Der Kreisverkehr an der Bundesstraße 417 in Höhe der Zeppelinstraße (links) und der Eppenau (rechts) kurz vor der Ortseinfahrt Linter wird nach jahrelanger Diskussion neu gestaltet. Die Stadt übernimmt die Zuständigkeit vom Bund.
+
Der Kreisverkehr an der Bundesstraße 417 in Höhe der Zeppelinstraße (links) und der Eppenau (rechts) kurz vor der Ortseinfahrt Linter wird nach jahrelanger Diskussion neu gestaltet. Die Stadt übernimmt die Zuständigkeit vom Bund.

Ende einer unendlichen Geschichte

Dieser Kreisel kurz vor Linter wird schick gemacht

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
    schließen

Weil Bund und Land nicht wollen, springt die Stadt Limburg ein und investiert 15 000 Euro plus Folgekosten.

Limburg -"Gut Ding will Weile haben", wusste schon der alte Goethe. Es sei denn, es ist Wahlkampf. Dann kann "Gut Ding" schon mal kurze Weile haben. Den Bürgern in Linter dürfte das letztlich egal sein: Sie bekommen in diesem Wahljahr das, was sie sich schon lange wünschen - einen neugestalteten Kreisel an der B 417 in Höhe der Zeppelinstraße. Nach jahrelangem Hickhack, wer denn nun diesen Kreisel gestalten darf oder auch nicht, ihn gestalten sollte oder vielleicht müsste, lässt die Stadt Limburg per Pressemitteilung verkünden, dass sie das zwar nicht müsste und dennoch will, aber nur ausnahmsweise.

Das sind die Fakten:

Der Kreisverkehr kurz vor dem Ortseingang von Linter soll mit Blumenbeeten, einer Blühwiese und den Wappen von Limburg und Linter gestaltet werden.

Zwei größere Blühwiesen sollen auf dem Kreisel nach Angaben der Stadt angelegt werden.

In der Mitte ist ein "Mähwiesenstreifen" vorgesehen, auf dem zwei Wappen zu sehen sind - aus Richtung Linter kommend das Wappen von Limburg und aus Richtung Limburg kommend das Wappen von Linter.

Die Wappen werden gepflastert, die Wappenbilder - für Limburg die Burg und für Linter der Frosch - werden aus Metall gefräst.

Diese Gestaltung kostet die Stadt rund 15 000 Euro. Dazu kommen jährliche Kosten in Höhe von 5000 Euro für die Pflege.

Die Pflege übernimmt nicht die Stadtgärtnerei, sondern ein "externer Dienstleister". Warum? "Die Stadtgärtnerei wird die Pflege nicht übernehmen, da sonst in anderen Teilen der Stadt Pflichtaufgaben liegenbleiben", teilt die Stadt mit.

Formal übernimmt die Stadt die Zuständigkeit für diesen Kreisverkehr an der Bundesstraße. Zuständig ist eigentlich der Bund, vertreten durch die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil. "Da das Land Hessen eine attraktive Gestaltung nicht umsetzen will und auf die Mindestanforderungen verweist, muss die Stadt Limburg hier ausnahmsweise die Zuständigkeit übernehmen", teilt die Stadt mit.

Nun steht noch der Beschluss der Stadtverordneten aus: Der Magistrat empfiehlt den Stadtverordneten, der Stadt zu erlauben, für den Kreisel zuständig zu sein und dafür Geld auszugeben. Eine Zustimmung dürfte gewiss sein.

Denn schon Ende 2017 hatten die Stadtverordneten auf Initiative der FDP den Magistrat aufgefordert, für eine "ansprechende Gestaltung" des Kreisels auf der B 417 zwischen der Kernstadt und Linter zu sorgen und 10 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Besonders groß war der Wunsch im Ortsbeirat Linter, den Grashügel, der zwei Mal im Jahr gemäht wird, zu bepflanzen. Das Problem: Er liegt nicht auf Linterer Gemarkung, sondern gehört formal zu Eschhofen, weil das direkt nebenan liegende "Linterer Wäldchen" auch noch ein Teil von Eschhofen ist. Damit war zwar der Ortsbeirat Kernstadt, für den der Kreisel allerdings kein Herzensanliegen war, außen vor, aber der Eschhöfer Ortsbeirat fühlte sich auch nicht zuständig, weil der Kreisverkehr viel zu weit weg von Eschhofen liegt.

Im Frühjahr 2018 hatte es noch einen Termin am Kreisel mit den Ortsbeiräten Innenstadt und Linter gegeben. Kurz darauf folgte ein Schreiben der Stadt an Hessen Mobil mit der Botschaft, die Stadt sei nicht zufrieden mit der Pflege des Kreisels. Die Pflege werde "nicht ordnungsgemäß durchgeführt". Die Stadt erinnerte daran, Hessen Mobil habe sich einst verpflichtet, im Kreisel "Landschaftsrasen einzusäen und dort Rosensträucher im Wechsel mit Lavendelsträuchern anzupflanzen".

Hessen Mobil antwortete irritiert, der Stadt sei doch schon 2011 mitgeteilt worden, von einer Bepflanzung mit Lavendel- und Rosensträuchern abzusehen, weil deren Pflege nicht leistbar sei; schon deshalb, weil es immer wieder lange Frost- oder Hitzeperioden geben könne und Kreisel mit einer solchen Bepflanzung dann unansehnlich würden.

Aber auch Vorschlägen, der Kreisel könne durch private Initiativen oder Sponsoren wie einer Gärtnerei aufgewertet werde, erteilte Hessen Mobil immer eine Absage, weil dort - noch außerorts - schneller gefahren werden dürfe, und es schlicht zu gefährlich sei, ohne Absperrungen den Kreisel zu hegen und zu pflegen.

Doch schon im Januar 2018 hatte die Sprecherin von Hessel Mobil, Sonja Lecher, betont, die Straßenverkehrsbehörde habe gar nichts dagegen, wenn eine Kommune die Gestaltung und Pflege von Kreiseln übernehmen wolle. Drei Jahre später - zwei Monate vor der Kommunalwahl und der Bürgermeisterwahl - wird das Wirklichkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare