Die Bürgermeister-Kandidatin der Grünen, Birgit Geis, steht vor dem Ritter-Hattstein-Brunnen auf der Plötze in der Limburger Altstadt.
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Die Bürgermeister-Kandidatin der Grünen, Birgit Geis, steht vor dem Ritter-Hattstein-Brunnen auf der Plötze in der Limburger Altstadt.

Wahl am 14. März

"Frauen können Politik genau so gut wie Männer"

  • Stefan Dickmann
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Birgit Geis will die erste Bürgermeisterin von Limburg werden.

Limburg -Noch nie war eine Frau Bürgermeisterin in Limburg - Birgit Geis ist erst die zweite Frau überhaupt, die in der Domstadt für dieses Amt kandidiert, seitdem die Limburger ihren Bürgermeister direkt wählen können, was sie seit 1997 dürfen. Es sei an der Zeit, dass in Limburg eine Frau Bürgermeisterin wird, sagt die 64-Jährige aus Dietkirchen, die für die Grünen antritt.

"Frauen können Politik genau so gut wie Männer, aber sie sind dort leider noch immer unterrepräsentiert", sagt Birgit Geis. "Ich setze mich dafür ein, dass Frauen auch in der Politik die gleichen Chancen bekommen wie Männer. Doch davon sind wir - trotz aller Fortschritte - noch weit entfernt." Als bekannt geworden sei, "dass ich als Bürgermeister-Kandidatin für die Grünen antrete, bin ich von vielen Frauen und Männern angesprochen worden, die mir gesagt haben, ich sei aber mutig. Zu einem Mann würde so etwas niemand sagen".

Die dreifache Mutter ist als Sachbearbeiterin beim Sozialamt Limburg-Weilburg beschäftigt und kennt die Kommunalpolitik durch ihre Arbeit im Ortsbeirat Dietkirchen, in der Stadtverordnetenversammlung und aus dem Magistrat, wo sie die Grünen seit dem Jahr 2011 als ehrenamtliche Stadträtin vertritt.

Aber schon vor der Gründung dieser Partei 1980 engagierte sie sich politisch, und zwar für die SPD. Das ist insofern ungewöhnlich, weil Birgit Geis aus dem konservativ geprägten Westerwald stammt, aus dem Dorf Ellar, das nicht gerade als Wiege der Sozialdemokratie bekannt ist.

"Ich bin mit 16 Jahren in die SPD eingetreten, das war 1972, als Willy Brandt Bundeskanzler war", sagt sie. "Mich hat sein Leitmotto ,Mehr Demokratie wagen' sehr überzeugt. Ich habe meinen Eltern aber nichts von meinen Parteieintritt erzählt. Als sie im Dorf darauf angesprochen wurden, hat mein Vater zu mir gesagt: ,So politisch muss man nicht sein, um in eine Partei einzutreten.'"

Als Ende der 1970er-Jahre Pläne für ein Atomkraftwerk in Runkel und eine Wiederaufbereitungsanlage in Merenberg bekannt wurden, "habe ich gemerkt, dass man in der SPD nichts verändern kann. Und als die Grünen gegründet wurden, war für mich klar: Diese Partei steht für das, was ich will - ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei".

Der Liebe wegen

nach Dietkirchen

Schon seit 44 Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Dietkirchen - der Weg von Ellar in den Limburger Stadtteil war vor allem der Liebe wegen naheliegend, denn ihr Mann Helmut ist ein Dietkircher. "Mein Mann und ich haben uns auf der Kirmes in Ellar kennengelernt, als ich 16 war; er war dort mit Freunden aus Dietkirchen zu Besuch. Zwei Jahre später haben wir geheiratet. Ich brauchte damals noch die Erlaubnis meiner Eltern, weil erst kurz darauf die gesetzliche Volljährigkeit von 21 auf 18 Jahre gesenkt worden ist. Mit 19 habe ich mein erstes Kind bekommen, da bin ich noch auf die Marienschule gegangen, und mit 25 Jahren hatte ich bereits drei Kinder."

Neben ökologischen Themen liegen ihr soziale Fragen sehr nahe, was auch mit ihrer Arbeit im Sozialamt zu tun hat. Sie erlebt immer wieder, wie sich Menschen schämen, wenn sie auf einmal auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. "Ich sage den Betroffenen immer: Es ist ein Rechtsanspruch, man muss sich deswegen nicht schämen."

Sie plädiert für Änderungen im System: Ältere Beschäftigte, die lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, müssten länger als ein Jahr Anspruch auf das Arbeitslosengeld I haben. "Die Arbeitsleistung der Betroffenen sollte viel stärker berücksichtigt werden mit einem längeren Leistungsanspruch."

