CDU-Vorsitzender Armin Laschet (vorne) hat sich beim Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union gegen den CSU-Vorsitzenden Markus Söder durchgesetzt. CDU-Aktive im Nassauer Land sehen das kritisch.
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CDU-Vorsitzender Armin Laschet (vorne) hat sich beim Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union gegen den CSU-Vorsitzenden Markus Söder durchgesetzt. CDU-Aktive im Nassauer Land sehen das kritisch.

Deutliche Kritik der CDU-Basis

Enttäuschung über Laschets Kandidatur

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  • Mariam Nasiripour
  • Anken Bohnhorst-Vollmer
  • Tobias Ketter

Aktive der Union aus Limburg und Umgebung hätten Söder bevorzugt und kritisieren das Auswahlverfahren.

Limburg -Armin Laschet heißt der Kanzlerkandidat von CDU/CSU. Der im Januar zum CDU-Vorsitzenden gewählte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hat sich nach langem Machtkampf gegen den CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder durchgesetzt - auch wenn Söder meist als Liebling der Basis galt - auch im Nassauer Land. CDU-Aktive aus der Region sehen Laschets Kandidatur und auch das Verfahren kritisch.

"Die Hängepartie um die Frage der Kanzlerkandidatur der Union war sicher nicht hilfreich", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Hofmeister aus Bad Camberg, der auch Vorsitzender der CDU Limburg-Weilburg ist. "In unserer Mitgliedschaft hat die Bereitschaft von Dr. Markus Söder einen hohen Zuspruch erfahren - Gleiches gilt für mich. Die Entscheidung des CDU-Bundesvorstands ist nun so gefallen und auch vom CSU-Vorsitzenden akzeptiert. Jetzt muss schnellstens die programmatische und zukunftsfähige Aufstellung für den Bundestagswahlkampf erfolgen. Eine grün-rot-rote Mehrheit im Deutschen Bundestag gilt es zu verhindern", sagt der Abgeordnete.

Ein "Schuss

in den Ofen"

"Maximal enttäuschend", nennt der Limburger CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Christopher Dietz die Nominierung von Armin Laschet als Kanzlerkandidat der Union. Markus Söder wäre die "eindeutig bessere Wahl" gewesen. Dietz befürchtet nun ein sehr schwaches Ergebnis der CDU bei der Bundestagswahl, und sollte Laschet seine Partei in die Opposition führen, müsse er als Parteivorsitzender zurücktreten. Dabei hätte er "selbstverständlich Parteichef bleiben können", wenn er Söder als "Wahlkampflokomotive" den Vortritt gelassen hätte, um die CDU zu modernisieren und ein Programm zu erarbeiten. Stattdessen werde die Entfremdung zwischen der Basis und der Parteispitze noch viel größer. "Ich habe noch keinen einzigen Grund gehört, warum Laschet der bessere Kandidat als Söder sein soll", sagt Dietz. Er befürchtet, dass viele CDU-Wähler bei der Bundestagswahl entweder gar nicht wählen oder die Grünen unterstützen. So, wie das jetzt gelaufen sei, sei das leider nur ein "Schuss in den Ofen".

...Marcel Fink, Vorsitzender der CDU Selters, sieht die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet ebenfalls kritisch. "Ich hätte mir eher Markus Söder gewünscht, noch lieber wäre mir aber Friedrich Merz gewesen", sagt er. Die Chancen, dass Laschet tatsächlich Bundeskanzler wird, schätzt Fink gering ein. "Die Grünen haben nun wahrscheinlich die besseren Karten, um einen Kanzler zu stellen, aber bis zur Wahl im September kann noch viel passieren", so der Vorsitzende der CDU Selters. Vermutlich werde seine Partei bei der Bundestagswahl viele Stimmen verlieren. Armin Laschet sei zu weit von der Basis entfernt. Mit ihm werde sich nichts im Vergleich zur aktuellen Politik ändern. "Söder hingegen ist eher ein Mann der Tat. Er kann Dinge deutlich strukturierter und besser umsetzen", sagt Fink. Der Landwirt aus dem Ortsteil Münster wünscht sich mehr Politik "mit Sinn und Verstand". Die aktuelle Regierung sei zu weit von den Bürgern entfernt und müsse besonders während der Corona-Pandemie schneller und konsequenter handeln.

