"Wetterfrosch" Karl Heck in seinem Garten in Diez mit Thermometer und Messbecher.
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"Wetterfrosch" Karl Heck in seinem Garten in Diez mit Thermometer und Messbecher.

Wetterbilanz für 2021

Ein relativ kühles Jahr liegt hinter uns

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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2021 gab es rund um Limburg deutlich weniger heiße Tage und mehr Frosttage als von 2017 bis 2020

Ob beim Sonnenschein oder den Temperaturen und überwiegend auch beim Niederschlag - 2021 war in der Region rund um Limburg ein "Durchschnittsjahr". Das teilt der Deutsche Wetterdienst in Essen auf Anfrage unserer Zeitung mit. Wobei trotzdem "durchaus kalte Perioden . . . von sehr warmen Zeitintervallen" abgelöst werden konnten, wie es im Februar der Fall war - statistisch ergibt auch das am Ende Durchschnitt.

Schaut man hingegen auf die sehr warmen Jahre 2017 bis 2020, so ist festzustellen: 2021 war es im Nassauer Land relativ kühl. Es gab in diesem Fünfjahresvergleich noch nie so wenig heiße Tage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad und noch nie so viele Frosttage, an denen die Temperatur in der Regel nachts unter null Grad lag.

Aber auch hier gilt, womit was verglichen wird: Der Deutsche Wetterdienst bezieht sich in seiner Analyse der Wetterdaten jeweils auf den Vergleich mit dem "langjährigen Mittel" - das liegt zwischen 1981 und 2010, weil diese Zeitspanne den fortschreitenden Klimawandel bereits besser abbildet. Bei diesem Vergleich war 2021 nicht relativ kühl, sondern "normal". Würde man beim "langjährigen Mittel" hingegen die bisher gültige Zeitspanne zugrunde legen, die dem Klimawandel nur begrenzt Rechnung trägt - die Jahre 1961 bis 1990 - wäre auch 2021 zu warm gewesen.

Wetterstationen in Runkel, Löhnberg und Holzheim

Der Begriff Durchschnitt verklärt auch, dass es den "typischen" Monat im vergangenen Jahr nicht gab. Ganz selten lagen die Temperaturen und der Niederschlag im Normbereich des jeweiligen Monats: Meist war es entweder zu warm oder zu kalt, zu nass oder zu trocken (siehe unten). Zusammengerechnet ergibt auch das Durchschnitt.

Der Deutsche Wetterdienst bezieht seine Daten von drei Wetterstationen - in Runkel-Ennerich, in Löhnberg-Obers-hausen sowie in Holzheim (dort wird nur die Niederschlagsmenge gemessen). Grundsätzlich gilt: In Obershausen ist es kälter als in Ennerich, immerhin liegen mehr als 80 Meter Höhenunterschied zwischen beiden Orten. Das macht gerade im Winter schnell den Unterschied aus zwischen Schnee an einem Ort und Regen am anderen Ort.

Vor allem beim Regen fällt das Wetterbild differenzierter aus: In Holzheim mit 98 Prozent Regenmenge und in Obershausen mit 95 Prozent wurde laut Wetterdienst im gesamten vergangenen Jahr fast der Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 erreicht, während es in Ennerich mit 86 Prozent mal wieder zu trocken war. Auch hier gilt: Mathematischer Durchschnitt schließt ungewöhnliche Wetterereignisse nicht aus wie sehr hohe Regenmengen an nur einem Tag wie am 14. Juli (siehe unten).

In den vergangenen zehn Jahren war es zu trocken

Zwar möchte der Deutsche Wetterdienst aufgrund des relativ kurzen Betrachtungszeitraums weiterhin noch keinen Trend zu "durchschnittlich" deutlich weniger Regen in der Region ableiten, weil es beim Wetter selbst ohne den Einfluss des Klimawandels stetige Schwankungen gibt, aber auch ohne endgültigen Beweis sind die Indizien eindeutig: Bei den gemessenen Niederschlagsmengen sei schon auffällig, "dass in den letzten zehn Jahren (seit 2011) fast alle Jahre - bis auf 2017 - zum Teil deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt lagen, dies gilt vor allem für die Station Runkel-Ennerich", erklärt der Wetterdienst. Es war also in diesem Zeitraum viel zu trocken.

