Alexander Hohlwein und seine Frau Rebekka Weickert vom Restaurant 360° in Limburg befürworten die 2G-Regel. Da fühlten sich Gäste und Mitarbeiter des Sternerestaurants sicherer.
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Alexander Hohlwein und seine Frau Rebekka Weickert vom Restaurant 360° in Limburg befürworten die 2G-Regel. Da fühlten sich Gäste und Mitarbeiter des Sternerestaurants sicherer.

Umfrage in und um Limburg

2G-Regel im Restaurant? Gastronomen sind gespalten

  • VonMariam Nasiripour
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Nicht alle Restaurants im Kreis Limburg-Weilburg möchten nur noch Geimpfte und Genesene einlassen. Es gibt Kritik an der Politik.

Limburg – Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit einigen Wochen wieder an. Auch im Landkreis Limburg-Weilburg liegt sie seit einigen Tagen über dem Wert von 100. Das bedeutet, dass seit Mittwoch wieder stärkere Einschränkungen den Alltag der Menschen bestimmen, allen voran die 3G-Regel. In der Hansestadt Hamburg gilt seit dem letzten Augustwochenende sogar optional die 2G-Regel in der Kultur, Gastronomie und bei Veranstaltungen. Das bedeutet, dass nur noch geimpften oder genesenen Gästen der Zutritt gewährt wird. Wer diese Kriterien nicht erfüllt, muss draußen bleiben.

Wir haben einige heimische Gastronomen gefragt, was sie von der 2G-Regel halten. "Ich bin dafür", sagt Giuliano Rizzo von der Casa Don Camillo in der Limburger Altstadt ohne Zögern. Der Gastronom betont, dass damit das Risiko minimiert werde, sich anzustecken, das gelte sowohl für das Personal als auch für die Gäste. Letztere könnten sich dann sicher fühlen und entspannt ihren Aufenthalt im Restaurant genießen.

Schutz vor Corona für Gäste und Mitarbeiter durch 2G-Regel im Kreis Limburg-Weilburg

Es gehe schließlich um das höchste Gut: die Gesundheit. Und die gelte es zu schützen. Er ist davon überzeugt, dass die 2G-Regel von den Gästen gut angenommen werde. Bereits jetzt werden die Gäste bei der Reservierung auf die 3G-Regel hingewiesen und hätten damit überhaupt kein Problem. Rizzo ist auch überrascht darüber, dass so viele Gäste des Restaurants bereits geimpft sind. Das seien rund 90 Prozent. Die Zahlen derjenigen, die einen Test benötigen, sei sehr gering.

Zwar hat das Restaurant auf der Plötze eine große Außenterrasse, aber der Gastraum ist klein. Und für diesen könnte die 2G-Regel helfen. "Wir hatten in diesem Jahr keinen guten Sommer. Viele Gäste sitzen drinnen", sagt Giuliano Rizzo. Ein voller Gastraum wäre im vergangenen Jahr undenkbar gewesen.

2G-Regel im Restaurant: Gäste möchten sich sicher fühlen

Der Lockdown habe nicht nur einen wirtschaftlichen Schaden verursacht, sondern auch einen psychologischen. "Der Mensch ist ein geselliges Wesen, der seine Freiheit liebt. Er möchte rausgehen, andere treffen und eine gute Zeit verbringen", ergänzt der Gastronom. Der Lockdown habe die Menschen ihrer Freiheit beraubt, deswegen seien sie froh über die Regeln, denn das bedeute ein Stück Normalität.

Ganz ähnlich sieht es auch Rebekka Weickert vom Restaurant 360° in der Limburger WERKStadt. Auch sie ist für die Einführung der 2G-Regel, denn das bedeute mehr Schutz für ihre Mitarbeiter und die Gäste. "Unsere Gäste verbringen rund vier Stunden in unserem Lokal. Sie möchten sich dabei sicher fühlen", sagt sie. Es gehe um Selbst- und Fremdschutz. Ohnehin seien rund 80 Prozent ihrer Gäste geimpft.

Ihre Gäste werden bei der Reservierung ebenfalls auf die aktuelle 3G-Regel hingewiesen. Bislang hätte sich niemand beschwert oder diskutiert. Einen wirtschaftlichen Schaden befürchtet die Gastronomin nicht. Die 2G-Regel gilt derzeit ohnehin bei den Kochkursen des Restaurants, weil sich der Koch mit zehn weiteren Personen in der Küche versammeln muss.

Gastronom im Kreis Limburg-Weilburg: Corona-Lockdown „hat lange genug gedauert“

Auch die Gäste der Trattoria Catania in Linter fühlten sich mit der 3G-Regel sicherer und wohler, sagt Inhaber Daniele Arena. Und auch er spricht sich für die Einführung der 2G-Regel aus. Der Lockdown hätte lange genug gedauert und die Menschen hätten sehr stark darunter gelitten. Arena betont, dass es dabei um die Gesundheit der Menschen gehe. Niemand solle angesteckt werden. "Ich verstehe die Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen", sagt er. Die Situation sei schwierig. Aber es sei wichtig, dass das ökologische System funktioniert. Auch er befürchtet keinen wirtschaftlichen Schaden durch die Einführung der 2G-Regel. "Zusammenhalt bedeutet nicht, sich an den Händen zu halten. Es bedeutet das Notwendige zu tun, um alles am Laufen zu halten und sicher zu sein", betont Daniele Arena.