"Die Reihen

schließen"

Auch der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser hätte Markus Söder den Vorzug gegeben. "Ich hatte große Sympathien für ihn, weil er in vielerlei Hinsicht ein scharfes Profil gezeigt hat." Das hielt er für richtig und wichtig. Noch wichtiger sei allerdings, die jetzt getroffene Entscheidung mitzutragen. Auch das habe Markus Söder der Union gezeigt. Er habe mit seinem Kontrahenten diskutiert, gestritten und am Ende das Ergebnis akzeptiert, gibt Horst Kaiser die Quintessenz wieder. Und so halte er es auch: "Es führt zu nichts, das Ergebnis jetzt zu hinterfragen." Vielmehr müssten jetzt die Reihen in der Union geschlossen werden, damit CDU und CSU auch weiterhin die Zukunft des Landes mitgestalten können. Darüber hinaus habe er keinen Zweifel, dass Armin Laschet die anstehenden Herausforderungen ebenso gut meistern wird wie Markus Söder dies getan hätte.

Elisabeth Schneider, Vorsitzende der Beselicher CDU, macht keinen Hehl daraus, "dass die Basis in Beselich pro Söder gewesen ist. Er hat in der Pandemie eine gute Figur abgegeben", sagt sie. Andererseits könne Armin Laschet "die Fronten gut zusammenführen". Wichtig sei nun, dass es Laschet gelingt, ein gutes Team zu bilden, in dem beispielsweise auch Friedrich Merz eine Rolle spielt, meint Schneider. Das Verfahren der Kür des Kanzlerkandidaten sieht die Beselicher CDU-Chefin kritisch: "Man hätte diesen Machtkampf verhindern können, wenn man die Basis in die Entscheidung einbezogen hätte", sagt sie. Wichtig sei nun, dass es kein "Weiter so wie bisher" gibt. Schon die Wahl zum CDU-Vorsitz habe gezeigt, dass es in großen Teilen der CDU den Wunsch nach Veränderung gibt, so Schneider. Diesem Wunsch müsse Laschet mit seinem Team Rechnung tragen.

80 Prozent für

den CSU-Chef

Die Chancen der CDU, die Wahl um das Kanzleramt zu gewinnen, würden mit Armin Laschet gemindert, sagt Axel Fickeis, Vorsitzender der Diezer CDU-Fraktion. Bei einer Umfrage des CDU-Kreisverbands Rhein-Lahn hätten sich 80 Prozent der Mitglieder für Markus Söder ausgesprochen. Das sei auch nach Berlin gemeldet worden, so Fickeis. Aber der Bundesvorstand hätte die Entscheidung der Basis komplett ignoriert. Ähnlich sei es auch bei der Wahl von Laschet zum CDU-Vorsitzenden gelaufen. Da habe man auch den Zuspruch der Basis für Friedrich Merz ignoriert. Solch ein Verhalten des Bundesvorstands führe zu einer Spaltung der Partei, sagt Axel Fickeis.

Noch schlimmer sei aber die öffentliche Auseinandersetzung der beiden Kandidaten gewesen. "Das wird uns auf die Füße fallen", ist der Christdemokrat überzeugt. Der große Zuspruch für Söder sei auf sein konsequentes Auftreten und seine Zielstrebigkeit zurückzuführen. Laschet dagegen sei ein uneingeschränkter Merkel-Anhänger. Nach Fickeis' Auffassung müsse dieser "jetzt Profil bekommen" und versuchen alle Flügel der Partei zu einigen, "sonst wird es schwierig".

Auch der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der CDU Rhein-Lahn, Matthias Lammert, hätte sich lieber Söder gewünscht. Aber er akzeptiere die Entscheidung des Bundesvorstands. Die CDU brauche nun ein gutes Programm, um Wähler zu gewinnen. Zwar spielten Köpfe in der heutigen medialen Welt eine große Rolle, aber es gehe auch um die Inhalte einer Partei. "Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen, dann können wir unsere Chancen verbessern", sagt Lammert. "Das Rennen ist noch nicht entschieden. Aber mit Markus Söder wäre es leichter gewesen. "

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