Defrage wirbt in Limburg

Estnische Rockmusiker als CD-Verkäufer

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Wenn sich Bands bekannt machen wollen, gehen sie auf Tour und verkaufen nach ihren Konzerten CDs und T-Shirts. Es geht aber auch anders: Die Mitglieder der estnischen Rockband „Defrage“ warben gestern in der Fußgägerzone persönlich um neue Fans.

„Do you speak English?“ Diese Frage nach den englischen Sprachkenntnissen war gestern in der Fußgängerzone sehr oft zu hören. Denn Mitglieder und Unterstützer der Rockband „Defrage“ aus der estnischen Hafenstadt Pärnu verkauften dort die CDs ihrer Band. Das geschah nicht an einem festen Stand, vielmehr sprach das sechsköpfige Team die Menschen direkt an.

„Die Menschen in Limburg sind freundlich“, fasst Lisette Köster (19) ihre Erfahrungen in der Domstadt zusammen. Denn manchmal fallen die Reaktionen der Passanten weniger gnädig aus. „Wir machen alles selber, haben keine Sponsoren oder Plattenlabel“, sagt sie. Schließlich habe die Produktion des jüngsten Albums 13 000 Euro gekostet. Drei Städte würden pro Tag angefahren. Jeder aus dem Team solle sechs CDs verkaufen, dann gehe es in die nächste Stadt. Noch am Abend wollte die Gruppe in Köln sein.

Seit rund fünf Monaten ist die ehemalige Gymnasiastin Köster Mitglied im Vermarktungsteam der Rockband. Auf die Musiker aufmerksam geworden, ist sie durch ihre beste Freundin. Rock und Metal habe sie vorher weniger gehört, erzählt sie. Musikalisch war sie stattdessen als Solistin im Kirchen- und im Schulchor aktiv.

Statt zu studieren, ist sie nun monatelang in ganz Europa unterwegs. Die Niederlande, Schweiz, Polen und Kroatien hat die junge Estin bereits kennengelernt, noch diese Woche wird der Deutschlandaufenthalt zu Ende gehen. Die nächste Station der Band ist Spanien. Die Band und ihre Unterstützer reisen in zwei kleinen Tourbussen und übernachten in Jugendherbergen oder Hostels.

An Estland vermisst Lisette Köster neben der Familie das Essen. Dennoch sei sie fest entschlossen, die nächsten zwei Jahre als Promoterin unterwegs zu sein. „Wir wollen es schaffen“, sagt die junge Frau. Ein Ziel, das ihre Eltern offenbar unterstützen. „Geh, solange du jung bist“, lautet ihr Rat. Eine Meinung, die offenbar viele junge Esten teilen: Australien, Finnland und Großbritannien seien beliebte Auswandererziele.

Musikalisch und organisatorisch ist die Band gerade im Umbruch, erzählen Sänger und Produzent Kari Lindemann und Manager Alo Puusepp. Demnächst wollen sich die Musiker in „Illumenium“ umbenennen. Auch ein neues Album wurde bereits unter dem Namen eingespielt.

Auslöser für den Wechsel sei der Weggang des bisherigen Sängers gewesen, der stattdessen Polizeioffizier werden will. Offenbar soll die Musik der noch jungen Band populärer werden. Statt harten Metal soll es Rock geben, der sich an berühmten Bands wie AC/DC oder Led Zeppelin orientiert. Wahrscheinlich Anfang Mai soll es dann wieder zurück nach Deutschland gehen. Geplant sind Konzerte in Frankfurt, Koblenz und Köln. Und vielleicht gibt es ja auch mal Gelegenheit für einen Auftritt in Limburg.

(koe)

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