1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Limburg

Erweiterung des Offheimer Gewerbegebiets in der Warteschleife

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Dickmann

Kommentare

Die Entscheidung über die Erweiterung des Gewerbegebiets wurde noch einmal verschoben.
Die Entscheidung über die Erweiterung des Gewerbegebiets wurde noch einmal verschoben. © Stefan Dickmann

Aufstellungsbeschluss zum zweiten Bauabschnitt "Nördlich der Kapellenstraße" erfolgt frühestens am 13. Dezember.

Limburg -Das Gewerbegebiet "Nördlich der Kapellenstraße" in Offheim soll entlang der B 49 erweitert werden. Dem notwendigen Aufstellungsbeschluss für den zweiten Bauabschnitt werden die Stadtverordneten allerdings frühestens in ihrer Sitzung am Montag, 13. Dezember, zustimmen. Eine politische Mehrheit scheint es dafür seitens CDU und SPD zu geben - gegen den Willen vieler Bürger in Offheim, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, und der Grünen, die den weiteren Verlust wertvollen Ackerlands beklagen.

Der Ortsbeirat Offheim steht dem Vorhaben kritisch gegenüber und möchte vor einem eigenen, rein empfehlenden Beschluss zu diesem Thema noch einige Fragen vom Magistrat beantwortet haben. Der Bauausschuss trug diesem Wunsch Rechnung und vertagte sich auf die kommende Sitzungsrunde; die nächste Sitzung der Stadtverordneten ist bereits am Montag, 22. November.

Vertreter des Ortsbeirats Offheim hatten in ihrer jüngsten Sitzung gefordert, vor einer Entscheidung ihrerseits mitzuteilen, welche Verkehrsauswirkungen durch die Ansiedlung neuer Unternehmen zu erwarten seien.

Zwar erklärte Bürgermeister Dr. Martius Hahn (SPD) im Bauausschuss, der Fragenkatalog sei bei der Stadt ankommen. Alle offenen Fragen würde normalerweise erst nach dem Aufstellungsbeschluss im weiteren Verfahren beantwortet - auch wenn diese "völlig in Ordnung sind". In dieser Haltung unterstützte ihn Ulla Nattermann (SPD).

"Wir wollen es

vorher wissen"

"Wir wollen es vorher wissen", erwiderte der Stadtverordnete und Offheimer Ortsvorsteher Arne Piecha (CDU). Es müsse schon jetzt Antworten auf Fragen geben, die bereits beantwortet werden könnten - das gelte auch für das Verkehrsgutachten.

Das klingt sehr konfrontativ, dürfte aber nicht dazu führen, dass die CDU-Stadtfraktion die Erweiterung ablehnt. "Die CDU ist mehrheitlich für die Erschließung", sagte Manuel Barfuss (CDU) - auch wenn er persönlich vollstes Verständnis für die hoch gehenden Emotionen in Offheim habe, weil dieser Stadtteil schon lange für Gewerbeflächen herhalten müsse. Auch sein Fraktionskollege Michael Stock (CDU) erklärte, die Grundsatzentscheidung zur Erweiterung "ist schon vor vielen Jahren gefallen, das muss uns allen klar sein".

Im Ortsbeirat hatte ein Vertreter der Stadtverwaltung, Meikel Werner, darauf hingewiesen, bei der Wirtschaftsförderung gebe es schon jetzt eine Nachfrage nach 70 Hektar zusätzlicher Gewerbefläche in Limburg. Für den zweiten Bauabschnitt "Nördlich der Kapellenstraße" sei eine Fläche von 39,5 Hektar vorgesehen, von denen 6,5 Hektar für das Naherholungsgebiet wegfielen.

An der Sitzung des Bauausschusses nahmen mehrere Vertreter der Bürgerinitiative aus Offheim teil, die sich gegen die Erweiterung wehrt. Sie hatten sich vor der Sitzung mit Protestschildern am Eingang zur Clubebene der Stadthalle aufgestellt.

Ingrid Horz-Schmachtel (Grüne) kritisierte im Bauausschuss, jeden Tag würden in Deutschland neue Flächen versiegelt. Sie wollte von der Stadtverwaltung wissen, wie viele Ackerflächen in Limburg zugunsten von Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung in der Vergangenheit weggefallen seien. Der Leiter der Limburger Wirtschaftsförderung, Ulrich Aumüller, antworte, der Flächenverbrauch in den vergangenen 30 Jahren betrage für Wohnen und Gewerbe insgesamt 100 Hektar im gesamten Limburger Stadtgebiet. Davon sei allerdings nicht alles komplett verbaut. "Es gibt Baulücken von privater Hand", sagte er, "plus kleinere Vorratsflächen für Gewerbe."

