Ausgangssperre auf der Straße herumlungert.

Tamoschus ist mit vier Ordnungshütern mittlerweile vor dem beleuchteten Dom angekommen. Tamoschus' Funkgerät geht. Auf der alten Lahnbrücke haben seine Leute nur ein Ehepaar angetroffen, dass erlaubterweise mit dem Hund Gassi geht - und eine weitere Person, die kontrolliert wird. Dann taucht auch eine Regelbrecherin am Dom auf, eine junge Frau aus Alsfeld, die bei Freunden zu Besuch war und angeblich nicht wusste, dass in Limburg eine Ausgangssperre existiert. Sie wird trotzdem Post vom Kreis erhalten.

Mittlerweile ist es wenige Minuten vor dem Jahreswechsel. Niemand außer den Ordnungshütern ist am Dom. Im Hintergrund v sind nur ganz wenige Böller zu hören. Kurz vor Mitternacht geht die Dombeleuchtung aus und Tamoschus und seine Leute stehen plötzlich im Dunkeln. Zeit, noch eine Runde durch die Stadt zu gehen. In der Altstadt hört es Tamoschus von weitem krachen. Doch noch jemand, der das Feuerwerksverbot in der Altstadt bricht? Aber in keiner der Gassen ist jemand zu sehen. Auf dem Kornmarkt plötzlich Geräusche. Es ist aber nur ein Mann, der das Fenster aufreißt und den Hilfspolizisten aus dem ersten Stock runter freundlich einen "Guten Rutsch" wünscht.

Einige Personalien

aufgenommen

In der Fleischgasse und in der Grabenstraße sind es ein paar Anwohner, die sich gegenseitig von Haus zu Haus aus offenen Fenstern "Alles Gute für 2021" zurufen. "Seit 23 Uhr waren es drei Leute, von denen wir die Personalien aufgenommen haben", sagt Tamoschus kurz vor ein Uhr nachts. Als die Ordnungshüter gemeinsam wieder am Bahnhofsvorplatz ankommen, stehen vor einem Geschäft zwei Männer. Der eine rettet sich schnell in seinen Laden zurück, fährt eiligst das Rolltor herunter, der andere bleibt alleine mit einer Bierdose in der Hand zurück.

"Ich wollte nur meinem Chef noch was vorbeibringen", rechtfertigt er sich. "Sie dürfen aber ab 21 Uhr nicht mehr auf der Straße sein", sagt Tamoschus. Auch sein Hinweis, er wohne doch ganz in der Nähe auf der Schiede, wird den Limburger nicht vor einer Strafe retten. Irgendwann weiß der Mann, dass er verloren hat, zeigt seinen Ausweis und schleicht sich dann von dannen.

"Wenn ich schreibe, dass so gut wie nichts los war, werden wieder irgendwelche Leute im Netz behaupten, die blöde Presse steckt mit der Stadt unter einer Decke und verschweigt die Wahrheit", sagt ein Mitarbeiter beim Abschied zu André Tamoschus. Auf der Fahrt nach Elz sieht der Reporter noch ein jugendliches Pärchen am Straßenrand in der Ste.-Foy-Straße und zwei Männer, die vor einem Haus in Neu-Staffel stehen. Das war's. Wenn eine "No-go-Area" also ein Gegend ist, in die o nachts in der Corona-Zeit so gut wie niemand geht, dann ist Limburg wirklich eine.

So wenige Einsätze

wie noch nie

Ob Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst: So ruhig war die Silvesternacht im Kreis Limburg-Weilburg wohl noch nie. Die Beamten des Polizeipräsidiums Westhessen verzeichneten in Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis, Hochtaunuskreis, Rheingau-Taunus-Kreis und dem Kreis Limburg-Weilburg insgesamt 72 Verstöße gegen die Coronabeschränkungen. Darunter sind auch acht Verstöße gegen die nächtliche Ausgangsbeschränkung im Kreis Limburg-Weilburg. Ruhig verlaufen sei die Nacht, berichtet die Polizei.

Die für den Brand-, Katastrophenschutz und den Rettungsdienst zuständige Zentrale Leitstelle des Landkreises Limburg-Weilburg hatte laut Kreis im Vergleich zu allen Vorjahren erfreulicherweise ein niedriges Einsatzaufkommen zu verzeichnen. 16 Einsätze, sieben weniger als im Vorjahr, hatten die Mitarbeiter der für den Rettungsdienst und Krankentransport beauftragten Kreisverbände des Deutschen Roten Kreuzes Limburg und Oberlahn und des Malteser Hilfsdienstes abzuarbeiten. Dazu mussten die Rettungsdienste bei neun Einsätzen mit Blaulicht und Martinshorn, davon sechs Mal mit Unterstützung des Notarztes, ausrücken, um Verletzten oder plötzlich erkrankten Bürgern Hilfe zu leisten. Lediglich ein Einsatz war auf den übermäßigen Genuss von Alkohol ausgelöst. Einsätze, die auf den unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern zurückzuführen sind, gab es erfreulicherweise keine.

Kreisbrandinspektor Georg Hauch berichtet von deutlich weniger Einsätzen als im Vorjahr, als elf alarmierte freiwillige Feuerwehren mit 122 Einsatzkräften ausrücken mussten. Diesmal gab es nur zwei Alarmierungen, bei denen insgesamt 30 Feuerwehrleute eingesetzt waren. Die Freiwillige Feuerwehr Villmar musste, das neue Jahr war gerade drei Minuten alt, zu einer unklaren Rauchentwicklung an der Kirche ausrücken - dies lag an Feuerwerkskörpern und der Einsatz konnte schnell beendet werden. Um 19 Minuten nach Mitternacht waren die Silvester-Feierlichkeiten für die Einsatzkräfte der Frickhofener Feuerwehr zu Ende. Es wurde ein Feuer in der Limburger Straße gemeldet. Ein Anwohner eines Einfamilienhauses wurde durch Nachbarn auf brennende Paletten auf einem Wiesengrundstück neben seinem Haus aufmerksam gemacht. Schnell hatten die Einsatzkräfte das Feuer unter Kontrolle. Der Schaden beschränkt sich auf die Holzpaletten.

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