Sie sieht den Staat zudem stärker in der Pflicht, wenn der Umzug in ein Alten- und Pflegeheim ansteht. "Ich halte es für richtig, dass der Staat die komplette Pflegeleistung von Menschen finanziert, die in ein Heim müssen", sagt sie. "Die Rente reicht oft nicht dafür aus, das Altenheim mit Unterbringung und Verköstigung und die Pflegeleistungen zu finanzieren. Schon jetzt muss deshalb der Staat einspringen und die finanzielle Lücke schließen, die im Monat zwischen 1000 und 1500 Euro beträgt."

Wandern und

Radfahren

In ihrer Freizeit wandert Birgit Geis - inzwischen Großmutter von fünf Enkelkindern -, und sie fährt regelmäßig mit ihrem E-Bike. Sie hat schon den Oder-Neiße-Radweg und den Lahnradweg erkundet und war zu Fuß auf dem Rothaarsteig und dem Rheinsteig unterwegs. "Mein Mann und ich verreisen auch oft. Wenn die Pandemie überstanden ist, wollen wir eine schon geplante Reise ins Baltikum nachholen. Außerdem machen wir regelmäßig Urlaub in Kroatien mit unserem Wohnwagen. Es ist ein vielseitiges Land mit Meer und Bergen, freundlichen Menschen und gutem Essen. Wir fühlen uns dort sehr wohl."

Birgit Geis fährt jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit und erlebt so die Stadt auch immer wieder, wenn noch nicht oder nicht mehr so viele Menschen unterwegs sind. "Ich gehe auf dem Weg zur Arbeit mehrmals täglich durch die Unterführung am Bahnhof. Am frühen Morgen und am späten Abend fühlt sich das für mich als Frau schon ein bisschen merkwürdig an, wenn dort niemand unterwegs ist." Polizei und Ordnungsamt müssten in der Stadt sichtbarer sein, um das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Menschen zu verbessern; das betreffe vor allem die Randzeiten, wenn in der Stadt nicht viel los sei.

"Wir brauchen auch eine bessere Beleuchtung in der Innenstadt", sagt die Kandidatin. "Videokameras wie auf dem Bahnhofsplatz sind sicher sinnvoll, aber dann muss da auch jemand von der Polizei vor dem Monitor sitzen und es beobachten."

Wenn sie Bürgermeisterin werden sollte, will sie unter anderem ein Netzwerk aufbauen und schauen, wie andere Städte ähnliche Probleme lösen. "Wir brauchen in Limburg unbedingt eine Verkehrswende, die Stadt muss ihre Klimaziele erreichen", sagt sie. "Wir müssen mehr für die Radfahrer tun und den Flickenteppich schließen: Hier und dort ein Radfahrstreifen ist viel zu wenig. Wenn die Straßen zu eng sind, muss darüber nachgedacht werden, die Parkplätze aufzugeben, um mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen." Und außerdem müsse Busfahren in Limburg viel attraktiver werden. "Wir müssen kleinere Busse einsetzen, damit sie regelmäßiger fahren können. Und damit weniger ältere Menschen auf ihr Auto angewiesen sind, schlage ich Car-Sharing-Angebote direkt vor Seniorenwohnanlagen vor."

Podiumsdiskussion mit

allen vier Kandidaten

In einer digitalen Podiumsdiskussion dieser Zeitung, die am Donnerstag, 18. Februar, 19 Uhr, im Internet live gezeigt wird, kommen Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD), der von einer unabhängigen Wählerinitiative unterstützt wird, der von der CDU unterstützte Einzelkandidat Stefan Laux (CDU), Maximilian Acht (FDP) und Birgit Geis (Grüne) ins Gespräch.

Die vier Hauptthemen an diesem Abend sind "Verkehr", "Sicherheit", "Landverbrauch" (für Wohngebiete und Gewerbeflächen) und die "Zukunft des Neumarkts". Die von NNP-Redaktionsleiter Sebastian Semrau und Limburg-Redakteur Stefan Dickmann moderierte Veranstaltung soll rund zwei Stunden dauern und ist im Internet unter der Adresse fnp.de/eventvideo zu sehen.

Über eine Chat-Funktion kann jeder interessierte Bürger den Kandidaten während der Veranstaltung schriftlich eigene Fragen stellen. Übrigens: Das Video von dieser Veranstaltung ist nach deren Ende im Internet weiterhin abrufbar.

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