Angesichts der vielfach geäußerten Kritik am Wegfall von Acker- und Wiesenflächen müsse zudem festgehalten werden, dass "Wohnbauflächen immer durchgrünt sind", sagte Aumüller, weil Gärten angelegt würden. Bürgermeister Hahn ergänzte, trotz der Erweiterung der Gewerbeflächen in Offheim werde dort eine "großzügige Begrünung fortgesetzt", gemeint ist damit das am Sportplatz geplante Naherholungsgebiet als Ausgleich für die vielen Gewerbeflächen.

Und was ist nun mit dem Wahlversprechen des Bürgermeisters, die Erweiterung des Gewerbegebiets in Offheim kleiner ausfallen zu lassen? Hahn (SPD) hatte im März dieser Zeitung gesagt: "Es ist für mich absolut akzeptabel, das vorgesehene Erweiterungsgebiet nicht komplett zu entwickeln und zwischen dem neu anzusiedelnden Gewerbe und dem geplanten Naherholungsgebiet mehr Abstand zu lassen als dies bislang vorgesehen ist."

Das klingt heute anders. "An eine Verkleinerung des Gewerbegebietes ist von meiner Seite nicht gedacht", ließ Hahn gestern auf Anfrage schriftlich mitteilen. "Wir benötigen die Fläche für die Weiterentwicklung von Betrieben, zum anderen aber auch, um mit der hohen Qualität des bereits realisierten Gewerbegebietes fortzufahren." Kleiner könnte der zweite Bauabschnitt trotzdem ausfallen, falls Flächen für die Entwässerung benötigt werden in Form weiterer Regenrückhaltebecken - auch mit Blick auf Starkregenereignisse. Aufgrund der bislang eingeplante Größe des zweiten Bauabschnitts "haben wir die Möglichkeit, dies auch umzusetzen", erklärt Hahn.

Der Bürgermeister wundert sich nach eigenen Angaben über den "Zeitpunkt der Kritik": "Seit einem Bürgermeister Josef Kohlmaier sieht der Flächennutzungsplan der Stadt dort eine gewerbliche Fläche vor", teilt Hahn mit, "die Ausweisung zu einem Gewerbegebiet und dessen Umsetzung ist auf den Weg gebracht worden, ohne dass sich dort Widerstand regte. Und nun? Wir legen eine hohe Messlatte an, um dort Ausgleich zu schaffen und Auswirkungen durch die gewerblichen Ansiedlungen möglichst gering zu halten."

44 Hektar zusätzliche

Gewerbefläche für Limburg

Die Stadt Limburg braucht neue Gewerbeflächen und hatte deshalb vor der Aufstellung des neuen Regionalplans 75 Hektar beim Regierungspräsidium (RP) in Gießen für zusätzliche Flächen angemeldet - genehmigt bekommt die Stadt wohl nur 44 Hektar. So steht es zumindest im Entwurf zum Regionalplan, der von Januar bis März offen gelegt wird. In dieser Zeit kann es zwar noch Änderungen geben, aber im Kern dürfte es bei dieser Größenordnung bleiben. Der Plan könnte im Laufe des Jahres 2023 verbindlich werden und wäre zehn Jahre lang gültig. Um Ausweichmöglichkeiten zu haben, gibt es im Regionalplan-Entwurf zwar insgesamt circa 53 Hektar Vorranggebiete für Industrie und Gewerbe, wie auf Anfrage der stellvertretende Sprecher des RP Gießen, Thorsten Hass, mitteilt, aber maximal genutzt werden dürften nur 44 Hektar. Und wo werden die neuen Flächen im Stadtgebiet ausgewiesen? Laut Haas verteilen sie sich auf insgesamt vier Standorte: im Osten von Offheim, also der zweite Bauabschnitt "Nördlich der Kapellenstraße", im ICE-Gebiet (eine Fläche zwischen B 8 und Autobahn), im Osten von Eschhofen (zusätzliche Flächen im Gewerbegebiet an der Stadtgrenze zu Ennerich) sowie im Süden der Kernstadt (eine Fläche zwischen der Straße "Im großen Rohr" und der Grenze zu Rheinland-Pfalz).

Auch interessant

Kommentare