Fröhliche Talkrunde: (v.l.) Wilhelm Bender, Michael Jung, Heribert Bruchhagen.
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Fröhliche Talkrunde: (v.l.) Wilhelm Bender, Michael Jung, Heribert Bruchhagen.

Eintracht Frankfurt

Eintracht-Chefs klagen über ungleiche Wettbewerbsbedingungen

  • Joachim Heidersdorf
    VonJoachim Heidersdorf
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Und Geld schießt doch Tore . . . Davon ist Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen felsenfest überzeugt. Die Dominanz der finanzstarken Clubs wird seiner Meinung nach in den nächsten Jahren sogar noch größer. „Aus Zement wird Granit“, prophezeite er bei einer Veranstaltung des „Limburger Kreises“.

Beim vorangegangenen Besuch des „Limburger Kreises“ vor drei Jahren war die Eintracht nur zweitklassig. Das „rote Sofa“ dieser Zeitung, auf dem die Verantwortlichen damals Platz nahmen, steht inzwischen als Symbol des direkten Wiederaufstiegs im Museum des Vereins – umgeben von Trophäen aus ruhmreichen Zeiten. Kurz- und mittelfristig werden wohl keine weiteren hinzukommen. Dem Frankfurter Fußball-Bundesligisten fehlt das Geld, um an der Spitze mitspielen zu können. Diese nüchterne Erkenntnis stellten Vorstands-Chef Heribert Bruchhagen und Aufsichtsrats-Vorsitzender Wilhelm Bender in der von Michael Jung fachkundig moderierten Talkrunde im Eintracht-Museum heraus.

„Selbstverständlich schießt Geld Tore“, betonte Bruchhagen. Die Liste der Vereine mit den höchsten Einnahmen sei in den vergangenen Jahren deckungsgleich mit der Tabelle. „Wir haben nicht die gleichen Wettbewerbsbedingungen“, klagte er. Die Diskrepanz zwischen den finanzstarken Clubs und dem Rest der Liga werde durch die Neuregelung der Champions-League-Gelder sogar noch größer. „Aus Zement wird Granit“, prophezeite der erfahrene Funktionär.

Für den Boss der Fußball-AG jedoch ebenso wenig ein Grund zum Jammern wie für den Aufsichtsrats-Chef. Die „Eintracht“ müsse aus dieser Situation das Beste machen – und das könnte ihrer Meinung nach in der Wirtschaftsmetropole Frankfurt eigentlich viel besser sein . . . „Es ist schon ein Phänomen, dass diese Stadt nicht versteht, welchen Faktor der Fußball für ihr Profil spielt“, sagte Bender. Das Engagement der Metropolregion für den Bundesligaverein sei „deutlich steigerbar“. Es sei gar nicht so einfach, einem Dax-Unternehmen eine Loge für 100 000 Euro zu verkaufen, berichtete Bruchhagen.

Auf der nächsten Seite: Tabellenführer

Die beiden Repräsentanten ließen keinen Zweifel daran, dass die Eintracht künftig stärker von den Einnahmen im Stadion und im Umfeld der Bundesligaspiele partizipieren muss. „Mit einer Miete von zehn Millionen Euro stehen wir mit an der Spitze in Deutschland“, sagte Bruchhagen. Außerdem gibt es nach seinen Angaben nur noch eine weitere Tabelle, die die „Eintracht“ anführt: die mit den am wenigsten gezahlten Trainerabfindungen.

Solidität, Kontinuität und Seriosität hob der Vorstandsvorsitzende denn auch als Maxime seines „wirtschaftlich vernünftigen Handelns“ hervor. Dass er dafür viel kritisiert werde, könne er verkraften. Mehrere Vorgänger hätten es mit höheren Ausgaben und Risiken versucht, den Verein in der Tabelle nach vorne zu bringen, dies aber auch nicht geschafft. „Unter meiner Führung haben wir 24 Millionen zurückgezahlt“, sagte Bruchhagen.

Es sei unmöglich, die Fußballfans in Frankfurt emotional zufriedenzustellen, meinte der 66-jährige Rheinländer. „Die Leute müssen überall mit der Realität leben, dann wollen sie wenigstens samstags um halb vier einmal träumen.“ Die Kommentare in Medien und Internet seien für ihn kein Indikator. Aufforderung und Verpflichtung für seine Tätigkeit für die „Eintracht“ sei vielmehr die durchschnittliche Zahl von 48 000 Zuschauern.

Mit dem bisherigen Verlauf der Saison zeigte Bruchhagen sich „in der Gesamtbetrachtung sehr zufrieden“. Platz neun sei okay, im Vorjahr habe die „Eintracht“ nach dem 24. Spieltag sechs Punkte weniger gehabt. Warum es dem Team nicht gelinge, den nächsten Schritt zu machen, führte der Vorstandsvorsitzende auf die fehlende Qualität nach dem Abgang von fünf Leistungsträgern zurück. Er hoffe auf mehr Stabilität im nächsten Jahr. „Wie sich das auf den Tabellenplatz auswirkt, müssen wir abwarten.“

„Das geht Dich gar nichts an“

Offen bleibt auch die Zukunft der derzeit Verantwortlichen bei der „Eintracht“. „Mein Vertrag endet am 30. Juni 2016. Was ich danach mache, geht Dich nichts an“, sagte Bruchhagen auf eine Frage von ZDF-Kultreporter Rolf Töpperwien. Auch Aufsichtsrats-Chef Wilhelm Bender ließ offen, ob er im Sommer weitermachen will.

Zu den 130 Gästen von „Limburger-Kreis“-Präsident Michael Jung zählten neben Töpperwien viele weitere Fußballexperten, darunter SchiedsrichterLegende Walter Eschweiler und Hessens Ex-Regierungssprecher Dirk Metz. Mitgastgeber war Lotto-Hessen-Chef Heinz-Georg Sundermann.

(hei)

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