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Stadtführer Mario Iltisberger (rechts) schwang den Kochlöffel bei der Stadtführung ?Essen und Trinken im Mittelalter?.

Stadtführung

Am Ende gibt jeder den Löffel ab

„Klar wie Kloßbrühe“ wurde den Limburg-Besuchern am „Tag der Stadtführer“ nicht nur so manches Sprichwort, sondern auch vieles rund um das Thema „Essen und Trinken im Mittelalter“.

Auch Petrus scheint Stadtführungen in Limburg zu schätzen. Er sorgte für strahlenden Sonnenschein bei glasklarer Luft und eisiger Kälte. Das konnte aber etliche wissbegierige Besucher der Stadt nicht davon abhalten, sich an die Seite der Akteure zu begeben und mit ihnen am „Tag der Stadtführer“ die Domstadt ein Stückchen weit zu erkunden. 18 Stadtführer waren unterwegs und zeigten anhand von 23 Führungen, was viele auf den ersten Blick nicht sehen, aber eng zu Limburg und seiner Geschichte gehört.

Stadtführer Mario Iltisberger hatte sich dem „Essen und Trinken im Mittelalter“ verschrieben. „Bewaffnet“ mit einem riesengroßen Kochlöffel machte er seine Gäste gleich mit passenden Redensarten vertraut, die noch von den Sitten und Gebräuchen im Mittelalter herrühren. Jedes Kleinkind bekam nämlich in jenen Zeiten einen Holzlöffel übereignet, der es ein Leben lang begleitetete. Was möglich war, wurde mit dem Löffel gegessen, alles andere ging durch die Hände. Gabeln gab es nicht und Fleisch wurde zumeist vom Hausherrn mit dem einzigen Messer mundgerecht geteilt oder gleich vom Knochen abgenagt. Der Löffel war für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot da, für Suppen, Kartoffeln, Gemüse und Brei. Und wenn dann für den Löffelbesitzer der letzte Tag auf Erden kam, musste der Sterbende seinen Löffel eben abgeben – den bekam dann einer aus der nachfolgenden Generation.

Der Kornmarkt entpuppte sich als idealer Ort für eine Führung, die sich rund um das Thema Nahrung dreht. Unterhalb des Marktes, auf dem ja auch – da, wo jetzt die Commerzbank ist, die städtische Waage untergebracht war, verläuft die Fleischgasse. Hier wohnten und arbeiteten Metzger und Pferdehändler. Der Standort war praktisch: Direkt nach dem Schlachten konnten die Tierreste in den – heute unterirdisch verlaufenden – Kasselbach geworfen und somit entsorgt werden.

Und oberhalb vom Kornmarkt waren die Bäcker. Der ehemalige goldene Löwe war 300 Jahre lang Bäckerei, bis er schließlich nur noch als Gastwirtschaft genutzt wurde. Einige Jahrzehnte später eröffnete die Bäckerei Hensler, die inzwischen ebenfalls auf eine 300-jährige Geschichte zurückblicken kann. Bäcker hatten übrigens besondere Rechte. Sie durften nachts schon den Backofen anheizen, um Brot zu backen. Wenn sie fertig waren, kamen die Nachbarn, um mit der Restwärme ihr eigenes Brot zu backen. „Die vielzitierte Nachhaltigkeit gab es also schon früher“, berichtete Mario Iltisberger, der auch oft als Nachtwächter unterwegs ist oder mit Gästen den Dom und Limburg läuferisch erkundet. Wer sein Brot zu Hause backte, galt übrigens schon im Mittelalter als „Eigenbrötler“ – so wie heute. Auf die Bäcker, die ihr Brot streckten, wartete übrigens eine unangenehme Strafe: Sie wurden in den großen Graben geworfen und untergetaucht. Die Bäckertaufe war eine schlimme Strafe!

Auch zum Thema Fastenzeit wusste der 51-jährige Stadtführer aus Dietkirchen etliches zu erzählen. Die Fastentage umfassten nämlich nicht, wie heute, 40, sondern insgesamt tatsächlich 143 Tage. In dieser Zeit gab es für die arme Bevölkerung kaum etwas zu essen – außer einer dünnen Suppe. Die wurde in der Umgangssprache auch Kloßbrühe genannt. Leider nicht deshalb, weil sich die Hungrigen immerhin auf kleine Fleischklößchen oder Grießklößchen als Einlage freuen konnten, sondern weil sie von den Klöstern kam und folglich eine Klos(ter)brühe war. Diese klare Suppe war im Endeffekt eine Wassersuppe mit Kräutern.

Wer Glück hatte, konnte noch ein wenig Salz hinzufügen – und das war’s.

Klar wie Kloßbrühe

, dass die Menschen nie richtig satt wurden. Zu den Zuhörern von Mario Iltisberger hatte sich auch ein Kollege gesellt. Stadtführer Hartmut Götzen, der ja aus der Gastronomie kommt und viele Jahre lang den Batzewert, vor dem die Führung begann, geleitet hat, hörte aufmerksam zu und hatte seine Freude an den Ausführen des Kollegen. Die Sonderführungen der Stadtführer dauerten an diesem Tag nur 25 Minuten. Wer mehr wissen möchte, kann alle Führungen beim Limburger Verschönerungsverein auch für eine, anderthalb oder zwei Stunden buchen.

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