Öffnung nach der Corona-Pause

"Endlich wieder normales Leben"

  • vonRobin Klöppel
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Noch blieben viele Plätze leer. Doch die Gäste, die gekommen waren, freuten sich, dass mit der Eröffnung der Gaststätten wieder ein Stück Normalität zurückgekehrt ist.

Limburg-Weilburg -Seit Freitag dürfen auch die Gaststätten im Kreis Limburg-Weilburg nach den Corona-bedingten Schließungen wieder öffnen. Viele Inhaber sind froh darüber, da Außer-Haus-Essensverkauf während der letzten beiden Monate den Einnahmeverlust bei weitem nicht ausgleichen konnte. Auch manche Gäste freuten sich, endlich mal wieder mit dem Partner oder gleich der ganzen Familie Essen gehen zu dürfen. Trotzdem war bei vielen Stammgästen die Corona-Furcht offenbar doch noch so groß, dass die Zahl der Besucher noch lange nicht dem normalen Wochenendbetrieb entsprach. Manchen mag es sicher auch nerven, beim Betreten einer Gaststätte und beim Gang aufs Klo eine Maske tragen und bei jedem Besuch Namen und Anschrift hinterlassen zu müssen, damit Infektionsketten gegebenenfalls nachvollzogen werden können.

Filip Sundov, Inhaber der Gaststätte "Europa" in Limburg, hat nach eigenen Angaben 2000 Euro alleine in Plexiglasscheiben investiert, um Tische voneinander abzutrennen. Diese hat er dann zu VIP-Logen von Bundesligisten wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt deklariert. Sundov sagt, dass der Außer-Haus-Verkauf schlecht gelaufen sei. Das habe er im Grunde nur zur Eigenbeschäftigung gemacht, weil die Corona-Zeit ihm psychisch zugesetzt habe. 38 Personen kann er aktuell in seine Gaststätte lassen. "Sonst ist es die doppelte Zahl", berichtet der 61-jährige Kroate.

noch Angst"

Für das erste Wochenende hatte er nur 15 Tischreservierungen. "Mein Publikum ist zwischen 50 und 100. Da haben viele noch Angst", vermutet Sundov. Das gilt nicht für die langjährigen Freunde Uwe Höhler und Christoph Rahn. Sie haben sich sofort zur Wiederöffnung verabredet, weil sie die familiäre Atmosphäre im "Europa" lieben. Auch Thomas Werner aus Villmar ist am ersten Tag wieder zu Filip gekommen, weil er das gute Essen, aber vor allem die Gesellschaft vermisst habe. Hans-Peter Haefs erklärt: "Es war langweilig ohne Ausgehen mit Freunden." Aber klar, es sei noch nicht dieselbe Atmosphäre wie früher. Haefs hat aber für die Einschränkungen Verständnis, weil uns Corona noch eine ganze Zeit begleiten werde und man darum vorsichtig bleiben müsse.

Vor dem "Burgkeller" in der Altstadt sitzt der Elzer Andreas Schilling nach Feierabend bei einem Apfelwein und freut sich: "Endlich wieder normales Leben." Die Behörden könnten beruhigt sein. Die Limburger Gaststätten, hätten, soweit er es schon gesehen habe, die Vorgaben hervorragend umgesetzt. Oliver Birkhölzer, Chef im Weinhaus Schultes, erzählt, der Umsatz sei am ersten Wochenende nur ein Viertel des Üblichen gewesen. Er hoffe, die kommenden Wochen auf wenigstens 50 Prozent des Normalen zu kommen. Er weiß, dass viele Gäste selbst Einnahmeverluste hatten und das Geld bei ihnen erst einmal nicht mehr so locker wie vorher sitzen werde.

Elema Mututu, Inhaberin des italienischen Restaurants "Don Camillo", zeigt sich mit dem ersten Wochenende sehr zufrieden: "Wir haben treue Stammgäste, die sofort reserviert haben. Ich hätte sogar noch mehr Vorbestellungen annehmen können." Die Leute langweilten sich daheim und wollten wieder raus. Carlos Merz, Betreiber des Weyerer Erlebnisgastronomie "Wissegiggl", hat Holzabtrennungen für den großen Tag selbst gebaut. Er habe bei Sonnenschein zum Glück genug Fläche draußen, um die Tische weit auseinander stellen zu können. Vor allem jüngere Familien kämen schon wieder. Die älteren Kunden seien noch zurückhaltend, so Merz. Er schätzt, mit 40 bis 50 Prozent des normalen Umsatzes zu starten.

