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Thomas Hellner mit einer Boa Constrictor.

Ehepaar kümmert sich um Pflegetiere

Exotische Tierliebe

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Exotische Tiere wie Schlangen, Spinnen oder Leguane sind als Haustiere nicht leicht artgerecht zu halten und führen schnell zur Überforderung der Halter. Dann landen sie oft beim Ehepaar Gambel-Hellner, das sich als Pflegestelle des Tierheims Limburg um deren Wohl und die Weitervermittlung kümmert.

Möhre statt Maus. So sah der Speiselan der Königspython aus, die entgegen ihre natürlichen Bedürfnisse bei einer älteren Dame im Schlafzimmer lebte. Die Besitzerin wunderte sich, warum die Schlange, ein reiner Fleischfresser, keinen Appetit hatte, berichtet Anja Gambel-Hellner über den Grund, warum die Schlange zu ihr kam.

Unwissenheit, die oft nicht böse gemeint ist, aber den Tieren großes Leid zufügen kann, erklärt, warum viele exotische Tiere nicht lange bei ihren Besitzer leben. Aus dieser Unwissenheit und der daraus resultierenden Verantwortungslosigkeit landen viele Tiere beim Ehepaar Gambel-Hellner, obwohl es mittlerweile verschärfte Gesetze zur Anschaffung und zu den Haltungsbedingungen gibt.

„Die Menschen sollten sich besser informieren“, mahnt Thomas Hellner. Dann wüssten sie auch, dass die niedliche kleine Schlange keine 30 Zentimeter klein bleibt, sondern, je nach Rasse, auf mehrere Meter anwachsen kann. Und weil einige das nicht wussten, ist auch im Schlangenzimmer der Pflegestelle einiges los: Als Geburtstagsgeschenk einst übergeben und nun als Gast bei Familie Gambel-Hellner liegt die Schlange im Terrarium und räkelt sich vor der Wärmelampe. Ihre Mitbewohnerin, die anmutig wirkende Boa Lilo mit ihren beeindruckenden Maßen von 2,6 Metern Länge, wurde bei einem Feuerwehreinsatz geborgen: Sie kroch einem Pärchen in den Lahnwiesen über die Picknickdecke, was einen Einsatz von Feuerwehr und Polizei auslöste.

Einfach aussetzen, bringt nichts, warnt das Ehepaar. Vorher informieren ist besser. Wenn es dafür schon zu spät ist, die Hilfe von Experten annehmen, sich kundig machen und im Notfall Kontakt mit Pflegestellen oder Zoos aufnehmen. In Niederselters bei Familie Gambel-Hellner geht es den Tieren gut: Sie werden aufgepäppelt, ihre Wunden versorgt und für die Vermittlung in gute Hände vorbereitet. Das Ehepaar versucht, den Tieren wieder ihr artgerechtes Umfeld zu bieten.

Weil das Ehepaar, die in Kooperation mit dem Tierschutzverein Limburg als Pflegestelle für Exoten agiert, sich mit den Tieren auskennt und will, dass es ihren Schützlingen gut geht, kommen sie gerne ihren Bedürfnissen nach: So sind beispielsweise Wärmelampen mit Zeitschaltuhren in den Terrarien angebracht und das neue Zuhause auf Zeit mit dicken Ästen, je nach Tier mit Wasserbecken, Höhlen als Rückzugsort und Steinen ausgestattet.

Doch die Vorgeschichte der Pflegetiere lässt sie nach wie vor den Kopf schütteln. „Wir erleben die kuriosesten Sachen“, sagt Thomas Hellner. Mal ist es die Feuerwehr, mal die Polizei oder Privatpersonen, die bei ihnen anrufen oder den Kontakt über das Limburger Tierheim zu ihnen suchen. Dann haben die Tiere meist schon eine Odyssee hinter sich.

Auch Adelheid Noble ist über die Hintergrundgeschichten der Tiere immer wieder schockiert: „Ich bin sprachlos, wie unvernünftig manche Menschen sind.“ Viele Menschen würden unüberlegt handeln, sich zum Leidwesen der Tiere vorher nicht mit deren Ansprüchen beschäftigen. Es sei nicht nur ausreichendes Fachwissen nötig, um die Tiere artgerecht zu halten, sondern auch finanzielle Mittel und Zeit, sagt sie.

„Ich sehe ein großes Problem auf uns zukommen“, befürchtet sie. Es gebe eine große Zahl an exotischen Tieren, die abgegeben werden und deren Weitervermittlung nicht leicht sei. Sie kritisiert auch, dass es in Fachgeschäften zu einfach sei, an die verschiedenen Tiere zu kommen. Auch Reptilienbörsen sieht sie kritisch.

Aktuell wohnen bei Familie Gambel-Hellner 39 Schlangen, von der kleinen Kornnatter bis zur Tigerpython, 18 Echsen, zwei Spinnen und ein Skorpion.

Wer die ehrenamtliche Arbeit unterstützen und den geschundenen Tieren eine neue Zukunft in artgerechter Haltung ermöglichen möchte, kann über das Tierheim Limburg spenden.

Weitere Infos gibt es dazu im Internet unter .

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