Verkehr

An der A3 fehlen Lkw-Parkplätze – doch (fast) niemand will Raststätten

  • schließen

Im Frühjahr 2019 soll eine Vorentscheidung fallen, wo an der A3 in Richtung Köln neue Lkw-Stellflächen geschaffen werden können. Der geplante Standort einer neuen Rastanlage auf Elzer Gemarkung Richtung Frankfurt entwickelt sich unterdessen zu einer Hängepartie.

Das Elend lässt sich jeden Abend beobachten: Lkw-Fahrer suchen an den Autobahnen verzweifelt einen Parkplatz. Diese Not ist auch auf der Rastanlage Limburg-Ost groß. Allein auf der A 3 zwischen Wiesbadener Kreuz und der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz fehlen 250 Lkw-Stellplätze, damit die Lkw-Fahrer ihre gesetzlichen Ruhezeiten einhalten können.

Die Autobahnraststätte Limburg-Ost bietet nicht nur zu wenig Platz für Lkw-Fahrer, sie muss auch dringend modernisiert werden. Derzeit prüft die DEGES in Berlin mögliche alternative Standorte im Landkreis Limburg-Weilburg, weil die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil mit den Planungen mangels Personal überfordert ist.

„Nach aktuellem Kenntnisstand streben wir an, die Untersuchung im Frühjahr 2019 abzuschließen“, teilte ein DEGES-Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung mit. Vier Standorte würden derzeit auf ihre Eignung geprüft: die bestehende Anlage Limburg-Ost (und dabei vor allem, ob zusätzliche Flächen erworben werden können), ein Grundstück in Höhe des Limburger ICE-Gebiets (zwischen der B 8 und der A 3), eine unbewirtschaftete Rastanlage mit Parkplätzen und WC auf Brechener und Hünfeldener Gemarkung sowie eine Erweiterung der Raststätte Bad Camberg.

Widerstand aus Limburg

Sicher ist: Gegen einen Standort direkt vor dem ICE-Gebiet würde die Stadt Limburg klagen, weil sie durch eine Rastanlage das Gewerbegebiet am ICE-Bahnhof entwertet sieht und Lindenholzhausen (schon durch die B 8 geplagt) nicht zusätzlich belasten will. Die Gemeindevertreter von Brechen und Hünfelden wiederum haben sich bereits gegen Lkw-Stellflächen auf ihrer Gemarkung ausgesprochen.

Die spannende Frage ist, ob eine Vergrößerung der Autobahnraststätten Limburg-Ost (die bislang in Aussicht gestellten zusätzlichen Flächen reichen allein offenbar noch nicht aus) und Bad Camberg den fehlenden Bedarf an Lkw-Stellflächen abdecken. Das würde zumindest das Verfahren deutlich beschleunigen, weil die bestehenden Standorte unstrittig sind.

Wann die frühere Rastanlage Limburg-West (die wegen des Neubaus der Limburger Autobahnbrücke weichen musste) in Fahrtrichtung Frankfurt ersetzt wird, steht dagegen noch immer nicht fest, obwohl hier die Standortfrage schon seit 2012 geklärt ist: Sie soll auf Elzer Gemarkung auf einem ehemaligen Bundeswehrdepot entstehen.

Kaiser: „Ich bin frustriert“

Das Problem aus Sicht des Bundes und der Gemeinde Elz, die die Ansiedlung der Rastanlage befürwortet: „Görgeshausen sträubt sich dagegen mit Händen und Füßen“, sagt der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU). „Ich bin absolut frustriert, da ist kompletter Stillstand eingetreten.“

Die Nachbargemeinde wehre sich mit Argumenten, wie zum Beispiel zu viel Lärm, „die ich nicht nachvollziehen kann“, sagt Kaiser. Letzten Endes sei eine Raststätte doch nur ein Parkplatz für Lkw, die dort ein- und ausfahren, an einer Autobahn, die viel mehr Lärm produziere. Außerdem ist nach Kaisers Angaben die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil bereit, die Lärmschutzwand an der A 3 zugunsten von Görgeshausen zu verlängern und freiwillig einen Sichtschutzwall an der Rastanlage zu errichten.

Görgeshausen hat ein Mitspracherecht, weil die Einfahrt zur A 3 an einer Raststätte „Elzer Berg“ auf ihrer Gemarkung liegt, deshalb kann die rheinland-pfälzische Gemeinde diesen Standort blockieren.

„Es gibt deutlich bessere Plätze für eine Autobahnraststätte“, sagt der Ortsbürgermeister von Görgeshausen, Jürgen Kindler (parteilos). Wenn den Limburgern der Abstand einer Raststätte in Höhe des ICE-Gebiets mit 2,5 Kilometern Entfernung zu nahe an Lindenholzhausen liege, gelte das für Görgeshausen mit seinen 900 Einwohnern allemal, da eine Raststätte am Elzer Berg nur 250 Meter entfernt wäre. In der ablehnenden Haltung sei sich Görgeshausen mit der Verbandsgemeinde Montabaur und Rheinland-Pfalz einig. Die Autobahn und die ICE-Trasse seien schon laut genug.

Sorge wegen Prostitution

Kindler spricht ein weiteres Problem an: Die Bürger in Görgeshausen befürchteten eine Zunahme der Prostitution durch eine Raststätte am Elzer Berg. „Was machen Lkw-Fahrer am Wochenende, wenn sie nicht fahren?“ Görgeshausen habe es nur durch eine Sperrbezirksverordnung geschafft, die Prostituierten am Ortseingang zu vertreiben. Die seien doch erst aufgetaucht, als bekannt geworden sei, dass in unmittelbarer Nähe eine Autobahnraststätte entstehen soll.

Der Elzer Bürgermeister setzt derweil auf den Länderfinanzausgleich. Was auf den ersten Blick merkwürdig klingt, macht auf den zweiten Blick Sinn: Bei der Neuordnung des Länderfinanzausgleichs habe der Bund den Ländern mehr Geld zugesagt, erklärt er, und erwarte dafür im Gegenzug einen besseren Zugriff auf Flächen direkt an den Autobahnen. Seiner Kenntnis nach gelte diese neue Regelung vom Jahr 2021 an. Spätestens dann lasse sich die Rastanlage auf Elzer Gemarkung nicht mehr blockieren. Und die Vorteile, die Hessen Mobil derzeit der Gemeinde Görgeshausen noch anbiete (längere Lärmschutzwand und ein Sichtschutzwall), gibt es dann nach Kaisers Angaben nicht mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare