Bevor es den Schiedetunnel gab, befand sich neben dem ebenerdigen Bahnübergang an der Ecke Schiede/Graupfortstraße die Glasgroßhandlung Rosbach & Schmidt, zuletzt Verkaufs- und Lagerhallen der Firma Glas-Rosbach. Vor der Mauer stand eine damalis typische Tabakwaren- und Zeitschriftenbude.
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Bevor es den Schiedetunnel gab, befand sich neben dem ebenerdigen Bahnübergang an der Ecke Schiede/Graupfortstraße die Glasgroßhandlung Rosbach & Schmidt, zuletzt Verkaufs- und Lagerhallen der Firma Glas-Rosbach. Vor der Mauer stand eine damalis typische Tabakwaren- und Zeitschriftenbude.

Vergessene Plätze in Limburg

Die Vorgänger des Zentralen Omnibusbahnhofs

An der oberen Schiede standen eine Malzfabrik sowie eine Getreide- und eine Glasgroßhandlung

Limburg -Kaum ein Stadtbereich hat in den vergangenen 150 Jahren so gravierende Veränderungen erfahren wie die obere Schiede. Die größte aller Maßnahmen, worüber wir in der Reihe "Vergessene Plätze" bereits berichtet haben, war der Bau des 1982 eröffneten Schiedetunnels. Danach wurde schon zweimal der Bahnhofsvorplatz aufwendig neu gestaltet. Auch die angrenzende obere Graupfortstraße hat ein neues Gesicht bekommen.

Die Freigabe des Tunnels hatte im gleichen Jahr die Schließung des ebenerdigen Bahnübergangs zur Folge. Die Neuordnung des Verkehrs, so auch des Linienbusbetriebs, führte unter Bürgermeister Josef Kohlmaier zu der Idee, in Bahnhofsnähe einen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) mit Parkdecks für den Individualverkehr zu errichten.

Wer mit dem Bus anreist und den kurzen Weg zur Stadt sucht, solle gut bedient werden und die Geschäftswelt davon profitieren, hieß es. Diese Zielsetzung führte bereits zwei Jahre später zur Eröffnung des ZOB mit 15 Omnibus-Standplätzen und 185 Stellplätzen für Pkw, davon 80 Pendlerplätze, mit Aufzug und damals noch mit eingebautem Kiosk mit Gesamtkosten von sechs Millionen Mark.

Diese Anlage mit einer Nutzfläche von 7374 Quadratmetern in unmittelbarer Citynähe bedeutete vor 40 Jahren ein Meilenstein für die aufstrebende Kreisstadt. Für Kohlmaier kam dem Projekt eine Schlüsselfunktion bei der Neuordnung des fließenden Verkehrs zu.

Für Einkäufer

und Pendler

Einerseits wurde der unbefriedigenden Situation der Linienbusse auf dem Bahnhofsvorplatz abgeholfen, andererseits war es das Bestreben, möglichst vielen Einkäufern das Parken in der Stadt zu erleichtern und Pendlern mit den Park-and-Ride-Plätzen das Umsteigen auf die benachbarte Bahn zu ermöglichen.

Das zukunftsweisende Projekt war nach dem Abbruch von Häusern und Betriebsgebäuden möglich geworden. An der Einmündung der Graupfortstraße auf die Schiede befand sich vorher die Glasgroßhandlung Rosbach & Schmidt. Zuletzt waren dort bis 1977 Verkaufs- und Lagerhallen der Firma Glas-Rosbach.

Doch reicht die Geschichte dieses Areals viel länger zurück. Im Limburger Stadtarchiv ist nachzulesen, dass auf dem Gelände des heutigen Busbahnhofs einst zwei Gebäude standen: Die Häuser Graupfortstraße 9 und 11. Das Haus Nummer 9 gehörte Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts dem Glasermeister Gottfried Bartz, der dort - später auch mit seinem Sohn - eine Kunstglaserei betrieb. In den 1920er Jahren ging das Anwesen an den Spenglermeister Johann Preuß über, der dort eine Spenglerei hatte.

Großbrand im

Mälzereigebäude

Das Nachbarhaus Graupfortstraße 11 entstand 1882 auf einem Gartengrundstück, das die Erbengemeinschaft Laturner an Peter Gotthardt verkaufte. Dieser errichtete dort eine Malzfabrik, die aus der Produktionsstätte und einem Fruchtlager bestand. Das Mälzereigebäude wurde 1900 durch einen Großbrand stark zerstört, das Fruchtmagazin gänzlich vernichtet, sodann 1912 durch einen Anbau erheblich erweitert. Das Anwesen diente auch als Getreide- und Mehlhandlung. In den 1920er Jahren zog die Firma Gotthardt in die Werner-Senger-Straße um.

Der Fabrikschornstein der früheren Mälzerei Gotthardt in der Graupfortstraße wurde 1938 niedergelegt, das Gebäude, das zuletzt als Wehrmachtslager genutzt wurde, durch mehrere Bombenangriffe am 25. März 1945 total zerstört. Mitte der 1950er Jahre erfolgte der teilweise Wiederaufbau für Verkaufs- und Lagerhallen durch die Firma Rosbach & Schmidt. Dieter Fluck

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