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Landratswahl

Ein Duell auf Augenhöhe

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Die Landratskandidaten Michael Köberle (CDU) und Jörg Sauer (SPD) sind sich in wichtigen Zielen zwar weitgehend einig, haben aber unterschiedliche Vorstellungen auf dem Weg dort hin.

Drei Tage noch – dann wird sich entscheiden, wer als künftiger Chef ins Kreishaus an der Limburger Schiede einzieht: Michael Köberle (52, CDU) oder Jörg Sauer (55, SPD). Worin unterscheiden sich die beiden Kandidaten inhaltlich von einander? Das wollte NNP-Redaktionsleiter Joachim Heidersdorf herausfinden – und ließ die beiden Kommunalpolitiker miteinander diskutieren. Die Themen bezahlbarer Wohnraum, öffentlicher Personennahverkehr und medizinische Versorgung standen dabei im Mittelpunkt.

Bezahlbarer Wohnraum:  Bei diesem Thema liegen die Positonen der beiden Landratskandidaten am weitesten auseinander. Während Köberle vor allem auf eine privatwirtschaftliche Lösung setzt, hält Sauer ein Eingreifen des Landkreises für notwendig. „Der private Markt wird den Wohnraumbedarf alleine nicht regeln“, sagt Sauer. Deshalb müssten sich die Kommunen stärker im sozialen Wohnungsbau engagieren. „Ich habe viele Menschen getroffen, die sich das Wohnen in Limburg oder Bad Camberg nicht mehr leisten können. Wir müssen eine Spaltung der Gesellschaft verhindern.“

Sauer schlägt vor, eine kommunale Gesellschaft zu gründen, die „sukzessive Wohnraum zur Verfügung stellt“. Neben Städten und Gemeinden sollen auch große Immobilienbesitzer wie die Kirchen einbezogen werden. „Wir müssen uns viel stärker engagieren, sonst haben wir einen sozialen Sprengstoff, der uns irgendwann auf die Füße fällt“, sagt er.

Mehr Privatwirtschaft ist hingegen für Köberle das Mittel der Wahl, um den Wohnraummangel zu beheben. „Wenn sich der Kreis am sozialen Wohnungsbau beteiligt, wird es teuer“, warnt er. „Das können andere wirtschaftlicher als wir.“ Ein weiterer Lösungsansatz ist aus seiner Sicht die Schaffung wohnortnaher Arbeitsplätze. Viele kleine Gemeinden und Dörfer hätten Probleme, ihre Bevölkerung zu halten. Das Ziel müsse daher lauten, Arbeitsplätze beispielsweise in die Nähe von Dörfern wie Langhecke zu bringen. Dies würde auch die Infrastruktur in Limburg entlasten.

Neue Chancen sieht Köberle im Breitbandausbau: Die Menschen könnten von zu Hause aus arbeiten, auch in kleinen Ortschaften in Westerwald und Taunus. Statt noch einmal 3000 oder 4000 Menschen in Limburg anzusiedeln, sollten kleine Kommunen wie Beselich und Merenberg gestärkt werden. Als vorbildlich lobt Köberle die Gemeinde Mengerskirchen, die es geschafft habe, sich mit attraktiven Arbeitsplätzen von einer Schuldengemeinde zu einer prosperierenden Kommune zu entwickeln.

Sauer zeigt sich skeptisch gegenüber Köberles Ansatz: „Sollen wir den Leuten etwa sagen, dass sie aufs Land ziehen sollen?“, fragt er. „Das kann nicht sein!“ Auch werde es kaum gelingen, in kleinen Ortschaften genügend Arbeitsplätze zu schaffen.

Öffentlicher Personennahverkehr:  Beide Kandidaten sind sich darin einig, dass das Angebot an öffentlichen Verkehrsverbindungen besser werden muss. Jörg Sauer spricht sich dafür aus, den vor 20 Jahren aufgestellten regionalen Verkehrsplan fortzuschreiben und an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen. Entscheidend sei eine gute Vernetzung. Nach einer Bestandsaufnahme sollten „zusätzliche Möglichkeiten“ geschaffen werden.

Michael Köberle tritt bei zusätzlichen Verkehrslinien auf die Bremse. „Das ist alles eine Frage des Geldes“, sagt er. Sein Ziel: „Flexible und in die Zukunft weisende Lösungen“, beispielsweise ein Sammeltaxi, das per Handy-App gerufen wird. „Wir brauchen neue Methoden, die es vor 20 Jahren noch nicht gab“, hält er Sauer entgegen. „Mir blutet schon jetzt das Herz, wenn ich sehe, wie viele Busse fast leer fahren.“ Wichtig sei auch, dass ein Verkehrskonzept mit dem Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz besser abgestimmt wird.

