Sie dürfen seit gestern nach rund sechs Monaten Home-Schooling wieder Unterricht in der Limburger Goetheschule genießen: (von links) Julian Simon (15), Luca Staat (14) und Ümit Subasi (13).
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Sie dürfen seit gestern nach rund sechs Monaten Home-Schooling wieder Unterricht in der Limburger Goetheschule genießen: (von links) Julian Simon (15), Luca Staat (14) und Ümit Subasi (13).

Kreis Limburg-Weilburg

Endlich wieder "in" der Schule: Präsenzunterricht nach sechs Monaten Home-Schooling

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  • Anken Bohnhorst-Vollmer
  • Stefan Dickmann
    Stefan Dickmann
  • Tobias Ketter

In Limburg-Weilburg kehren die Schüler in den Klassenraum zurück – und sind froh darüber.

Limburg – Vor Kurzem fragte Charlotte Weber, Lehrerin an der Goethe-Schule in Limburg, die Schüler ihrer Klasse im Chat, was sie sich am meisten wünschen: Neben Freunde treffen und wieder im Verein aktiv sein zu dürfen, landete auf Platz 1 der Wünsche: Unterricht haben in der Schule.

Was früher selbstverständlich war, ist es in der Pandemie längst nicht mehr, aber seit dem gestrigen Montag wird im Landkreis Limburg-Weilburg wieder im Wechsel in der Schule unterrichtet, weil der Inzidenzwert derzeit konstant unter 165 liegt. Einer Woche Unterricht im Klassenraum folgt eine Woche Unterricht vor dem PC oder Tablet zu Hause.

Auch der 13-jährige Ümit Subasi, der an der Goethe-Schule die siebte Klasse besucht, sowie die beiden Neuntklässler Julian Simon (15) und Luca Staat (14) freuen sich sehr darüber, endlich wieder in der Schule unterrichtet zu werden. "Hier lernt man viel mehr", sagen sie unisono und weisen auf die "direkte Kommunikation", den "geregelten Alltag", aber auch auf das "Zwischenmenschliche" in der eigenen Klasse hin, das beim Unterricht zu Hause auf der Strecke bleibt. Zu Hause sei es schwerer, sich zu motivieren als in der Schule, weil man oft abgelenkt werde, entweder vom Smartphone oder von den Geschwistern, sagt Julian Simon. "Man braucht eine gewisse Selbstdisziplin", sagt Luca Staat.

Limburg: Home-Schooling nicht mit Präsenzunterricht vergleichbar

Damit der Unterricht zu Hause bei allen Schülern technisch funktioniert, hat die Goetheschule mit ihren knapp 380 Schülern rund 50 Tablets vom Landkreis gestellt bekommen - für Schüler, die nicht jederzeit Zugriff auf einen PC zu Hause haben. Auch Ümit Subasi hat ein Tablet geliehen bekommen und Glück gehabt, denn der Bedarf an diesen Geräten ist immer noch groß. Von einer Warteliste mit derzeit acht Schülern berichtet die Leiterin der Goetheschule, Melanie Jansing.

Rund 500 Mädchen und Jungen sind gestern auch in die Dauborner Freiherr-vom-Stein Schule zurückgekehrt. "Wir führen das Wechselmodell wochenweise durch, so dass in der kommenden Woche die andere Hälfte der Schüler den Präsenzunterricht besuchen wird", sagt Rektorin Judith Lehnert. Die Kinder wurden über das Schulradio von der Schulleitung begrüßt. "Ich bin froh, dass es endlich wieder losgeht", sagt Lehnert. Schulseelsorgerin Christiane Tabor-Stambke und Schulsozialarbeiter Oliver Hartmann befragten zudem die Kinder nach ihrer derzeitigen Gemütslage. "Viele Schüler freuen sich, wieder hier sein zu dürfen", sagt die Schulseelsorgerin. Allerdings seien einige Heranwachsende auch verunsichert. "Sie müssen sich nach so langer Zeit erst wieder an die Strukturen gewöhnen."

Für Schulsprecher Lennon Wagner war es zunächst ein kleiner Schock, als er erfuhr, dass der Präsenzunterricht zeitnah wieder durchgeführt werden kann. "Jetzt finde ich es aber schön, hier zu sein und meine Klassenkameraden wiederzusehen", sagt er. Home-Schooling sei nicht mit dem Präsenzunterricht vergleichbar. Das sieht Nelly Helfenstein aus der achten Realschulklasse genauso. "Man hat jetzt wieder mehr Motivation, um aufzustehen", sagt sie. Während des digitalen Unterrichts sei es manchmal schwierig gewesen, diszipliniert zu arbeiten. "Durch den Präsenzunterricht können wir unsere Noten sicherlich eher verbessern", ergänzt Helfensteins Klassenkameradin Melissa Anselm.

Limburg: Viel Selbstdisziplin bei Online-Unterricht nötig

Auch Matteo Schneider, der die siebte Realschulklasse besucht, freut sich über den Restart des Präsenzunterrichts. "Die Lehrer können Dinge vor Ort besser erklären als über das Internet", sagt er. Sein Klassenkamerad Julian Schmitt hofft, dass bald wieder alle Schüler gemeinsam an der Freiherr-vom-Stein Schule unterrichtet werden können. Kai Zohner, der der zehnten Jahrgangsstufe angehört, ist der Meinung, dass man im Präsenzunterricht besser zuhören könne.