Nasser als üblich war es im Landkreis Limburg-Weilburg hingegen im Januar. Das gilt sowohl für Obershausen mit rund 148 Prozent der Niederschlagsmenge als auch in Ennerich mit rund 144 Prozent. In Holzheim war dagegen der Juli der regenreichste Monat im vergangenen Jahr, was vor allem mit dem Dauerregen am 14. Juli zu tun hat. Es war der Tag, der unter anderem im Ahrtal die verhängnisvolle Flut brachte.

Dem gegenüber steht die Trockenheit, die auch in einem durchschnittlichen Wetterjahr deutlich zutrage treten kann. Sowohl die Frühjahrsmonate März und April als auch die Herbstmonate September und Oktober waren im vergangenen Jahr sehr trocken, teilt der Wetterdienst mit.

In Obershausen war der September der trockenste Monat mit nur 40 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge, in Ennerich fiel der Trockenheitsrekord 2021 auf den März mit rund 41 Prozent Regen, und in Holzheim war der Oktober der trockenste Monat mit nur 49 Prozent des üblichen Niederschlags.

Und wie oft hat die Sonne geschienen? An rund 1612 Stunden war das im vergangenen Jahr an der Station Ennerich der Fall. Das war deutlich weniger als im Vorjahr (ein Minus von 234 Sonnenstunden), lag aber trotzdem noch über dem langjährigen Mittel von 1530 Sonnenstunden.

2021 deutlich mehr Regen als 2020, aber Böden weiterhin zu trocken

Karl Heck ist der "Wetterfrosch" von Diez. In seinem Garten in Freiendiez misst der 81-Jährige schon seit 1989 den Niederschlag und die Temperaturen. In der oben zu sehenden Grafik hat er die Monatsniederschläge festgehalten. Anhand der von ihm errechneten Durchschnittsmenge seit 1989 lässt sich gut erkennen, welche Monate 2021 zu nass und zu trocken waren.

Heck hat als Agraringenieur 30 Jahre lang für die Agrarverwaltung Hessen gearbeitet und sagt, er beobachte das Wetter, weil es ihm Spaß macht. Mit insgesamt 660,4 Litern Niederschlag pro Quadratmeter lagen seine Messungen im Vergleich zu den drei Jahrzehnten zuvor etwas über dem Durchschnitt von 655,6 Litern. "An 157 Tagen fiel Niederschlag als Regen vom Himmel, in nur drei Tagen im gesamten Jahr als Schnee", teilt er mit. Das Jahr 2020 hingegen sei mit nur insgesamt 459,7 Litern je Quadratmeter viel trockener gewesen als 2021, es war sogar das trockenste Jahr seiner gesamten Aufzeichnungen.

"Die weitere Absenkung des Grundwasserstandes wurde durch die Niederschlagsmenge in 2021 wohl etwas gebremst, reicht aber bei Weitem nicht aus, um das in den letzten Jahren sich ansammelte Defizit zu reduzieren", schreibt Heck. "Neben der Trinkwasserversorgung, die in einigen Teilen Deutschlands zu Problemen führte, konnte der Wald sich nicht erholen. Die Schäden, die der Borkenkäfer in den letzten Jahren angerichtet hat traten in 2021 noch deutlicher zu tage. Die Badelustigen konnten im abgelaufenen Jahr nicht nur wegen Corona, sondern auch durch die regenreichen Monaten Juli und August die Freibäder nur eingeschränkt nutzen." Insgesamt gesehen sei im vergangenen Jahr einem regenreichen, schneearmen Winter ein kühles, aber sehr trockenes Frühjahr gefolgt "was der Aussaat in den Hausgärten und der Landwirtschaft förderlich war". Rechtzeitig im Mai sei der für die Vegetation notwendige Regen gekommen. "Nach den vorhergehenden Trockenjahren wurden auf dem Grünland in 2021endlich wieder ausreichende Mengen Futter für das Rindvieh geerntet", teilt Karl Heck weiter mit.

