Freuen sich auf die "Night Of Light" (von links): Horst Kaiser, Eric Schröder und Steffen Henrich.
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Freuen sich auf die "Night Of Light" (von links): Horst Kaiser, Eric Schröder und Steffen Henrich.

Kultur

Dringender Appell an die Politik

  • vonRobin Klöppel
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Regionale Unternehmen aus der Eventbranche fordern finanzielle Hilfen vom Staat

Region -Am heutigen Montagabend möchte die Veranstaltungsbranche bundesweit durch eine spektakuläre Aktion "Night Of Light" auf ihre Existenzsorgen in der Corona-Krise hinweisen. Deutschlandweit und darüber hinaus sollen nach gestrigem Stand über 4000 Sehenswürdigkeiten angeleuchtet werden, darunter auch einige in der Region um Limburg. Das rote Licht soll das Herzblut ausdrücken, mit der viele Künstler und Eventunternehmer über Jahre für den Erfolg ihres eigenen Geschäftes gearbeitet haben. Doch durch das über Monate andauernde Verbot für Großveranstaltungen sind zahlreiche Existenzen bedroht.

In der Nacht von Montag auf Dienstag von 22 bis 2 Uhr nachts wird darum beispielsweise der Elzer Kirchturm der katholischen Pfarrkirche Rot erstrahlen. In Elz macht es das Team der Firma Diamond Media Events um Geschäftsführer Eric Schröder. Schröder weiß: "Sämtliche Unternehmen der Branche verzeichnen nahezu einen Komplettausfall aller Aufträge." Darum beteiligt er sich an dem Protest, um hoffentlich ein Umdenken der Politik zu erreichen. Schröder hat den Eindruck, dass vielen Politikern die Bedeutung der Veranstaltungsbranche für die deutsche Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben nicht bewusst sei, von der auch andere regionale Unternehmen wie Bauhandwerker und Metzgereien stark profitierten.

Eventbranche steht vor dem Aus

Pfarrer Steffen Henrich hat Schröders Idee ebenso wie Bürgermeister Horst Kaiser sofort zugestimmt. "Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die Branche auf ihre Probleme aufmerksam machen möchte", betont der Elzer Pfarrer. Eric Schröder sieht es für die Branche mit großer Sorge, dass politisch beschlossen wurde, nun bereits bis Ende Oktober keine Großveranstaltungen zuzulassen. Denn die Soforthilfe sei von den meisten Unternehmen bereits aufgebraucht, sagt er. Kredite aufzunehmen, bringe nichts, weil man die ja irgendwann auch zurückzahlen müsse. Von daher sei vielen Kollegen auf dem Markt schon kurz davor, aufzugeben.

Schröder fordert: "Die Politik soll sich mit kompetenten Menschen aus der Branche zusammensetzen, um Lösungen zu finden, wieder Veranstaltungen möglich zu machen". Der Chef von Diamond Media Events fühlt sich aktuell alleine gelassen. Ohne Umsatz könne auf Dauer aber kein Unternehmen leben. Das gelte genauso für Musiker, DJs und Schausteller. Die Aktion solle dazu dienen, dass die Menschen die Eventbranche im Kopf behalten. Ihr Aus wäre seiner Meinung nach für ganz Deutschland ein Riesenverlust, wenn es unter anderem keine Konzerte und mehr geben würde, auch nicht mehr die Kirmesburschendisco vor Ort.

Mehr Unterstützung

vom Staat

Ulrich Heene von Appollon 3 Veranstaltungstechnik möchte in seiner Heimat Ellar die Burg anstrahlen. Heene kann Hygienevorschriften in der Corona-Zeit durchaus verstehen, doch es sei ein Riesenproblem, wenn diese so hoch seien, dass sich der Aufwand für Veranstalter nicht mehr rechne. Er fordert die Bundesregierung auf, der Veranstaltungsbranche genauso finanziell zu helfen, wie sie es bei anderen Branchen mit deutlich weniger Beschäftigten getan habe. "Sonst ist Ende des Jahres die Hälfte der Branche vom Markt verschwunden", prognostiziert er.

Axel Elsemüller, Geschäftsführer von Eltax Solutions, wird heute die Burg in Kirberg beleuchten. Er ist sonst weltweit im Messebau erfolgreich, hat aber nach eigenen Angaben seit Januar keine Jobs mehr. Er kenne viele Kollegen, denen es genauso gehe, fordert deshalb dringend mehr finanzielle Hilfen der Politik. "Was wir dieses Jahr verloren haben, könne wir nächstes Jahr nicht mehr hereinholen", sagt er. Und viele hätten trotz ständiger Aufträge nicht so viele Rücklagen, dass sie über Monate davon zehren könnten.

Manuel van der Burg ist im normalen leben DJ in der Disco "Life" in Dörnberg-Hütte im benachbarten Rhein-Lahn-Kreis und wird die Disco heute Abend leuchten lassen. Er fordert, die Anforderungen für Live-Veranstaltungen wieder zu senken. Denn wenn die Hygienevorschriften dazu führten, dass keine 600 Leute mehr in die Disco dürften, rechne es sich nicht, wieder aufzumachen. Die Folge für van der Burg: "Vorerst fahre ich Pakete aus, um Geld zu verdienen".

Sauer auf die mangelnde Hilfe der Politik für die Kulturschaffenden ist auch der fernsehbekannte Niedererbacher Bauchredner und Heinz-Erhardt-Imitator Kay Scheffel. Er wird sein privates Holzhaus in Niedererbach im Neubaugebiet erleuchten lassen, um hoffentlich ein kleines Stückchen dazu beitragen zu können, dass die Politik endlich erkenne, was die Kulturbranche für Deutschland bedeute. Weitere öffentliche Bereiche, die nach Stand gestern in der Region beleuchtet werden sollen, sind das Schloss Dehrn, die Basilika in Lahr und der Dorfplatz an der Arfurter Linde.

Heute wird sich entscheiden, ob auch der Limburger Dom angeleuchtet werden darf. Mehrere Unternehmen der Region wollen auch ihre Firmengebäude in Rot erstrahlen lassen. Gäste, die sich heute Abend die beleuchteten Gebäude ansehen wollen, sind willkommen. Sie werden aber von den Veranstaltern gebeten, die Corona-Regelungen unbedingt einzuhalten und sich nirgends in Gruppen zu versammeln.

Robin Klöppel

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