Der Eingang zum Landgericht in Limburg.
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Der Eingang zum Landgericht in Limburg. (Symbolbild)

Prozess am Limburger Landgericht

Eskalation nach Gurkenmahlzeit: Versuchter Totschlag?

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Erst erntete er eine Gurke, dann attackierte er einen Ex-Angestellten – mit demselben Messer. Dafür muss sich der Täter jetzt vor Gericht in Limburg verantworten.

Limburg -Was sich am 20. Juli vergangenen Jahres auf dem Europaplatz in Limburg zutrug, ist weitgehend bekannt und unstrittig. Geklärt werden müssen die Umstände, die dazu führten, dass ein heute 36-jähriger Mann aus dem Rhein-Lahn-Kreis an jenem Tag mit einem Springmesser mehrmals auf einen seiner Mitarbeiter einstach.

Das 40 Jahre alte Opfer erlitt Stichwunden am Oberschenkel, im Brustbereich und am Hals und hätte ohne schnelle Rettungsmaßnahmen und eine folgende Operation verbluten können, berichtete der Gießener Rechtsmediziner Dr. Gerhard Kernbach-Wighton am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Limburg. Versuchter Totschlag lautet der Vorwurf gegen den 36-jährigen Angeklagten.

Brutale Messerattacke in Limburg: Eskalation mit Vorgeschichte

Der äußerte sich am gestrigen Prozesstag erstmals selbst zu der Tat, ließ allerdings zunächst den psychiatrischen Gutachter Dr. Bernd Gallhofer seine Darstellung des Tathergangs vortragen. Danach habe sich der Angeklagte bereits vor dem Treffen am Europaplatz von seinem späteren Opfer bedroht gefühlt.

Grund für diese erste Eskalationsstufe sei gewesen, dass der Angeklagte seinen Mitarbeiter einige Tage zuvor entlassen hatte. Der Mitarbeiter, der in einer Baukolonne des Angeklagten beschäftigt war, habe es immer wieder versäumt, seine Arbeitspapiere vorzulegen. Das habe den Angeklagten verärgert und enttäuscht. Er habe dem Mitarbeiter nicht mehr vertraut und ihm deshalb gekündigt. Unmissverständlich, nach seiner Einschätzung. "Die Sache war zu Ende." Um den Mitarbeiter zufriedenzustellen und um das Arbeitsverhältnis endgültig zu beenden, habe er dem 40-Jährigen bei dem Treffen in der Innenstadt von Limburg 500 Euro anbieten wollen. So beschreibt der Angeklagte die Ausgangssituation.

Attacke in Limburg: Auf den Handschlag folgten Fausthiebe

Tatsächlich habe man sich auf dem Platz auch per Handschlag begrüßt. Dann aber habe sein Kontrahent sofort begonnen, ihn zu beschimpfen. In dieser zweiten Eskalationsstufe habe das spätere Opfer dem Angeklagten einen Kaffeebecher aus der Hand geschlagen und ihm Ohrfeigen und Faustschläge verpasst. Als er dann an seine Hosentasche gegriffen habe, sei er in Panik geraten, sagte der Angeklagte, weil er eine Waffe befürchtete.

Zudem habe sich das spätere Opfer immerzu umgeblickt, weshalb der Angeklagte glaubte, der andere habe Verstärkung dabei. Jedenfalls griff der mutmaßliche Täter dann seinerseits in seine Hosentasche und beförderte eine eigene Waffe heraus, ein Springmesser mit einer 10,5 Zentimeter langen Klinge, und stach zu. Das Messer trage er ständig mit sich herum, gab er vor Gericht an. Kurz vor der Tat habe er damit im heimischen Gemüsegarten eine Gurke geerntet und geschält.

Panikrausch nach Attacke mit Messer: Angeklakter rauchte eine, bevor er sich stellte

Dass sein Gegenüber auf dem Europaplatz in Limburg unbewaffnet war, habe er in seinem Panikrausch nicht bemerkt. Erst das aus den stark blutenden Wunden spritzende Blut "hat mich aufgeweckt", sagte er. Allerdings habe der Anblick der Verletzungen auch eine weitere Panikwelle in ihm ausgelöst, weshalb er geflohen sei.

Auf seiner Flucht in Richtung Diez habe er seine Familie angerufen und erklärt, niemand solle die Tür öffnen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er habe Angst um seine Frau und Kinder gehabt. Er selbst habe aber nicht nach Hause fahren wollen, weil seine Kinder nicht erleben sollten, wie ihr Vater von der Polizei in Handschellen abgeführt werde. Anschließend sei er zu einer Tankstelle gefahren, habe geraucht und sich dann der Polizei gestellt. (Anken Bohnhorst-Vollmer)

Ob eine „Stadtpolizei“, wie sie aktuell in Limburg vor der Bürgermeisterwahl diskutiert wird, die Tat verhindert hätte, bleibt offen.

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