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Diesmal muss René Langrock (links, mit dem Prinzenpaar Eileen Naß und Erik Müller 2017/18) zum 11. 11. schweren Herzens auf die Prinzenpaarkürung verzichten.

Veranstaltungsverbot

Karneval in Corona-Zeiten: Ein trauriger 11. 11. für die Narren in der Region

Wegen Corona wurden fast alle Veranstaltungen im Kreis Limburg-Weilburg abgesagt. Einige Vereine planen nun Alternativen.

Ein richtiger Narr lässt sich auch von Corona nicht aufhalten, am heutigen 11. 11. um 11.11 Uhr, die Kampagne 2020/21 zu starten. Zumindest zwei Vorstandsmitglieder "werden die Kampagne eröffnen", sagt Gunther Lawaczeck vom Carneval-Verein Bad Camberg. Der Verein, Gründungsjahr 1832, gehört zu den ältesten Carnevalvereinen in Deutschland und wird zumindest im kleinen Kreis die närrische Zeit eröffnen.

Damit stehen die Bad Camberger aber ziemlich alleine da. Denn alle anderen befragten Vereine im Landkreis haben ihre für den heutigen 11. 11. geplanten Aktivitäten abgesagt. Manche hatten dabei schon Alternativen zum "normalen" Programm entwickelt und diese dann wegen der steigenden Corona-Zahlen doch wieder gestrichen.

Der Bad Camberger Verein gehört auch zu den wenigen Vereinen im Kreis Limburg-Weilburg, der für das kommende Jahr Veranstaltungen ins Auge gefasst hat, ansonsten fällt bis Aschermittwoch nahezu alles aus. "Wir werden auf jeden Fall etwas machen", betont Gunter Lawaczeck. Das große Festzelt am Amtshof mit seinen 1000 Plätzen wird aber ebenso fehlen wie der Handkarrenumzug, dafür könnte es eventuell ein Konzert-Streaming geben.

Wegen Corona: Limburger Umzug um ein Jahr verschoben

"Wir verschieben den Zug um ein Jahr", sagt Uli Vogelrieder vom Ring Limburger Carneval. Dies bedeutet, das der große Umzug des Dreierbunds Limburg-Hadamar-Diez in Limburg ausfällt und 2022 durchgeführt wird. Auch die am 11. 11. sonst um 11.11 Uhr so pünktliche Kanone wird heute in Limburg nicht zu hören sein. "Der Lockdown lässt dies nicht zu." Auch die für heute geplante die Proklamation der neuen närrischen Regenten des Dreierbundes fällt der Pandemie zum Opfer.

"Wir sind froh, dass wir in diesem Jahr noch unseren närrischen Umzug durchführen konnten" , sagt der Präsident des Langendernbacher Carnevalvereins, Manfred Fröhlich. "Zu den Absagen zählen unsere großen Kappensitzungen wie auch die Tanzturniere."

Nach Absage wegen Corona: Vielleicht ein Termin im Sommer?

Der Fussinger Fastnachtsverein hält sich dagegen für das nächste Jahr eine Option offen. "Wir haben alles abgesagt, sind aber dabei ein Alternativprogramm auszuarbeiten", berichtet Theresia Reitz. Alternative bedeutet eventuell eine Videokonferenz "oder ein Termin im Sommer, wenn alle wieder raus dürfen".

Solche Planungen gehören auch zur Vorstandsarbeit des neuen Vorsitzenden der Hadamarer Carnevalsgesellschaft, Alwin Braun. "Sie sind vorhanden, doch wir haben kein Orakel und auch keine Glaskugel." Der Blick geht dabei immer auf die neuen Bestimmungen. "Wir haben bisher geplant, einen Elferratsabend über das Internet intern freizuschalten und gemeinsam zu schunkeln."

Corona: Auch Umzug für 2021 abgesagt

Auch der Hundsangener Carnevalverein hat, wie der Vorsitzende Dominik Eichmann berichtet, den großen Umzug 2021 abgesagt. "Wir haben schon abgesehen, dass wir einen Umzug mit 10 000 Besuchern nicht verantworten können." Am kommenden Samstag wäre dort die Prinzenproklamation gewesen "die aber auch ausfällt".

In Arfurt dagegen sind die Kappensitzungen des Sportvereins Arfurt bisher noch nicht definitiv abgesagt. Ortsvorsteher Marten Cornel Fuchs ist seit zehn Jahren Sitzungspräsident und betont, dass "wir aber natürlich auch nichts tun werden , was in der aktuellen Situation unverantwortlich wäre". Sollten Kappensitzungen mit Publikum Anfang 2021 gar nicht möglich sein, ist das noch nicht das endgültige Ende. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, eine Kappensitzung im Livestream im Internet zu übertragen, die die Arfurter dann gemütlich daheim verfolgen können", so Marten Fuchs. Eine weitere Option wäre ein kleineres Programm draußen statt in der Mehrzweckhalle mit Abstand.

