Daten über Feinstaub und Parkplätze online

Digitale Ideen für eine „Smart City“

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Wenn Engländer etwas als smart bezeichnen, meinen sie damit clever oder pfiffig. Sind technische Geräte smart, können sie dank Internetverbindung deutlich mehr. Nennt sich eine Kommune smart, sammelt sie Daten, um Probleme mit Lärm oder Verkehr besser lösen zu können. Bad Hersfeld gilt deshalb als ein digitales Vorbild für die Stadt Limburg.

Bad Hersfeld und Limburg haben mehrere Gemeinsamkeiten: Beide Städte sind in etwa gleich groß, liegen verkehrsgünstig an Autobahnen und sind Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM).

Wenn es nach Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) geht, soll eine weitere Gemeinsamkeit hinzukommen: Bad Hersfeld ist eine „Smart City“, Limburg könnte es eines Tages sein. Hahn kündigte im Ausschuss an, Vertreter der Stadt würden demnächst nach Bad Hersfeld fahren, um sich das Projekt erklären zu lassen. Der Termin steht noch nicht fest; die THM soll mit in das Projekt eingebunden werden.

Fast jeder hat inzwischen einen smarten Fernseher zu Hause; der ermöglicht zum Beispiel den Zugriff auf Filme oder Sport über das Internet. Beim Bau neuer Wohnhäuser besteht die Möglichkeit, diese smart zu gestalten. Wer im Winter von einer Urlaubsreise zurückkommt, kann zwei Stunden vor der Ankunft per Smartphone die Heizung zu Hause hochdrehen.

Im Sommer begann die Stadt Bad Hersfeld damit, zwei neue, smarte Abfalleimer zu testen, die wie Müllschlucker aussehen. Mit einem Fußpedal lässt sich eine Klappe öffnen. Ein Sensor misst den Füllstand, sodass bei Bedarf der eingeworfene Müll zusammengepresst wird. Der Mülleimer sendet den Füllstand an die Verwaltung. Die Mitarbeiter können so direkt die Mülleimer anfahren, die voll sind. Nach Auskunft von Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) muss vor allem für die Reinigung eine bessere Lösung gefunden werden.

Limburg schaut in erster Linie aus anderen Gründen nach Bad Hersfeld. „In Limburg geht es darum, die vorhandenen Daten vom Verkehrsleitrechner und/oder zu Parkvorgängen in der Stadt zu bündeln und zum Nutzer/Verkehrsteilnehmer zu bringen“, teilt auf Anfrage dieser Zeitung der Sprecher der Stadt, Johannes Laubach, mit. „Denkbar wäre auch ein Verkehrswarnsystem, welches Kraftfahrern Routen durch die Stadt empfiehlt oder um die Stadt herum leitet.“

In Bad Hersfeld könne es zum Beispiel eines Tages möglich sein, die von der Stadt gesammelten Daten über die Auslastung der Parkhäuser mit dem Individualverkehr zu verknüpfen, erklärt Martin Steimar von der IT-Abteilung Bad Hersfeld. Wer mit dem Auto in die Stadt fahre und ein bestimmtes Ziel ansteuert, werde von seinem Navi nicht nur zum Ziel, sondern auch in die Nähe freier Parkplätze gelotst.

Für den Bad Hersfelder Bürgermeister, der den smarten Ansatz nach eigenen Angaben seit 2011 verfolgt, geht es dabei nicht nur um intelligente Verkehrslösungen, sondern um ein kommunales Geschäftsmodell. Die Hoffnung sei, mit den Daten Geld zu verdienen, sagte er dieser Zeitung. Bad Hersfeld sei bereits im Gespräch mit großen Firmen. „Wenn Städte Daten produzieren, können wir auch ein Geschäft daraus machen“, sagt er. Er rate allen Kommunen, solche Daten Firmen nicht gratis zu überlassen, die sonst Geld verdienen könnten. Schließlich finanziere die Infrastruktur zur Ermittlung der Daten der Steuerzahler.

Ein weiterer smarter Verkehrsansatz in Bad Hersfeld ist der Umgang mit den Daten von Geschwindigkeitsmessanlagen, die dem Autofahrer durch einen grünen Smiley signalisieren, ob er sich ans Tempolimit hält. Die so gesammelten Daten, inklusive der Lärmbelastung durch den Verkehr, werden automatisch an die Verwaltung übermittelt. Sind zu viele Temposünder unterwegs, werden mobile Blitzer stationiert. In Limburg muss das Messgerät noch angefahren werden, um die Daten per USB-Stick zu bekommen.

Ein weiterer smarter Ansatz, Autofahrer zu disziplinieren, der aber einer speziellen Genehmigung bedarf, ist die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung durch eine Abschnittskontrolle, um das Abbremsen und Beschleunigen an stationären Blitzern zu vermeiden, die Ortskundige kennen. Bürgermeister Fehling will sich darum bemühen, dieses schon in Holland, der Schweiz und Italien erprobte Modell in einem Pilotprojekt umzusetzen.

Und schließlich können die Bürger in Bad Hersfeld mit einer App den Lärm in ihrer Umgebung messen und die Daten direkt weiterleiten, sodass sie auf der städtischen Homepage angezeigt werden. Die Verwaltung kann so ermitteln, wo es regelmäßig zu laut ist und Gegenmaßnahmen einleiten.

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