Ganz klassisch läuft der Wahlkampf auf dem Limburger Neumarkt, wo die Parteien und Kandidaten sowohl für die Kommunalwahl als auch für die Bürgermeisterwahl plakatiert haben.
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Ganz klassisch läuft der Wahlkampf auf dem Limburger Neumarkt, wo die Parteien und Kandidaten sowohl für die Kommunalwahl als auch für die Bürgermeisterwahl plakatiert haben.

Vor der Kommunalwahl

Ein bisschen klassisch und viel im Internet

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Wahlkampf sieht in Corona-Zeiten anders aus: Was die Parteien im Kreis Limburg-Weilburg planen.

Limburg -Die Corona-Pandemie wirkt sich nicht nur auf den Alltag aller Bürger, sondern auch auf den Wahlkampf der Parteien und Wählervereinigungen für die Kommunalwahl am 14. März aus. Anders als bei früheren Wahlen fallen nicht nur sämtliche Kundgebungen mit den Kandidatinnen und Kandidaten sowie ihren mehr oder weniger prominenten Gästen aus. Auch Info-Stände in den Fußgängerzonen wird es wohl nicht geben. Stattdessen, so ergab eine Umfrage dieser Zeitung, verlagert sich ein Großteil der Aktivitäten der Wahlkämpfer ins Internet und die sozialen Netzwerke. Einzig die Wahlplakate hängen wie immer.

Schon im vergangenen Sommer, berichtet der CDU-Kreisgeschäftsführer Tarek Cinar, habe sich seine Partei darauf eingestellt, die Aktivitäten auf Instagram und Facebook deutlich auszuweiten. "Das ist für uns ein wichtiger Baustein, um unsere Wähler zu erreichen", sagt Cinar. Auf der Foto- und Videoplattform Instagram würden vorwiegend die Jüngeren, bei Facebook eine schon etwas ältere Zielgruppe erreicht. Derzeit würden von der Kreis-CDU etwa zwei Beiträge pro Tag verbreitet, seien es Porträts von Kandidaten oder Inhalte des Wahlprogramms. Dies gelte auch für viele CDU-Ortsverbände, so Cinar. In der demnächst beginnenden "heißen Phase" des Wahlkampfes werde die CDU die Taktzahl noch einmal erhöhen und die Zahl der täglichen Veröffentlichungen im Internet auf vier verdoppeln, kündigte Cinar an.

Gute Erfahrungen habe der CDU-Kreisverband auch mit Online-Veranstaltungen gemacht, so der Kreisgeschäftsführer. So hätten 40 Personen an einer via "Webex" übertragenen digitalen Veranstaltung mit Ines Klaus von der Frauenunion teilgenommen. Weitere 20 Personen hätten sich die Veranstaltung über Facebook angeschaut, allerdings ohne die Möglichkeit, selbst Fragen stellen oder Redebeiträge leisten zu können. "Wir sind mit dieser Resonanz sehr zufrieden", sagt Cinar. Ein guter Erfolg sei auch eine Online-Veranstaltung mit Landrat Michael Köberle (CDU) vor Weihnachten gewesen. Weitere Veranstaltungen seien geplant, beispielsweise mit CDU-Innenminister Peter Beuth über Corona und das Thema Impfungen (siehe unten).

Sorge um

die Beteiligung

Doch setze die CDU nicht alleine auf digitalen Wahlkampf, sondern behalte klassische Plakatwerbung und das Verteilen von Flyern bei. Zu befürchten sei allerdings, dass sich die Corona-Pandemie negativ auf die Wahlbeteiligung auswirken werde, sagt Cinar, der ebenso wie seine Kollegen der anderen Parteien mit einer hohen Briefwahlbeteiligung rechnet.

Auch der SPD-Unterbezirk Limburg-Weilburg setzt verstärkt auf digitale Wahlwerbung, sei es bei Youtube, Instagram oder Facebook, wie Kreisgeschäftsführerin Renate Kreis berichtet. Sie stellt klar: "Wir halten uns an die Kontaktbeschränkungen, obwohl wir als Parteien ja eigentlich mehr machen dürften." Auch bestehe kaum Hoffnung, dass nach dem offiziellen Ende es derzeitigen Lockdowns, die Normalität früherer Wahlkämpfe zurückkehrt. Die SPD, so Kreis weiter, habe kurze Videoporträts von allen 31 Kreistagskandidaten erstellt, die seit einiger Zeit in den sozialen Netzwerken zu sehen sind. Und mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Jörg Sauer gebe es ein Video zum Thema Gesundheit. In Planung seien außerdem digitale Themenveranstaltungen im Live-Stream über Youtube.

