+
Bei einer Gedenkfeier im Oktober hatten die Veranstalter, das Bündnis Courage, dieses Bild an das Haus in der Brückengasse projiziert. Archivfoto: Koenig

Platte

Erinnerungen an einen Mord

  • schließen

Er war aus Fremdenhass ermordet worden, die Täter sitzen im Gefängnis. Jetzt soll an das Opfer, einen 55-jährigen Schwarzafrikaner, gedacht werden mit einer im Pflaster eingelassenen Platte. Sie soll in der Brückengasse vor dem Haus an den Mord erinnern, in dem der Mann gestorben war.

Im Oktober 2014 starb der 55-jährige Charles Werabe in einer städtischen Unterkunft für Obdachlose in der Altstadt. In der Notunterkunft in der Brückengasse hatte ein Bewohner den leblosen Mann gefunden. Der Notarzt konnte nur noch dessen Tod feststellen.

Zwei seiner Mörder wurden im Juni 2015 vom Landgericht Limburg verurteilt zu zwölf und zehn Jahren Haft. Der dritte Täter hatte sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen.

Das Bündnis Courage regte im Oktober 2017 an, in der Brückengasse eine Erinnerungstafel für den aus Ruanda stammenden Charles Werabe aufzustellen. Alle Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung schlossen sich dem Vorschlag des Bündnisses an, baten jedoch um Prüfung durch die Untere Denkmalschutzbehörde; das Gebäude steht als ehemalige Postverwaltung der Thurn- und Taxis-Post von 1739–1774 unter Denkmalschutz und wurde 1982/83 modernisiert.

Die Prüfung ist nun abgeschlossen. Grundsätzlich begrüßen sowohl die Denkmalschutzbehörde als auch das Landesamt für Denkmalpflege, „in geeigneter Weise“ an die Tat zu erinnern. Statt eine Gedenktafel direkt am Haus anzubringen, wird vorgeschlagen, im Pflasterbelag eine Platte einzulassen.

Nach dem Mord an Charles Werabe war relativ schnell klar, wer für die Tat infrage kommt. Der dringende Tatverdacht richtete sich gegen einen 22-jährigen Mann und zwei Männer im Alter von 43 Jahren, die auf den Obdachlosen eingeschlagen und ihn getreten haben sollen. Alle drei Männer waren der Polizei schon zuvor bekannt.

Nach den Ermittlungen der Polizei war es im Zimmer des 55-Jährigen zu einem Streit mit zwei Mitbewohnern sowie einem weiteren Mann gekommen, der in der unmittelbaren Nähe der Unterkunft wohnt. Zeugen hörten, wie die Männer ihr Opfer als „schwarzes Schwein“ und „schwarzes Arschloch“ tituliert hatten. Immer wieder schlugen die Angeklagten auf Charles Werabe ein, bis er tot war.

Die Täter waren für ihre rechtsradikale Gesinnung bekannt. Sie sollen Lieder mit rechtsradikalen Texten gehört und sich gegenseitig dabei fotografiert haben, wie sie sich den Hitlergruß zeigen. Sie hatten am Tattag Alkohol getrunken; einer von ihnen soll zur Tatzeit maximal 3,6 Promille Alkohol im Blut gehabt haben

„Verachtung und Hass hat sie zur Tat angetrieben“, warf die Vorsitzende Richterin Karin Walter in ihrer Urteilsbegründung im Juni 2015 den zum Mord verurteilten Männern vor. Diese hätten sich „von ihrem rechtsorientiertem Gedankengut“ leiten lassen. Das Gericht war davon überzeugt, dass die Angeklagten sich schon vor ihrer Tat darauf verständigt hatten, ihr Opfer wegen der Hautfarbe „aus dem Haus zu vertreiben“.

Nach Angaben der Limburger Stadtverwaltung lebte das 55-jährige Opfer erst seit zwei Wochen in der Unterkunft mit insgesamt 18 Bewohnern, die in Einzelzimmern untergebracht waren und sich Küche und Bad teilten.

Drei Jahre nach dem Mord hatte das Bündnis Courage Limburg/Diez an die fremdenfeindliche Tat erinnert und eine Gedenktafel ins Gespräch gebracht. „Charles Werabe stammte ursprünglich aus Ruanda und floh bereits im Jahr 1972 vor dem ethnischen Konflikt zwischen den Hutu und Tutsi“, sagte im Herbst 2017 Oliver Parplies vom Bündnis bei einer Gedenkveranstaltung. Leider sei noch keine geeignete Form der Erinnerung an den rassistischen Mord in Limburg gefunden worden. Deshalb sei die Idee entstanden, eine Gedenktafel für den Afrikaner zu entwerfen. Das Bündnis schlug damals eine Tafel aus farbigem Lahnmarmor vor, um den lokalen Bezug zu vermitteln.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare