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Am 19. Januar 1919 stehen Frauen in einer Schlange vor einem Wahllokal. 82 Prozent der Frauen gingen damals an die Urnen und 37 weibliche Abgeordnete erhielten ein Mandat, ein Anteil von neun Prozent.

Wahlrecht

Als Frauen in Deutschland erstmals wählen durften

Am 19. Januar 1919, morgen vor 100 Jahren, durften Frauen erstmals in Deutschland wählen. Frauen aus dem Kreis hoffen aber auf noch mehr Gleichberechtigung.

Das Frauenwahlrecht in Deutschland feiert 100. Geburtstag. Die staatsbürgerliche Gleichstellung wurde den Frauen nicht geschenkt. Über Generationen hinweg musste das Frauenwahlrecht dem Patriarchat abgerungen werden. 1918, in der Weimarer Republik, bekamen Frauen endlich das gesetzlich verankerte Wahlrecht. Am 19. Januar 1919 durften Frauen erstmals in Deutschland bei der Wahl zur deutschen Nationalversammlung abstimmen und gewählt werden.

Viele Themen von damals sind bis in die Gegenwart hinein aktuell, wie etwa berufliche Bildung, Berufswahl, Erwerbstätigkeit, Lohnungleichheit oder die gleichzeitige Zuständigkeit für Kinder, Familie und Haushalt, sagt die Frauenbeauftragte des Landkreises Limburg-Weilburg, Ute Jungmann-Hauff.

Blick nach vorn

Große Jubiläen sind dazu da, an Erfolge zu erinnern und gleichzeitig den Blick nicht nur zurück zu richten, sondern auch nach vorne, sagt die Kreisvorsitzende der Frauen Union Limburg-Weilburg Christine Zips. Deshalb erinnert der Kreisvorstand der Frauen Union Limburg-Weilburg auch an weitere wichtige Stationen der Entwicklung des Frauenwahlrechts. 1949 wurde im Grundgesetz verankert, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Aber erst 1977 wurde die sogenannte Hausfrauenehe als gesetzliches Leitbild der Bundesrepublik aufgegeben. Erst seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar.

„Wir verdanken es dem Mut und dem Nachdruck unserer Vorkämpferinnen, dass die Frauen heute nicht nur wählen und gewählt werden dürfen, sondern auch in wichtigen Positionen vorzufinden sind: Bundeskanzlerin, Ministerin, Richterin“, sagt Christine Zips.

Rückblick mit Stolz

Die Frauen Union fordert weitere Schritte (von links): Christine Zips, Gislinde Hohlwein, Inge Drossard-Gintner, Srita Heide, Gabriele Kramp, Birgit Schwenk, Rosemarie Bock, Birgit Eisenbach, Elke Baccari, Marianne Ax-Vorndran, Gisela Heckelmann, Karin Völpel, Hilde Kral, Barbara Lindner.

„Wir nehmen diesen Tag zum Anlass um mit Stolz darauf zurückzublicken, was wir Frauen erreicht haben. In den letzten 100 Jahren haben es Frauen geschafft, sich von der absoluten Bevormundung und Abhängigkeit durch Männer zu befreien und unabhängig, selbstbestimmt und selbstbewusst ihr Leben zu leben, gesellschaftliche Akzente zu setzen und aktiv am politischen Geschehen mitzuwirken.“

Es sei aber noch viel zu tun. Die CDU Frauen wiederholen ihre Ziele und erwarten die erforderliche Unterstützung in der Partei. Eine angemessene Teilhabe, die Parität bei der Besetzung von Schlüsselpositionen, bei der Aufstellung von Listen, Ämtern und Mandaten. „Wir haben viele hochqualifizierte, engagierte Frauen, wir müssen es schaffen, sie angemessen einzubinden“, so Zips. „100 Jahre – endlich gleiche Rechte!“, sei daher nicht nur Erinnerung, sondern auch aktuelle Forderung, so die Kreisvorsitzende der Frauen Union Limburg-Weilburg.

Heute nehmen Frauen in Deutschland selbstverständlich am öffentlichen politischen Leben teil. „Heute diskutieren wir weniger über Frauen als Wählerinnen als über Frauen als Repräsentantinnen und Entscheiderinnen in den Parlamenten“, sagt Zips und kritisiert, dass der Frauenanteil im Bundestag nach der Wahl 2017 erheblich zurückgefallen ist, er liegt aktuell bei 31 Prozent.

Die Unterschiede zeigen sich in verschiedenen Lebensbereichen, zum Beispiel im Erwerbsleben, in der Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit und im Alter bei der Rente, ergänzt Ute Jungmann-Hauff. „Gerade im Hinblick auf die Gleichberechtigung der Frauen in Beruf und öffentlichem Leben klaffen gesetzlicher Anspruch und Wirklichkeit auseinander.“

Trotzdem, die Kreisvorsitzende der Frauen Union ist sich sicher: „Kaum eine Errungenschaft der Frauenbewegung veränderte das Leben aller Frauen so nachhaltig wie die gesetzliche Verankerung des Frauenwahlrechtes.“

(red)

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