Thomas Karle, Geschäftsführer des Hotels Wilhelm-von-Nassau in Diez, hat noch größere Sorgen. Denn sein Geschäft hat einen Einbruch von 50 Prozent gegenüber vor Corona erlitten. Die Gästezahlen seien verhalten. Zwar sei sein Hotel gut belegt, aber das Restaurant nicht. Busreisen seien für das Sommergeschäft des Hotels existenziell, so Karle. Und diese seien 2020 und auch in diesem Jahr komplett ausgefallen. Aktuell trudeln ihm auch schon Absagen für 2022 ins Haus. Das gilt auch für viele Weihnachtsfeiern, da sich die Betriebe vor einer Ansteckung der gesamten Belegschaft fürchten.

Hedmar Schlosser, der im Kreis Limburg-Weilburg mehrere gastronomische Betriebe führt, erklärt, dass sich die Frage nach der Einführung der 2G-Regel nicht pauschal beantworten lasse. Für sein Lokal, den Batzewert in der Limburger Altstadt, sei diese Regel lebenswichtig, da der Gastraum sehr klein ist. Allerdings sei diese Regel für die größeren Lokale unnötig, da man dort den nötigen Abstand einhalten und die Gästeströme kanalisieren könne.

2G-Regel negativ für die Gästezahlen im Kreis Limburg-Weilburg?

Unverantwortlich sei das Verhalten der Politik, diese Entscheidung den Betrieben zu überlassen und ihnen die Verantwortung zu zuschieben. "Die Betriebe werden in eine Rolle gezwängt, die sie nicht erfüllen können", ist Schlosser verärgert. Er ist überzeugt davon, dass sich nach der Wahl vieles ändern wird.

Es käme darauf an, wer dann das Zepter in der Hand hält. Schlosser wünscht sich eine unkomplizierte und individuelle Lösung. Die Pandemie habe das Land gespalten und die Menschen hätten einen Erschöpfungsgrad erreicht. Sei seien müde und bräuchten ein Ziel vor Augen, um die Hoffnung zu haben, dass der ganze Spuk irgendwann auch mal endet.

Strikt gegen die Einführung der 2G-Regel ist der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis Limburg-Weilburg, Armin Güth. "Es ist nicht in Ordnung. Es wird auf den Rücken der Gastronomen ausgetragen", so Güth. Die Regel führe zu endlosen Diskussionen mit Gästen, ist er überzeugt. Außerdem sei es ein Einschnitt in die persönliche Freiheit der Menschen.

Güth ist der festen Überzeugung, dass sich die Einführung der 2G-Regel auf die Gästezahlen auswirken wird. "Wo ist das Problem mit den Tests?", fragt der Dehoga-Vorsitzende. So solle Druck auf die Menschen aufgebaut werden, die sich nicht impfen lassen wollen. "Ich kann es nachvollziehen, wenn sich jemand nicht impfen lassen möchte", sagt er. Er sei weder ein Impfgegner, noch ein Corona-Leugner. Bereits jetzt gebe es vereinzelte Diskussionen mit den Gästen seines Betriebs, Lochmühle in Hadamar, über die Regeln.

Kleinkunstbühne Thing führt ab Oktober 2G-Regel ein

Die Kleinkunstbühne Thing führt die 2G-Regel bereits ab Oktober ein. Dann dürfen bis Frühjahr 2022 nur noch Geimpfte oder Genesene die Veranstaltungen des Thing besuchen. "Wir setzen aus Sicherheitsgründen auf die 2G-Regel", sagt Dietmar Tanger, Erster Vorsitzender des Vereins, dieser Zeitung.

Der Vorstand habe diese Entscheidung getroffen. Ab sofort wird jeder, der sich für eine Veranstaltung anmeldet oder Karten reserviert, über die neue Regel informiert. "Diejenigen, die vorher reserviert haben, werden wir auch noch über die neue Regelung in Kenntnis setzen", fügt Zanger hinzu. Die erste Veranstaltung, die unter diese Regel fällt, ist die Musikrevue "Eine Nacht voller Seligkeit" mit Pe Werner am Samstag, 2. Oktober. Die 2G-Regel sei fast überall schon eingeführt worden, erklärt Dietmar Zanger.

Aktuell dürfen 100 Personen in die untere Ebene der Stadthalle hinein. "Vielleicht ist das ein Ansporn für die, die sich noch nicht haben impfen lassen, das nachzuholen", sagt der Erste Vorsitzende. Noch befürchtet er keinen Rückgang der Zuschauerzahlen. "Die sind ohnehin zurückgegangen, weil sich viele noch nicht trauen, sich mit vielen anderen Menschen in einen geschlossen Raum zu setzen", berichtet er. Er hofft auf den umgekehrten Effekt, dass diejenigen, die bislang zögerlich oder ängstlich waren, sich nun trauen und sicherer fühlen. "Vielleicht ist das ein Ansporn unsere Veranstaltungen wieder zu besuchen", zeigt er sich optimistisch.

Außerdem hätten auch einige Vereinsmitglieder Vorbehalte und ihre Mithilfe oder Mitwirkung an den Veranstaltungen abgesagt. Diese könnten sich dann wegen der 2G-Regel sicherer fühlen. Denn der Verein leide unter zu wenigen Helfern. Eine weitere gute Nachricht für alle Kultur-Fans hatte der Erste Vorsitzende auch parat. Zusammen mit der Stadthalle schafft das Thing zwei mobile Luftreinigungsgeräte an. Diese sollen dann für noch mehr Sicherheit für Zuschauer und Mitarbeiter sorgen. (Mariam Nasiripour)

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