"Trotz der hohen Niederschlagsmengen im Juli und August konnte die Getreideernte einigermaßen gut bewältigt werden. Jedoch waren die Erträge im Allgemeinen sehr unterschiedlich und lagen teilweise unter dem mehrjährigen Durchschnitt." Der sich im September einstellende Wetterwechsel mit vielen Sonnentagen, der den gesamten Herbst angehalten habe, "führte bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais zu guten Erträgen"

Die Rekorde im Wetterjahr 2021 in Ennerich und Obershausen

Nicht so heiß wie sonst in vergangenen Jahren war es 2021: Nur vier "heiße Tage" mit Werten von mindestens 30 Grad oder darüber gab es in Löhnberg-Obershausen, in Runkel-Ennerich waren es auch nur fünf. Zuletzt gab es so wenig Tage mit schweißtreibenden Temperaturen 2017, und auch da waren es jeweils acht "heiße Tage".

Im Jahr 2020 waren es immerhin elf und 17 solcher Tage, an denen man sich eine Klimaanlage zu Hause wünscht. Den Spitzenplatz in diesem kleinen Zeitraum nimmt das Jahr 2018 ein mit 18 heißen Tagen in Obershausen und sogar 23 heißen Tagen in Ennerich.

Auch der Blick auf die "Sommertage" bestätigt den auch gefühlten Eindruck, dass 2021 nicht so warm war wie sonst: An nur 34 Tagen lag in Obershausen die Höchsttemperatur zwischen 25 Grad und unter 30 Grad. Das unterbietet sogar das ebenfalls nicht ganz so heiße Jahr 2017 mit allerdings noch 43 Sommertagen. Auch hier nimmt das Jahr 2018 einen Spitzenplatz ein mit insgesamt 84 Sommertagen. Für Ennerich gilt der gleiche Trend: Zwar insgesamt mehr Sommertage (44) als in Obershausen, aber in den vier Vorjahren waren es hier ebenfalls teils deutlich mehr.

Frostiger war es im vergangenen Jahr. Neben einem relativ kühlen Sommer gab es auch ein relativ kühles Frühjahr. Auf immerhin 105 "Frosttage" kommt die Wetterstation in Obershausen, an denen die niedrigste Temperatur unter null Grad lag - der klassische Nachtfrost, wie er noch im Frühjahr nicht selten ist. So viele Frosttage gab es in den Vorjahren nicht - zwischen 2017 und 2019 waren es jeweils knapp 90, deutlich milder war es insgesamt 2020 mit nur 65 Frosttagen. Aber auch das wärmere Ennerich kam auf immerhin 86 Frosttage im vergangenen Jahr. 2020 waren es dort nur 59, in den drei Vorjahren pendelte der Wert jeweils um die 70 Frosttage.

Auch der Blick auf die noch heftigeren "Eistage", an denen sogar die Tageshöchstemperatur unter null Grad liegt, bestätigt das Bild eines kühleren Winters im Vergleich der vergangenen fünf Jahren. In Obershausen gab es acht solcher Eistage, in Ennerich sieben. Im Jahr 2020 gab es hingegen nur einen einzigen "eisigen Tag" in Ennerich, in Obershausen sogar gar keinen. 2019 waren es jeweils fünf Eistage. Noch mehr Eistage als 2021 gab es im Jahr 2018.

Der heißeste Tag war 2021 jeweils im Juni mit trotzdem eher moderaten Werten: Am 17. Juni kletterte an der Station in Obershausen die Temperatur auf 32,7 Grad, etwas heißer war es einen Tag später in Ennerich mit 33,7 Grad. Zum Vergleich: Der absolute Topwert an diesen beiden Wetterstationen stammt jeweils vom 25. Juli 2019 mit 38 Grad und 39,3 Grad.

Der kälteste Tag war im Februar 2021: Auf minus 12,2 Grad fiel die Temperatur in Obershausen am 14. Februar, auf minus 11 Grad am 10. Februar in Ennerich.

Der nasseste Tag macht zwischen den beiden Wetterstationen den größten Unterschied aus, was nicht an der jeweils gleichen Niederschlagsmenge von 33 Litern pro Quadratmeter liegt. Aber in Obershausen kam diese Menge schon am 28. Januar herunter, in Ennerich erst am 10. September.

Den meisten Schnee gab es jeweils im Januar 2021. Auf eine maximale Schneehöhe von zwölf Zentimetern brachte es die Wetterstation in Obers-hausen am 8. Januar. Und selbst im tiefer gelegenen Ennerich reichte es für zwei Zentimeter Schnee am 17. Januar.

Die heftigste Windböe wurde am 21. Oktober registriert, zumindest an der Station in Ennerich mit 95 km/h. In Obers-hausen wird kein Wind gemessen

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