Für Colin Scheid, der in die zehnten Gymnasialklasse geht, ist es zunächst komisch gewesen, wieder in der Schule zu sein. "Das frühe Aufstehen war schon eine Umstellung", sagt er. "Ich finde es aber gut, dass ich nun in meinem letzten Schuljahr an der Freiherr-vom-Stein Schule meine Klassenkameraden nochmals sehen kann." Scheid wünscht sich, dass die Kreativität der Lehrer während des digitalen Unterrichts auch zukünftig im Präsenzunterricht beibehalten wird. Seine Klassenkameradin Jasmin Rodriguez ist glücklich darüber, ihre Freunde in der Schule wieder zu treffen. "In der Zeit des Home-Schoolings hat manchmal etwas die Motivation gefehlt. Deshalb hoffe ich, dass im kommenden Schuljahr alles endlich wieder möglichst normal sein wird", sagt sie.

"Die vergangenen sechs Monate habe ich als außergewöhnlich anstrengend und herausfordernd erlebt", sagt Anton Hering, der an der Marienschule in Limburg die achte Klasse besucht. "Sich über so einen langen Zeitraum auf den Online-Unterricht zu konzentrieren, ist stressig und man braucht viel Selbstdisziplin." Der Unterricht an seinem Limburger Gymnasium sei von der Schule jedoch fair, passend und verständlich organisiert worden. Wenn etwas gestört habe, dann sei es manchmal die Technik gewesen. "Ich freue mich wirklich sehr auf den Start in der Schule; endlich wieder Freunde und Unterricht ,in echt'!"

Limburg: Distanzunterricht „mit höhen und Tiefen“

Antonella Rostek, die an der Marienschule ihr erstes Oberstufenjahr absolviert, hat den fast sechsmonatigen Distanzunterricht zu Hause "sehr durchwachsen, mit Höhen und Tiefen, erlebt". Sie lobt zwar die gute Organisation und die gute Struktur und auch die Lehrkräfte seien auf die Schüler eingegangen und hätten sich die Mühe gemacht, den Unterricht bestmöglich unter diesen Umständen zu gestalten, "dennoch fehlte der persönliche Kontakt mit den Mitschülern". Die Einschränkungen im privaten Bereich hätten zudem ihre Leistungsfähigkeit und Motivation beeinflusst "und mich zum Teil sogar belastet. Es fiel mir sehr schwer, in den fast sechs Monaten immer mein Bestes zu geben und den Anforderungen der Schule gerecht zu werden, da mir grundsätzlich der Ausgleich im Alltag oft gefehlt hat", sagt die Schülern. "Natürlich freue ich mich auf den Beginn des Wechselunterrichts, da dieser Schritt unter anderem Hoffnung auf mehr Normalität und einen wiederkehrenden Alltag gibt." Gleichwohl bestehe immer noch ein Ansteckungsrisiko, weshalb sie diesen Öffnungsschritt auch mit gewissen Bedenken begleitet.

Bei Cheyenne Scherer aus der siebten Klasse der Erlenbachschule in Elz, war die Freude über die Rückkehr zum Präsenzunterricht "relativ". Klar sei es schön, nach so langer Zeit Klassenkameraden, Freunde und auch die Lehrer wiederzusehen, mit ihnen ohne digitalen Abstandsregler sprechen, sich im Schulgebäude oder auf dem Pausenhof bewegen zu können. Nur sei der Fernunterricht für sie entspannter gewesen, sagt die 13-jährige Schülerin. Zuhause sei ihr das Lernen schon leichter gefallen, weil dort Eltern und Geschwister für Zwischenfragen zur Verfügung standen. In der vertrauten Umgebung daheim habe sie eher ihrem eigenen Schulrhythmus folgen können. Und das war auch gut.

Der zwei Jahre ältere Erlenbachschüler Krystian Jozefowicz sieht das anders. "Ich habe mich echt gefreut, dass es wieder in der Schule losgeht", sagt er. Im Klassenverband seien Konzentration und Lernen "eindeutig besser", stellt er fest, obwohl ihm das vor dem Lockdown wohl nie in den Sinn gekommen wäre, räumt er ein. Er ist glücklich über die Rückkehr ins Klassenzimmer.

Limburg: Weniger Klassenarbeiten

Das berichtet auch Dirk Fredl, vom Staatlichen Schulamt in Weilburg. Die Schüler hätte sich sehr darüber gefreut, wieder in die Schule gehen zu dürfen, ihre Mitschüler und ihre Lehrer wieder zu sehen sowie am Präsenzunterricht teilzunehmen. Aber auch bei den Lehrern sei die Freude über die Präsenz ihrer Schüler groß gewesen. "Für die Schüler war das ein wichtiges Signal, dass es los geht", sagt Fredl.

Der erste Schultag sei gut angelaufen, fügt Fredl hinzu. Die Bildungsstätten hätten nur mehr Corona-Tests für die vielen Schüler organisieren müssen. Ein negativer Corona-Test ist die Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht. Der kann entweder vor Ort in der Schule gemacht werden, oder die Schüler bringen einen von einer Test-Stationen mit. Zwar hätten sich einige Eltern geweigert, ihre Kinder testen zu lassen und nahmen sie wieder mit. Die Mehrheit der Schüler und Eltern sei aber mit den Tests einverstanden gewesen.

Die Schüler können sich zudem über eine Erleichterung freuen, denn sie werden im laufenden Schuljahr weniger Klassenarbeiten schreiben. Das habe das Kultusministerium entschieden. So soll bis zum Sommer nur eine Klassenarbeit in den Hauptfächern geschrieben werden, in den Nebenfächern gar keine. tob/abv/na/dick

So meistern Schulen in Limburg die Corona-Pandemie: Regine Eiser-Müller, Leiterin der Tilemannschule, berichtet über die Herausforderungen in der Pandemie.

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