+
Bischof Ferdinand Dirichs war vor allem bei jungen Gläubigen beliebt und setzte sich für Kriegsversehrte und bedürftige Familien ein. Kurz vor seinem Tod gründete er das St.-Georgs-Werk.

Ferdinand Dirichs

Erinnerung an das jähe Ende des "Bischofs der Hoffnung" vor 70 Jahren

Heute, am 27. Dezember, ist es 70 Jahre her, dass Bischof Ferdinand Dirichs bei einem Verkehrsunfall auf der A 3 bei Idstein tödlich verunglückte. Er war der Limburger Oberhirte, dem mit 13 Monaten oder 460 Tagen die kürzeste Amtszeit auf dem Bischofsstuhl vergönnt war.

Bischof Ferdinand Dirichs war 54 Jahre alt, als er sich am 27. Dezember 1948, heute vor genau 70 Jahren, auf der Rückfahrt von einem Besuch bei seinem Amtsbruder Albert Stohr und eines Treffens der Johannesbruderschaft in Mainz befand. Nach der Ankunft in Limburg wollte Dirichs seine Silvesterpredigt schreiben. Doch der von seinem Fahrer gesteuerte Wagen kam bei Idstein von der Autobahn ab und prallte in die Böschung.

Die Nachricht vom Ableben des Bischofs verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Lähmendes Entsetzen erfasste die Menschen. In den ersten Nachkriegsjahren war der am 21. November 1947 geweihte Bischof Dirichs ein Hoffnungsträger, der sich besonders um die Jugend kümmerte und von den Gläubigen in heute kaum noch vorstellbarer Begeisterung aufgenommen wurde. Gerade erst hatte er den größten Teil seiner mehr als 600 000 Gläubige umfassenden Diözese besucht und in zahllosen Predigten, Ansprachen und Konferenzen die Menschen ermutigt, Worte des Ausgleichs und Trostes gefunden – und dann dieses jähe Ende.

Ferdinand Dirichs wurde am 24. November 1894 in Frankfurt in die Familie eines Schneidermeisters geboren. Im November 1914 wurde er in den Kriegsdienst eingezogen und legte während eines Heimaturlaubs im Juni 1915 die Reifeprüfung ab. Genesen von schwerer Kriegsverwundung (auf Fronteinsätzen überstand er zwei Autounfälle), studierte Dirichs an der theologischen Fakultät der Universität Freiburg und wurde im Jahr 1922 als 29-Jähriger von dem Limburger Bischof Augustinus Kilian zum Priester geweiht.

Große Popularität

In seinem Nachruf heißt es: „Seine ersten 25 Priesterjahre schienen eine planmäßige, umfassende Vorbereitung zu sein für das hohe Amt, das Gott ihm zugedacht hatte.“ Als junger Mann war Dirichs zunächst Kaplan in Montabaur (1923) und an der Dreifaltigkeitskirche in Wiesbaden (1926). Als Subregens war Ferdinand Dirichs von 1931 an mit der Heranbildung des jungen Klerus im Priesterseminar befasst und erwarb sich große Popularität durch sein vielseitiges Wirken als Diözesanpräses der Jungmännervereine. Die Zahl der Jugendgruppen hatte sich dank seines Einsatzes in kurzer Zeit verdreifacht. Als diese in der zweiten Hälfte der 30er Jahre von den Nationalsozialisten aufgelöst wurden, gelang es Dirichs 1937 gegen alle Widerstände, seine Arbeit als Jugendpfarrer des Bistums und Leiter des Diözesanjugendamtes fortzuführen.

Eine riesige Menschenmenge erwartete auf dem Limburger Domplatz die Ankunft des aus der Stadtkirche kommenden Trauerzuges mit dem Leichnam des beliebten Bischofs.

Als ausgesprochener Gegner des NS-Regimes, dem der kämpferische und mutige Jugendpfarrer mit unterschiedlichen Aktivitäten entgegentrat, faszinierte und motivierte Dirichs vor allem junge Menschen. Er organisierte Zeltlager, unter anderem Treffen im Jugendheim Kirchähr und widerstand Verhören durch die Gestapo. Auch der erstmals im Jahr 1933 von Laien ins Leben gerufene Pfingstritt zur Berger Kirche mit 250 Reitern war Ausdruck seiner Gesinnung.

Als ihm 1947 die Frage gestellt wurde, ob er die Wahl zum Bischof von Limburg annehmen wolle, war er, der damals seit sechs Jahren die Pfarrseelsorge in der Rheingaugemeinde Winkel ausübte, völlig überrascht. „So schwer ihm das Ja wurde, so groß war der Jubel bei Klerus und Volk der Diözese“, so schildern es Zeitzeugen. „Ich schenke euch mein Herz“ schrieb Dirichs in seinem ersten Hirtenbrief, „Schenkt mir das eure!“ – „Und so war es“, heißt es im Nachruf weiter. Alle Fragen der Seelsorge und alles, was in seinem hohen Amte an Aufgaben an ihn herangetreten und ihm an Not und Klage begegnet sei, habe er „mit brennendem Herzen aufgegriffen, mit jugendlichem Feuer und mitreißender Tatkraft“.

Das christliche Miteinander der Konfessionen und die deutsch-französische Annäherung waren Ferdinand Dirichs, dem „Bischof der Hoffnung“, sehr wichtig. Mit dem Oberhirten von Paris, Erzbischof Suhard, knüpfte der Limburger unmittelbar nach dem Krieg Kontakte. Am Pfingstsonntag 1948 proklamierte Dirichs im Limburger Dom die „Katholische Aktion“, die eine stärkere Beteiligung der Laien am kirchlichen Leben wollte.

Georgs-Werk gegründet

„Dass sie das Leben haben“ war der Wahlspruch dieses neunten Limburger Bischofs, der zugleich päpstlicher Beauftragter für die Seelsorge der Heimatvertriebenen war. Ihnen und den durch den Weltkrieg Ausgebombten galt die besondere Fürsorge dieses sozial engagierten Bischofs, der Mut zum Aufbau machte. So schuf er in den letzten Tagen seines Lebens das St.-Georgs-Werk, das Familien schwer Kriegsbeschädigter oder mit kranken Angehörigen sowie kinderreiche Familien finanzielle Unterstützung leistete und den Bau von Wohnungen, Siedlungen und Kirchen ermöglichen sollte, um aus christlicher Verantwortung der größten Not abzuhelfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare