Das Limburger Landgericht wies den 28-Jährigen in die Psychiatrie ein.
+
Das Limburger Landgericht wies den 28-Jährigen in die Psychiatrie ein.

Urteil des Limburger Landgerichts

"Ernstzunehmender Gefährder" muss in die Psychiatrie

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
    schließen

Sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung, 28-Jähriger ist eingeschränkt steuerungsfähig wegen einer Hirnschädigung.

Limburg -Weil er im Zustand eingeschränkter Steuerungsfähigkeit eine 30 Jahre alte Frau sexuell bedrängt und verletzt hat, wird ein heute 28-Jähriger in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Das entschied gestern die 5. Große Strafkammer des Limburger Landgerichts und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verurteilte war bereits während des Verfahrens in der Psychiatrie in Gießen untergebracht.

Ereignet hat sich die Tat, über die jetzt verhandelt wurde, im Sommer vergangenen Jahres in einer Gemeinde im Norden des Landkreises. Der Mann leidet wegen eines folgenschweren Unfalls vor rund zehn Jahren unter einer organischen Hirnschädigung, ist daher körperlich und geistig eingeschränkt und bereits berentet. An jenem Tag lud er seine Nachbarin ein, um mit ihr gemeinsam einen Joint zu rauchen.

Dass er regelmäßig Cannabis konsumierte, sei ihr bekannt gewesen, räumte sein späteres Opfer vor Gericht ein. Von seiner Gewaltbereitschaft und seiner sexuellen Triebhaftigkeit wusste sie jedoch nichts. Deshalb nahm sie die Einladung zum Rauchen in seiner Wohnung an. Dabei stellte sich bald heraus, dass der Mann nicht nur einen Joint mit der Frau teilen, sondern nach seinen eigenen Angaben auch einen "Schmatzer" haben wollte. Mehr allerdings nicht, versicherte er. Die Frau weigerte sich, der Mann wurde zudringlich, packte sie, berührte sie an der Brust sowie an und zwischen den Beinen und begann die Frau zu würgen, als diese sich weiterhin wehrte.

Opfer wird

psychologisch betreut

Dennoch konnte sie sich schließlich befreien und aus der Wohnung laufen. Der Mann setzte ihr nicht nach. Vielmehr forderte er sie beim Weggehen auf, sich das Gesicht zu waschen und die Haare zu kämmen. Die Frau, die im Prozess als Nebenklägerin ausgesagt hatte, wird seither psychologisch betreut.

Dass es zu dieser gefährlichen Körperverletzung kam, beweisen unmittelbar nach der Tat aufgenommene Fotos von Hämatomen. Der jetzt verurteilte Mann hatte allerdings vor Gericht nur zugegeben, dass die Frau bei ihm war und dass er zusätzlich zu der Marihuana-Zigarette einen Kuss wollte. Daran, dass er gewalttätig geworden ist, erinnerte er sich nicht.

Unabhängig von dieser Erinnerungslücke steht für den psychiatrischen Gutachter Dr. Ingo Baltes fest, dass der 28-Jährige ein "ernstzunehmender Gefährder mit einer lebenslangen Problematik" ist und "unbedingt" in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss. Der Gutachter ist überzeugt, dass der Mann andernfalls ähnliche Taten begehen wird. "Man weiß nur nicht, wann." Er habe eine "bleibende Hirnschädigung", die zu einer nachhaltigen Wesensveränderung geführt habe. Durch den Unfall in seiner Jugend sei der Mann "ein anderer Mensch geworden", sagte Baltes. Sobald sich seine Vorstellung nicht realisieren lasse, "rastet er aus". Der seit Jahren regelmäßige Cannabis-Konsum habe die Gewaltausbrüche nicht ausgelöst.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare