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Dreifacher Musikgenuss

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Von: Anken Bohnhorst

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Was will ein Musiker mehr bei einem Open-Air-Konzert? Bestes Wetter und volle Sitzreihen mit zufriedenen Gesichter.
Was will ein Musiker mehr bei einem Open-Air-Konzert? Bestes Wetter und volle Sitzreihen mit zufriedenen Gesichter. © abv

Weilburger Schlosskonzerte in Limburg

Mit dem Programm, das das Göttinger Symphonieorchester am Freitagabend auf dem Domplateau präsentierte, hätten die Veranstalter ebenso gut zu einer Tanzveranstaltung einladen können: Gespielt wurde Beethovens Sinfonie Nummer 7, die zunächst ein wenig zaghaft beginnt, aber an Temperament und Tempo gewinnt. Als zweites "Ein Amerikaner in Paris" von George Gershwin, der seinen Protagonisten mit hörbarer Munterkeit durch die Straßen der Metropole an der Seine tänzeln lässt. Und schließlich Maurice Ravels "Bolero", der ursprünglich ohnehin als Ballettstück konzipiert war und mit dem die Göttinger Symphoniker und ihr musikalische Leiter Nicholas Milton den rund 650 Besuchern dieses Weilburger Schlosskonzerts an seiner Außenstelle in Limburg einen strahlenden Höhepunkt bescherten. Dabei blieb es denn auch. Trotz des langanhaltenden, begeisterten Applauses gab es keine Zugabe.

Womit hätten die Musiker dieses Klangerlebnis auch toppen sollen? Schließlich hatte das Orchester den Bolero in seiner ganzen Üppigkeit ausgebreitet und nicht - diesen Seitenhieb hatte sich Nicholas Milton nicht verkneifen können - wie der niederländische Unterhaltungskünstler André Rieu in eine Vier-Minuten-Version eingedampft. Die Darbietung der Göttinger, eines großen, bunten und auch altersmäßig angenehm durchmischten Ensembles, war atemberaubend präzise. Während die Schlagwerker die langsame, gleichförmige Melodie vorantreiben, verdichten nach und nach verschiedene Instrumentengruppen den Klang zu einem spektakulären Crescendo. Holz- und Blechbläser treten hervor, ebenso Streicher, Klavier und Harfe, allesamt freundlich befeuert von eine Dirigenten, der immer wieder auch ins Publikum blickt, als müsse er die Zuhörer in diese mitreißende Musik einbinden, weil sie den Anschluss verpasst hätten. Nötig ist das freilich nicht. Das Publikum ist längst gebannt.

Den Kontakt zu den Hörern hatte Milton bereits bei Gershwins "Ein Amerikaner in Paris" gesucht - um ein wenig Zeit zu überbrücken, erklärte er. Denn, so begründete der Mann am Pult die eingeschobene Plauderei, während der Pause habe er bemerkt, dass die Toilettenanlage etwas klein dimensioniert sei. Daher habe er den dort Wartenden versprochen, den amerikanischen Touristen erst dann durch Paris streifen zu lassen, wenn die Plätze vor der Bühne wieder belegt seien.

Französisches

Taxi-Hupen

Ehe also die Musik anhob, beschrieb Milton den Spaziergang von Gershwins Protagonisten - die Champs-Elysees entlang und ins Quartier Latin, dem Duft frischer Croissants folgend und den hupenden Pariser Taxifahrern ausweichend. Wie das mitsamt der französischen Taxi-Hupen vor der Fassade des Limburger Doms klingt, zeigte das Orchester anschließend in seiner wundervollen Interpretation. Friedliche Unbekümmertheit wird von hörbarem Heimweh-Blues des Touristen überschattet. Fein ziselierte Streicher treffen mit melancholischen Bläsern zusammen. Das Miteinander der Streicher und Bläser mündet schließlich in versöhnliche Zufriedenheit, in ein befreiendes Orchester-Tutti, in den musikalischen Appell: "Kopf hoch!"

Ebenfalls der Zukunft und Zuversicht zugewandt ist die Sinfonie Nummer 7, A-Dur, von Ludwig van Beethoven, uraufgeführt 1813, nur wenige Monate nach der Leipziger Völkerschlacht. In vier Sätzen, Poco sostenuto - Vivace, Allegretto, Presto und Allegro con brio, ist zu erleben, wie die Musiker den Rhythmus zusammenschnüren und damit die Grundlage zum Tanz bereiten. Zurückhaltend erst, dann immer kraft- und druckvoller. Mit variantenreicher Dynamik und Tempo, mit herrlichen Bläserpassagen, vorangetrieben von einem lässig dirigierenden Nicholas Milton. anken bohnhorst

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