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„Wir waren mutig, und wir hatten Power“, sagen Anneliese Schlitt, Brunhilde Schwind-Müllers und Margareta Eichhorn, die 1981 den Solidaritätsfonds Frauen für Frauen gründeten.

Gründung vor rund 40 Jahren

Frauenhaus in Limburg: Eine sichere Festung für misshandelte Frauen

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Vor rund 40 Jahren traten Brunhilde Schwind-Müllers, Margareta Eichhorn und Anneliese Schlitt an, um Frauen in Not zu helfen. Sie gründeten den Solidaritätsfonds Frauen für Frauen, der schließlich zur Einrichtung des ersten Frauenhauses in Limburg führte. Ein Rückblick anlässlich des Frauentags gestern.

Meistens kamen die Hilferufe in der Nacht. Wenn sich die Dunkelheit gesenkt hat, steigt das Gewaltrisiko, sagt Brunhilde Schwind-Müllers. Jahrelang hat sie das erlebt. Egal zu welcher Uhrzeit ihr Telefon klingelte, Brunhilde Schwind-Müllers war bereit, stand auf und verließ das Haus, um Frauen in Not zu helfen. Gemeinsam mit Margareta Eichhorn, Anneliese Schlitt und einigen anderen Mitstreiterinnen aus der Katholischen Frauenbewegung kümmerte sie sich um Frauen, die von ihren Männern physisch und psychisch misshandelt wurden. Und das in einer Zeit, in der es noch kein Frauenhaus in Limburg gab.

Es war das Jahr 1981, in dem sie den Solidaritätsfonds Frauen für Frauen gründeten. „Wir waren mutig, wir hatten Power, und wir wollten uns für Frauen einsetzen, denen es schlecht geht“, fasst die heute 81-jährige Brunhilde Schwind-Müllers zusammen.

Gründerinnen des Frauenhauses in Limburg erhielten viel Gegenwind – vor allem von Männern

Der Bedarf war groß, sagt die Seniorin. Auch im Kreis Limburg-Weilburg. Aber auch hier wie überall im übrigen Land war die Resonanz unterschiedlich. Ob sich die Damen nicht ebenso für die Rechte von Männern einsetzen wollten, wurden sie gefragt. Und als Franz Kamphaus im Mai 1982 zum Bischof von Limburg ernannt wurde, forderte der damalige Weihbischof die Frauen auf, ihr Solidaritätsbanner einzurollen. Der Wind, der der Aktion der Frauen entgegenblies, war heftig. Schwind-Müllers, Eichhorn, Schlitt und die anderen hielten stand.

Versammlungsort der Frauen aus dem gesamten Bistum war Hünfelden, der damalige Wohnort von Margareta Eichhorn, deren Mann für die Frauen kochte und dazu beitrug, „dass wir den Rücken freihatten“, erinnert sich Eichhorn. Flyer wurden konzipiert, private Notrufnummern abgedruckt und Quartiere für Frauen in Not geschaffen. Zum Beispiel bei den Pallottinerinnen, die Zimmer zur Verfügung stellten. Oder bei Privatpersonen wie Anneliese Schlitt.

Frauenhaus: Schnelle und unbürokratische Hilfe

Ja, erzählt sie, an ihre Gäste könne sie sich gut erinnern. An jene junge Frau beispielsweise, die mit einer Sonnenbrille vor ihr stand, weil ihr Partner sie verdroschen hatte. Schlitt nahm die Frau auf und überlegte mit ihren Kolleginnen, wie es weitergehen könnte. Wichtig sei stets gewesen, den „Frauen nicht unsere Vorstellung von Hilfe überzustülpen“, stellt Brunhilde Schwind-Müllers klar. Ziel war es, unbürokratisch und schnell Wege aufzuzeigen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und nicht die Situation der Betroffenen oder die Hintergründe zu bewerten. „Wir waren einfach da.“

Immer wieder. Auch dann, wenn eine Frau immer wieder zu ihrem Mann zurückkehrte, immer wieder misshandelt wurde und sich trotzdem nicht befreien konnte. Zumeist aus Angst und aus Scham, sagt Schwind-Müllers. Und aus dem Gefühl heraus, ausgeliefert zu sein. Denn selbst wenn Polizisten eingeschritten wären, um häusliche Gewalt zu unterbinden, endete deren Einsatz häufig mit der Einschätzung: Der Mann hat sich beruhigt. Die Lage ist wieder in Ordnung.

Heute mehr Sensibilität: Gewalt kommt in allen gesellschaftlichen Schichten vor

Erst sehr allmählich hat sich diese Wahrnehmung gewandelt, sagt Margareta Eichhorn. Das Maß an Sensibilität habe sich erhöht. Inzwischen sei anerkannt, dass „Gewalt in allen gesellschaftlichen Schichten vorkommt“ und dass „Frauenhäuser keine Freudenhäuser“ sind, berichtet Eichhorn.

Die gesellschaftliche Akzeptanz und finanzielle Unterstützung der Fraueninitiative haben einen langen Entwicklungsprozess hinter sich. Brunhilde Schwind-Müllers, Margareta Eichhorn, Anneliese Schwind und ihre Mitstreiterinnen haben diesen Prozess initiiert, begleitet und vorangetrieben.

Mitte der 1980er Jahre lösten sie ihren Solidaritätsfonds Frauen für Frauen schließlich auf. Im Dezember 1986 wurde das erste Frauenhaus in Limburg eröffnet. Für 24 Frauen und ihre Kinder in Not.

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