Einen Beruf lernen und noch viel mehr, das man für das Berufsleben braucht: In der Holzwerkstatt der GAB gibt es Betreuung und Beschäftigung. Ausbildungsmeister Stephan Storey (Mitte) zeigt, wie es geht.
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Einen Beruf lernen und noch viel mehr, das man für das Berufsleben braucht: In der Holzwerkstatt der GAB gibt es Betreuung und Beschäftigung. Ausbildungsmeister Stephan Storey (Mitte) zeigt, wie es geht.

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Ein Schutzschirm für Ausbildungssuchende

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Was die GAB, die Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung des Kreises Limburg-Weilburg, leistet.

Limburg -Eine Grundausbildungswerkstatt wäre ein Traum, eine Werkstatt, in der junge Menschen all das lernen können, was sie für ihre Berufsausbildung einmal brauchen werden: Struktur, Durchhaltevermögen Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und natürlich auch organisatorische und praktische Fertigkeiten. Eine Werkstatt, in der auch jene jungen Menschen angenommen werden, die woanders nicht ankommen, die durch das sprichwörtliche Netz fallen - und zwar bevor sie fallen. "Die jungen Leute frühzeitig fördern zu können, das wäre mein Traum", sagt Stephan Zimmermann. Aber davon ist er noch weit entfernt. Wer zur Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung kommt, ist in der Regel öfter mal gefallen. "Ihr Neustart beginnt hier", wirbt die Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung (kurz GAB) auf ihrer Homepage. "Wir bieten jungen Leuten eine Chance, die durch das Maßnahmen-System fallen", sagt Stephan Zimmermann, der Geschäftsführer der GAB, einen "Schutzschirm für Ausbildungssuchende".

Aufsuchende

Sozialarbeit

Seit 1995 bietet die GAB Beratung, Ausbildungs-, Umschulungs- und Qualifizierungsplätze an, Gesellschafter der gemeinnützigen Gesellschaft ist der Landkreis. "Es ist toll, dass der Landkreis bei der Ausbildung dabeibleibt", sagt Stephan Zimmermann. Das Geld kommt von der EU, vom Land Hessen, vom Landkreis, von der Agentur für Arbeit, vom Jobcenter. Zurzeit werden damit mehr als 50 Auszubildende gefördert, finanziell und sozial. Und zwar ganz individuell und trägerübergreifend. Das jüngste Modell ist das Projekt Neustart, der "Schutzschirm für Ausbildungssuchende", ein Programm des Landes Hessen.

Es sei wichtig, dass alle jungen Menschen im Landkreis, auch diejenigen "ohne Ausbildungsreife", eine Chance auf einen Berufsabschluss haben, sagt Stephan Zimmermann.

Aber dafür brauche es ein System, das früh auf die Jugendlichen aufmerksam wird, wenn alles nicht so läuft wie gehofft, wenn sie die Schule schwänzen oder anderen Ärger haben. Dann ist erst einmal aufsuchende Sozialarbeit gefragt. Manchmal ist auch die Jugendgerichtshilfe mit im Boot.

"Wir müssen schauen, dass die Jugendlichen wieder im System ankommen", sagt Stephan Zimmermann. Denn nur wer im System ist, wird auch vom System unterstützt. "Die Förderkette ist wichtig."

Wenn es gut läuft, macht die Schule den Anfang. Hat schon früh diejenigen im Blick, die es ohne Unterstützung nicht schaffen werden, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Manchen Jugendlichen verbaut der erfolgreiche Schulabschluss den Weg, weil er ihnen die Chance auf eine unterstützte Ausbildung nimmt. Diejenigen, die einen Abschluss schaffen, sind aber noch lange nicht auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Für viele ist es leicht, eine Ausbildungsstelle zu finden. Für manche nicht. Und die Pandemie macht ihre Lage nicht besser: "Vor einem Jahr hätte niemand gedacht, dass der Verdrängungswettbewerb so stark ist." Denn es gibt kaum noch 450-Euro-Jobs, über die ein Einstieg in die Arbeitswelt oder zumindest ein Zuverdienst möglich wäre; die Betriebe bieten keine Praktika an, bei denen auch die schlechten Schüler zeigen dürfen, was sie können - und damit fällt auch dieser "Klebeeffekt" weg. Und darunter, dass Schulen keinen Präsenz-Unterricht anbieten, leiden natürlich vor allem die schwächeren Schüler - mit fatalen Folgen: Wenn ihnen Wissen fehlt, haben sie größere Probleme in der Berufsschule, der Frust wächst, die Gefahr, dass sie die Ausbildung abbrechen auch. Wichtig sei, dass die Jugendlichen dann nicht aufgeben und aus dem System fallen, sagt Stephan Zimmermann. Und das geht schnell: Wer sich nicht immer wieder ausbildungsplatzsuchend meldet und nach einem Ausbildungsplatz fragt, zählt für die Behörde irgendwann nicht mehr. Auch nicht in der Statistik. "Es gibt immer noch viele unversorgte Jugendliche."

Wer einen Ausbildungsplatz in seinem Traumberuf findet, kann sich glücklich schätzen. Manche müssen nehmen, was sie kriegen. "Für einen erfolgreichen Berufsabschluss muss der Ausbildungsplatz zu dem Auszubildenden passen und das ist für unsere Jugendlichen nur Sachwerte zu erreichen", sagt Stephan Zimmermann. Wenn sie Glück haben, finden sie in der Holz-, der Elektro- oder Metallwerkstatt der GAB oder als Gebäudereiniger oder Lagerist eine Ausbildungsstelle, die zu ihnen passt und die Betreuung und Unterstützung, die sie brauchen - wenn sie einen gesetzlichen Anspruch auf Förderung haben.

Sprachförderung

für alle

Mit dem Projekt Neustart bekommen 15 von ihnen eine Chance. Sechs bis zwölf Monate haben sie Zeit, etwas über den jeweiligen Beruf zu lernen und die soziale Kompetenz, die man im Berufsleben und überhaupt braucht. Sechs bis zwölf Monate dauert diese Maßnahme - mitsamt "berufsbezogenem Profiling" und Einstiegsqualifizierung in den Ausbildungswerkstätten der GAB und Sprachförderung für alle, die sie brauchen. Und wenn es gut läuft, geht es vom Projekt Neustart direkt in die Ausbildung. In einer Firma oder bei der GAB. "Der Abschluss bei uns ist renommiert und anerkannt", sagt Stephan Zimmermann. Wer den geschafft hat, kann es dann auch auf dem ersten Arbeitsmarkt schaffen. Nur der Weg dahin ist manchmal weit. Aber das Ziel ist klar: Ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben. Manche Menschen bräuchten im Übergang von der Schule in den Beruf eben Unterstützung, um aus der Abhängigkeit des Leistungsbezugs zu kommen, sagt Stephan Zimmermann. Und manche schafften es nie. "Aber unsere Gesellschaft ist dazu verpflichtet, Teilhabe zu ermöglichen."

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