Da das Sitzungsprogramm sowieso immer erst nach den Weihnachtsferien festgelegt werde, könne man die Corona-Entwicklung noch abwarten und später entscheiden. "In Arfurt herrscht aber unter den Mitwirkenden ein großer Gemeinschaftssinn. Darum habe ich die berechtigte Hoffnung, dass die Fastnacht auch eine ausgefallene Kampagne ohne längere Nachwirkungen gut überstehen würde", ist Fuchs überzeugt.

Jubiläum fällt wegen Corona ins Wasser

Michael Keßler, Gardehauptmann in Obertiefenbach, sieht die aktuelle Situation mit gemischten Gefühlen. Eigentlich hätten die Aktiven der Obertiefenbacher Fastnachtsgarde zum 25-jährigen Bestehen der Gruppe heute zumindest im kleinen Kreis am Gottfried-Brunnen zusammenkommen wollen. Durch den zweiten Lockdown im November mit Veranstaltungsverboten fällt dieses Treffen aber flach, genauso wie die Prinzessinnenkürung.

Keßler kann die Corona-Maßnahmen verstehen, sieht aber auch die negativen Folgen für alle Beteiligten. Dass bei der aktuellen Corona-Gefahr die üblichen Veranstaltungen nicht durchgeführt werden könnten, sei in der Fastnachtsgemeinschaft unstrittig gewesen. "Gerade die Fassenacht lebt ja von Nähe und die ist eben gerade nicht möglich", sagt Keßler traurig. Aber er ist guter Dinge, dass das nicht für immer die gewachsenen Fastnachtsstrukturen in Obertiefenbach zerstören wird.

Absage wegen Corona: Lange gehofft, aber ohne Proben geht's nicht

Die beiden Präsidenten des Niedertiefenbacher Carnevals-Clubs , Dominic Jeuck und William Schneider, werden die ausgelassenen Abende mit Freunden auch vermissen. Jeuck sagt, sie hätten lange gehofft, dass vielleicht wenigstens ein kleines bisschen was gehen könne, aber die steigenden Corona-Zahlen hätten dann einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ohne offene Bürgerhäuser könnten die Gruppen nicht proben. Zudem sei es schwer, Menschen feiern zu lassen und trotzdem ein aufwendiges Hygienekonzept umzusetzen. Von daher habe die Feuerwehr als Ausrichter Abstand davon genommen.

Jeuck und Schneider kritisieren die Bestimmungen nicht, sagen aber auch klar, dass es für viele Bürger schwierig sei, wenn sie nun schon über Monate keinen Ausgleich mehr zur Arbeit hätten, sich nicht uneingeschränkt mit Freunden treffen und Spaß haben könnten. Schneider sagt: "Außer während des Golfkrieges haben wir noch nie eine Kampagne abgesagt. Vielleicht werden wir zumindest Fastnachtspakete für daheim anbieten, damit die Bürger wenigstens dort ein bisschen Freude mit ihren Familien haben können."

Corona: Ein Orden zur Frustbewältigung

René Langrock, Hofmarschall des Runkeler Kulturvereins , betont, dass schnell allen klar gewesen sei, dass die Kampagne diesmal ausfallen müsse. "Natürlich hätten wir die Abstandregeln einhalten können, indem wir die Sitzung auf die komplette Runkeler Stadthalle ausweiten", sagt er. Aber mit soviel Abstand und ohne zu singen und zu tanzen käme keine Stimmung auf. Langrock denkt, dass man mit solchen "Corona-Sitzungen" den Leuten eher die Freude an der Fastnacht nehmen würde.

Was der Hofmarschall sich vorstellen könnte, ist, als Alternative die Filmaufnahmen frühere Sitzungen für alle online zu stellen, damit die Runkeler auch in Corona-Zeiten etwas zu lachen haben. "Klar tut es weh, dass die Kampagne ausfällt", berichtet der Runkeler. Ihm fehlten auch die ganzen Planungen und dann die Leute zu treffen und zusammen Spaß zu haben. Wem es genauso geht, kann bei René Langrock für vier Euro einen "Session 202/21 - Voll für'n Arsch"-Fastnachtsorden erwerben, die er extra zur Frustbewältigung hat anfertigen lassen.

Und vielleicht passt er seine Stimmung ja doch noch den Aktiven des Niederhadamarer Carnevalvereins an. Die Schreiben auf ihrer Internetseite: "Die Sitzungen mögen ausfallen, aber in unserem Herzen werden wir Fastnachter gemeinsam durch diese ungewöhnliche Kampagne schunkeln." Das spricht vielen Narren aus dem Herzen. kdh/rok

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