Sauer gibt zu bedenken, dass ältere Menschen womöglich ihre Probleme mit Handy-Apps haben. Beim Nahverkehr sei es wie mit der Henne und dem Ei: Das Angebot müsse vorhanden sein, dann werde es auch genutzt. Aber auch er weiß: „Jede neue Linie kostet richtig Geld.“

Medizinische Versorgung: Handlungsbedarf sehen beide Kandidaten auf diesem Feld. „Allein in Limburg sind zehn Hausarztstellen nicht besetzt“, macht Sauer deutlich. In vielen Orten würden in einigen Jahren Stellen fehlen. „Trotz medizinischer Versorgungszentren muss gewährleistet sein, dass der Arzt in den Dörfern noch vor die Haustür kommt“, sagt er. Um junge Ärzte aufs Land zu bekommen, müsse der Kreis attraktive Rahmenbedingungen schaffen, beispielsweise durch die Vergabe von Stipendien oder mit finanziellen Hilfen beim Aufbau eigener Praxen. Dies würde das Risiko für junge Ärzte verringern.

Köberle hält sowohl Medizinische Versorgungszentren als auch Hausarztpraxen für den richtigen Weg. Wichtig sei, dass die Bürger „eine optimale Versorgung“ haben. Hoffnungsvoll stimmt ihn, dass es „viele junge Menschen gibt, die Ärzte werden wollen“. Dies gelte es zu unterstützen, beispielsweise mit Stipendien an Medizinstudenten, die sich im Kreis niederlassen. Für noch problematischer hält Köberle den Mangel an Pflegefachkräften. Ansehen und Verdienst seien zu gering. Dem stimmt auch Sauer zu, der in fast allen sozialen Berufen eine schlechte Bezahlung beklagt. Daher müsse das Ziel sein, diese Tätigkeiten attraktiver zu machen.

INFO

So kann man wählen

Die Stichwahl am 11. November erfolgt im selben Wahllokal wie am 28. Oktober. Die Wahl ist auch ohne die Wahlbenachrichtigung und nur mit Personalausweis möglich. Ausnahme sind Briefwähler. Sie müssen die zugesandten Wahlunterlagen rechtzeitig bis zum Wahltag in den Briefkasten am Rathaus ihrer Kommune einwerfen bzw. so rechtzeitig zur Post geben, dass sie spätestens am Samstag, 10. November, dort eingehen. Wähler, die bereits im Zusammenhang mit der Wahl am 28. Oktober einen Wahlschein und Briefwahlunterlagen für die Landrats-Stichwahl am 11. November beantragt haben, bekommen die Wahlunterlagen mit der Post zugesandt. Die Stadt Bad Camberg hat die Unterlagen in der Zeit vom 2. bis 5. November zur Post gegeben. „Da die Stimmzettel für die Stichwahl erst am Freitag, 2. November, geliefert wurden, war eine frühere Versendung leider nicht möglich“, erläutert Ordnungsamtsleiterin Heike Niehörster. „Die Stadt Bad Camberg hat mir mitgeteilt, dass die letzten Briefwahlunterlagen am Montag, 5.November, zur Post gegeben wurden. Auch unter Berücksichtigung der üblichen Postlaufzeiten ist zu erwarten, dass die Briefwahlunterlagen den Wähler daher rechtzeitig erreichen“, erläutert Kreiswahlleiter Jürgen Moschhäuser. „Von anderen Städten und Gemeinden liegen mir keine entsprechenden Hinweise vor.“ Die wahlrechtlichen Bestimmungen sehen vor, dass längstens bis Sonntag, 15 Uhr, Wahlscheine ausgestellt werden können. „Einem Wähler, der glaubhaft versichern kann, dass ihm der beantragte Wahlschein nicht zugegangen ist, kann bis dahin noch ein neuer Wahlschein erteilt werden“, sagt er. In einem solchen Fall werde der bereits erteilte (nicht zugegangene) Wahlschein gleichzeitig für ungültig erklärt. In Bad Camberg können alle, die die Briefwahlunterlagen nicht erhalten haben, bis Freitag, 9. November, 13 Uhr, oder am Samstag, 10. November, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr, beim Bürgerbüro, Chambreý-les-Tours-Platz 2, einen neuen Wahlschein beantragen. Auch am Sonntag, 11. November, ist dies bis 15 Uhr beim Wahlamt, Am Amthof 15, möglich. pp

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