Thilo Ebel ist mit seiner Familie im "Wissegigl" und meint, dass er immer gerne unterwegs sei. Leute treffen, gutes Essen, ein frisch gezapftes Bier, das habe er vermisst. Ebel freut sich, dass sich die meisten Mitbürger an die Regeln hielten und das Leben wieder bergauf gehe. Markus und Julia Neunzerling haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, im "Wissegiggl" am 5. September ihre Hochzeit feiern zu können. Markus Neunzerling sagt, die Feier werde anders sein. Damit müsse man sich abfinden. Aber man müsse es mit Humor nehmen, und der Tag könne trotzdem schön werden. Länger mit der Feier warten wollen die beiden nicht, auch wenn sie auf die abendliche Party verzichten wollen. "Mit Alkohol beim Tanzen Abstand halten von Freunden würde schwierig", ist sich Julia Neunzerling bewusst.

Im Weinhaus Schultes sagt Tobias Flumm, dass er das Soziale vermisst habe, einfach mal mit Freuden Essen zu gehen. Es sei Zeit gewesen, dass die Restaurants wider öffnen dürften. Dass einzige, was ihn störe, sei, dass die Bedienung eine Maske trage, denn mit Maske erkenne man die für die Kommunikation wichtigen Emotionen eines Menschen nicht. "Es ist schön und fast schon wieder ungewohnt, weggehen zu können", sagt Luca Blättel. Ihm habe die letzten Wochen etwas gefehlt, gibt er zu. Das Ausgehen sei aber noch nicht so ausgelassen wie vorher und die Maskenpflicht störend. Rafael Giedrowicz hat "das ganze Leben in Limburg vermisst". Nachdem die letzten Wochen die persönliche Freiheit doch etwas gefehlt habe, "haben wir uns gefreut, heute endlich mal wieder gemütlich weggehen zu können, so Giedrowicz, der mit Frau Dajana und Sohn Louis vorm "Don Camillo" sitzt.

Auch Dragan Sovilj in Niederselters öffnete am Freitagabend gemeinsam mit seiner Frau Ela und seinem eingespielten Team das weithin bekannte "Da Luca" am Niederselterser Schwimmbad. Er ist seit Jahren ein volles Haus im "Da Luca" gewohnt, doch jetzt muss er sich mit einem Platzangebot für lediglich 22 Personen im Innern des Restaurants begnügen. Glücklicherweise verfügt er über zwei Terrassen mit insgesamt 60 Plätzen. Dragan Sovilj: "Natürlich freue ich mich mit meiner Frau Ela und unserem Team, dass es nach zweimonatiger Pause wieder los geht."

Als erster Gast nach der Zwangspause kam pünktlich zur Eröffnung Stammgast Heike Ulle aus Dauborn. "Ich komme seit vielen Jahren ins Da Luca. Während der Zwangspause habe ich mir öfter Essen nach Hause bestellt. Ein dickes Lob an Dragan. Es hat immer prima geklappt und hervorragend geschmeckt."

Dragan zeigte sich erfreut, dass er die Krise ohne Entlassungen bewältigen konnte und lediglich einige seiner acht Festangestellten in Kurzarbeit gehen mussten. Natürlich treffe es ihn auch hart, dass das angrenzende Niederselterser Freibad in diesem Sommer leider geschlossen bleibt. 

rok/hvo

In Bussen gelten im Kreis Limburg-Weilburg die Corona-Mindestabstandsregeln nicht. Dagegen regt sich bei den Eltern der betroffenen Schüler Protest.

Die Menschen kommen sogar aus dem Ruhrgebiet und Schwaben zu Ikke Hüftgold und Co. in den Kreis Limburg-Weilburg. Es ging um 500 Fässer Bier, die sonst im Müll gelandet wären.

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