Weiterhin plane die SPD eine "Dialogtour", bei der die SPD-Ortsvereine Termine mit den ersten fünf Kandidierenden der Kreistagsliste abrufen könnten. Dabei sollen in den jeweiligen Orten ein Kreistagskandidat und ein Vertreter eines Ortsvereins zusammenkommen, um sich umzuschauen. In Hadamar, so berichtet Kreis, habe sich bereits der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Tobias Eckert zu einem solche Treffen eingefunden. Sämtliche SPD-Ortsvereine präsentierten sich ebenfalls in den sozialen Netzwerken Instagram und Facebook.

Analoge Wahlwerbung

nicht vergessen

Eine "schöne Aktion", berichtet Renate Kreis weiter, sei eine Telefonsprechstunde des SPD-Ortsvereins Weilburg mit Christian Radkovsky und Joachim Kinedt gewesen. Und der Ortsverein Beselich habe eine ansprechende digitale Kachelwand mit drei Sätzen zu jedem Kandidaten erstellt. Geplant seien weiterhin digitale Veranstaltungen beispielsweise zum Thema Corona und Schule, bei der die Teilnehmer interaktiv auch Fragen stellen könnten. Mit der Reichweite der digitalen Aktivitäten der SPD zeigt sich Kreis zufrieden. Sie sei erstaunt, dass selbst viele über 70-Jährige bei Facebook unterwegs seien. Dennoch soll die analoge Wahlwerbung nicht vergessen werden, sagt die Kreisgeschäftsführerin. Bewährte Mittel wie Flyer, Plakate oder auch Postkarten würden weiterhin eingesetzt.

Während CDU und SPD auf die Ressourcen einer Volkspartei zurückgreifen können, fallen die Aktivitäten der kleineren Parteien deutlich bescheidener aus. Die Freien Wähler im Kreis Limburg Weilburg, so deren stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer Valentin Bleul, "bemühten" sich derzeit eine eigene Facebook-Seite aufzubauen. "Wir sind in den Startschuhen, um die sozialen Medien für Wahlkampf zu nutzen", sagt er. Allerdings wollten die Freien Wähler auch vermehrt Zeitungsanzeigen schalten, kündigte er an. "Das eine oder andere persönliche Gespräch auf der Straße wird uns aber fehlen", ist sich Bleul sicher.

Etwas digitaler als bei den Freien Wählern geht es bei Bündnis 90/Die Grünen zu, wie Kreisvorsitzender Dieter Oelke berichtet. Er verweist auf eine Videokonferenz mit der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz, an der immerhin 43 Personen teilgenommen hätten. Auch werde die Partei bei Facebook ihre Kandidaten und Themen präsentieren, so Oelke, der darüber klagt, dass für viele Aktivitäten schlicht die Leute fehlten. Mitte Februar wolle die Partei auf Kreisebene in einem Online-Format ihr Wahlprogramm und ihre Kandidaten vorstellen. Die Veranstaltung sei interaktiv geplant, das heißt, jeder Teilnehmer könne sich mit einem vorher zugeschickten Internet-Link dazuschalten. Auch in einzelnen Orten werde es digitale Veranstaltungen geben, so der Kreisvorsitzende. Diese würden teils kurzfristig geplant. So habe es beispielsweise in Hadamar bereits eine erfolgreiche Veranstaltung zum Thema Photovoltaik gegeben.

"Wir sind von der

Situation überrollt"

Meysam Ehtemai, stellvertretender Kreisvorsitzender der AfD Limburg-Weilburg, sieht die Online-Aktivitäten der politischen Konkurrenz zum Teil kritisch. "Da werden Zoom-Meetings als Wahlkampf ausgegeben; unser Ziel ist es aber, an die Bürger heranzutreten", sagt der. Er räumt allerdings ein: "Niemand bei der AfD hat sich auf einen digitalen Wahlkampf vorbereitet; wir sind überrollt von der Situation." Schon die Aufstellungsversammlungen für die Kandidaten seien schwierig gewesen. Jetzt leide die Partei unter den fehlenden Kontakten zu ihren potenziellen Wählern. "Wir brauchen den direkten Kontakt zu Menschen, die uns ihre Sorgen und Nöte mitteilen", sagte Ehtemai.

Die Partei "Die Linke" will trotz Corona auf Info-Stände nicht ganz verzichten, kündigt Parteisprecher Valentin Zill an. Allerdings soll dort lediglich Material zum Mitnehmen angeboten werden. Und mit FFP2-Maske würden Fragen von Passanten sicherlich auch beantwortet, sagt er.

Darüber hinaus plane die Linke "zwei bis drei Aktionen, die ein gewisses Aufsehen erregen werden", so Zill. Ergänzt würden die Wahlkampf-Aktivitäten mit Steckaktionen von Briefkasten zu Briefkasten in den größeren Orten des Landkreises, Präsentationen in den sozialen Medien und Bürgersprechstunden mit dem Linke-Spitzenkandidaten André Pabst und ihm selbst, sagt Zill. Eine Premiere hatte die Linke mit einer Online-Mitgliederversammlung. Dort wurde auch das Wahlprogramm beschlossen werden.

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