Umweltschutzbeauftragte Kathrin Bieniek

Erzählungen von Klimawandel

Ist das Klima noch zu retten? Derzeit diskutieren Vertreter aus aller Welt in Bonn auf der Klimakonferenz. Auch Limburgs Klimaschutzbeauftragte Kathrin Bieniek weilt unter den Gästen. Sie erzählt von ihren Eindrücken der internationalen Gesprächsrunden und welche Ideen andere Städte entwickelt haben, um der Umwelt entgegen zu kommen.

Noch bis morgen findet in Bonn die 23. Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Im Mittelpunkt steht die ganz große Weltpolitik und allen voran die Frage, wie die Klimaschutzziele von Paris umgesetzt werden können. Zwar ist Deutschland Gastgeber der Konferenz, den Vorsitz hat jedoch die Republik Fidschi übernommen. Denn während deutsche Städte wie Limburg, den Klimawandel noch in Debatten über Abgaswerte thematisieren können, geht es auf den Fidschi-Inseln längst ums Überleben. Bewohner aus 45 Küstendörfern mussten dort bereits umsiedeln, da das Wasser unaufhörlich näher rückt.

Auch die Stadt Limburg ist als langjähriges Mitglied des Klimabündnisses europäischer Kommunen bei der Konferenz vertreten. Kathrin Bieniek, im Rathaus zuständig für Klimaschutz und Energieeinsparung, gehört zu den rund 25 000 Teilnehmern, die in Gesprächen und Meetings Themen Rund um den Klimawandeln erörtern.

Die Erderwärmung verlangsamen, den CO2-Ausstoß verringern, das sind klar benannte Ziele. Aber wie sie erreicht werden sollen und was konkret zu tun ist, das wird rege diskutiert. Schnell in den Mittelpunkt gerate dabei das Thema Verkehr, berichtet Bieniek. An dem weltweiten CO2-Ausstoß sei dieser zu fast einem Viertel beteiligt.

Kölner Ideen

Auch in Limburg ist der Verkehr und die von ihm ausgehende oder verursachte Luftbelastung ein zentrales Thema. „Verkehr ist sehr präsent“, berichtet Kathrin Bieniek aus Bonn. In diesem Zusammenhang würden in Bonn aktuell häufig Schlagworte wie Smart City und Digitalisierung fallen. Dabei ginge es insbesondere um die forcierte Entwicklung, mit Hilfe von modernen Technologien die Städte effizienter, grüner und im Sozialbereich inklusiver zu gestalten – beispielsweise durch eine Mobilitäts-App für den ÖPNV.

„Das kann dann auch zu sehr konkreten Ergebnissen führen,“ berichtet Bieniek . Andreas Wolter, Bürgermeister von Köln mit dem Schwerpunkt Verkehr, habe so etwa in einer Gesprächsrunde angekündigt, dass Köln in den nächsten Jahren konsequent die Straßenrandparkplätze zurückbauen werde und Parken nur noch in Parkhäusern oder auf privaten Flächen erlaubt werden soll. Köln habe erkannt: Weniger motorisierter Verkehr ist besser, zudem gäbe es dann mehr Platz für Fahrradwege. Zusätzlich würden Jobtickets und Monatskarten mit Car- und Bikesharing-Systemen verbunden.

Auf der Klimakonferenz kamen Bewohner der Erde miteinander ins Gespräch kommen, die sich aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern nach Bonn begeben haben. Und Kathrin Bieniek war mittendrin. Dabei nahm sie auch an einer Gesprächsrunde mit der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) teil. Diese habe sich in einem Runden-Tisch-Gespräch davon überrascht gezeigt, dass es bei den Verhandlungen, um eine neue Regierungskoalition, auch darum gehe, sich von Klimazielen wie der Klimaneutralität bis 2050 zu verabschieden, berichtet Kathrin Bieniek.

Das Leiden der Inseln

Hendricks, die einer neuen Regierung nicht angehören wird, habe dazu betont, wie nötig es sein, noch einmal darzulegen, wie dringend die Klimaziele eingehalten werden müssten. Ebenso habe die Bundesministerin gefordert, die Umweltbildung müsse stärker in die Schulbildung eingebunden werden, plaudert Bieniek aus dem Nähkästchen.

Eindruck hinterließen bei der Limburger Konferenzteilnehmerin auch die Erzählungen aus weit entfernten Ländern, wie den Marshall-Inseln. Deren Präsidentin Hilda Heine berichtete in einer Gesprächsrunde von den Problemen der sehr flachen Inseln. Das steigende Meerwasser lasse dort das Trinkwasser knapp werden, weil es durch Salzwasser verunreinigt werde. Es gebe große Bemühungen, Abwasser zu reinigen und Pflanzen zu setzen, die Salzwasser vertragen, gibt Bienik wieder.

In der selben Gesprächsrunde habe auch die Schülerin Niusha Khalafi ihre Wünsche geäußert. Umweltbildung müsse gestärkt werden und auch die Lernpläne sollten einen stärkeren Fokus darauf legen. Ihre Generation müsse, so die Schülerin, müsse es ausbaden, wenn die Ziele zum Schutz des Klimas nicht erreicht werden. Es sei ein weit verbreiteter Irrglaube, wonach durch Klimaschutz Arbeitsplätze gefährdet würden. Wenn es nur nach dem Motto gehe, „Wir machen weiter wie bisher“, dann würden die Lebensgrundlagen zerstört – und dann gebe es keine Arbeitsplätze mehr, die es zu erhalten gelte.

(red)

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