Kein Leben am Limburger Kornmarkt: Sowohl beim Caffé Meloni vorne als auch beim Eiscafé Venezia und beim Batzewert sind Tische und Stühle zusammen geräumt.
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Kein Leben am Limburger Kornmarkt: Sowohl beim Caffé Meloni vorne als auch beim Eiscafé Venezia und beim Batzewert sind Tische und Stühle zusammen geräumt.

Limburg

Corona-Pandemie lässt Gastronomie und Hotellerie verzweifeln - „Wir haben Angst“

  • vonSebastian Semrau
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Gaspronomen und Hoteliers aus dem Kreis Limburg-Weilburg verdeutlichen in einem offenen Brief ihre durch die Corona-Pandemie angespannte Situation.

Limburg - Die steigenden Corona-Fallzahlen machen aktuell wenig Hoffnung auf baldige weitere Lockerungen - der Lockdown zur Bekämpfung des Coronavirus könnte sogar wieder verschärft werden. Manche Branchen aber dürfen bereits seit Monaten nicht mehr öffnen. Gastronome und Hotelbetreiber aus dem Landkreis Limburg-Weilburg haben sich daher nun auf Initiative des Getränkegroßhändlers Christopher Herzberg zusammengetan und einen offenen Brief verfasst. Adressaten sind neben Landrat Michael Köberle (CDU) auch die heimischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten.

Herzberg sagt, er sei als Lieferant für Gastronomie, Vereine und Veranstaltungen zwar nur indirekt betroffen, habe aber engen Kontakt zu vielen Gastronomen. Auch Armin Güth, Vorsitzender des Kreisverbands Limburg des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, stehe absolut hinter diesem Brief. Zu den aktuellen Öffnungen sagt Herzberg: „Fitnessstudios dürfen öffnen, wir nicht. Das können wir nicht nachvollziehen.“ Wieder sei die Gastronomie die letzte Branche, in der es Öffnungen geben soll. „Wir müssen lernen, mit der Pandemie zu leben“, erklärt Herzberg. Die sei auch für die Region wichtig. „Und die möchte ich stärken.“

Kreis Limburg-Weilburg: Gastronomie und Hotellerie durch Corona-Lockdown in Existenz bedroht

Schon im Einstieg des offenen Briefs zur Lage der Gastronomie- und Hotellerie-Betriebe des Landkreises Limburg-Weilburg während des Corona-Lockdowns ist es klar formuliert: „Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben Angst!“ Der neuerliche und andauernde Lockdown entwickele sich für die Gastronomie- und Hotellerie-Betriebe im Kreis Limburg-Weilburg zu einer existenzbedrohenden Situation, einer, in der eine beständig neu ausgehandelte Inzidenz-Arithmetik über Wohl und Wehe einer ganzen Branche entscheide. Einer Situation auch, in der längst nicht mehr nur betriebliches, sondern das gesellschaftlich-kulturelle Leben als Ganzes auf der Kippe stünden.

„Mit großer Sorge vernehmen wir nun, dass die sehnlichst erhofften und wieder und wieder debattierten Lockerungen nur kleinteiliges Stückwerk sind; dass - im Klartext - der Lockdown in den Bereichen Gastronomie und Hotellerie vielmehr fortgeschrieben wird. Und wir befürchten: Viele von uns werden das nicht überleben. Es geht um nicht weniger als das Sterben unseres kulturellen und gesellschaftlichen Lebens“, heißt es in dem Brief.

Corona-Pandemie: Gastronome und Hoteliers in Limburg-Weilburg mit ausgereiften Hygienekonzepten

Dabei sei den Gastronomen der Ernst der Lage bewusst. „Darum haben wir in den vergangenen Corona-Monaten mit großem Verantwortungsbewusstsein sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt, um der Sicherheit unserer Gäste, unserer Mitarbeiter und damit letztlich auch der Gesamtbevölkerung Rechnung zu tragen. Unsere Hygienekonzepte sind ausgereift, unsere Kontrollmaßnahmen umfassend und die Nachvollziehbarkeit eventueller Infektionen ist gegeben.“ Das böten außer Gastronomie und Hotellerie nur sehr wenige andere Branchen.

Ganz zu schweigen vom privaten Raum, den unabhängige Experten sowie führende Wissenschaftler des Robert Koch-Institutes längst als größten Infektionstreiber ausgemacht und bestätigt haben. „Gerade die eigenen vier Wände sind es aber, die durch die anhaltende Schließung von Gastronomiebetrieben verstärkt zu alternativen Treffpunkten werden, an denen eine Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln schlicht nicht gewährleistet sein kann“, heißt es in dem Brief.

Das aber begünstige nicht nur die Entstehung unkontrollierbarer und nicht nachverfolgbarer Infektionsketten, sondern beeinträchtige nachhaltig genau die Einrichtungen, in denen begrenz- und kontrollierbare soziale Interaktionen möglich wären: die Gastronomiebetriebe. "Auch im Interesse des vorrangigen Zieles der umfassenden Pandemie-Bekämpfung appellieren wir darum an Sie, die Regulierungen für Gastronomie und Hotellerie in weitreichendem und vernünftigem Umfang zu entschärfen. Beenden Sie diese Einschränkungen."

Die Corona-Krise lässt Gastronome und Hotelier in Limburg-Weilburg auf Rücklagen zugreifen

Ein fortschreitend andauernder Corona-Lockdown dieses Umfangs habe aber nicht nur weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen, sondern „trifft uns Gastwirte und Hoteliers natürlich auch tief ins unternehmerische Mark. Wir bluten aus! In kaum einem Gewerbezweig ist der Anteil an kleinen inhabergeführten Betrieben so hoch wie in unserem - und unsere Rücklagen sind jetzt, im März 2021, endgültig aufgebraucht“, schreiben die Gastronome.

„Mit einer Fortführung dieser restriktiven Lockdown-Politik nehmen Sie aber nicht nur uns die Luft zum Atmen. Besonders hart trifft es auch unsere vielen Angestellten und deren Familien, für die wir Verantwortung tragen und denen wir - gerade in unsicheren Zeiten - ein sicherer und verlässlicher Arbeitgeber sein wollen.“ Selbst wenn sie durch Kurzarbeitergeld abgesichert seien, so fehle ihnen doch das wegbrechende Trinkgeld und damit ein Teil der finanziellen Basis, um geordnet und ohne Existenzsorgen weiterleben zu können. Den meisten Minijobbern in der Branche habe man leider bereits kündigen müssen - ihre Perspektive sei vollkommen unklar.

„Mit dem Sterben unserer Restaurants, Kneipen und Hotels stirbt nicht nur das Herzblut der Inhaber, die ihre Betriebe oftmals über Jahrzehnte aufgebaut haben; es sterben auch hunderte weitere Arbeitsplätze in der Region Limburg-Weilburg - und es stirbt für uns alle die Freude daran, einen schönen Abend außerhalb der eigenen vier Wände verbringen zu können. Wir Gastwirte und Hoteliers haben eine faire Chance verdient, wieder unserer Arbeit nachgehen zu dürfen und wir fordern deutlich mehr als nur eine eventuelle Öffnung der Außengastronomie je nach Inzidenzwert“, heißt es in dem Brief. Gefordert sei eine dauerhafte, eine echte Perspektive. Es folgt noch ein Appell: „Lassen Sie uns Teil der Lösung sein! Helfen Sie uns, Ihnen zu helfen! Lassen Sie uns nicht hilflos zurück! Geben Sie uns und unseren Mitarbeitern eine Chance mit der vollständigen Öffnung von Gastronomie und Hotellerie spätestens zu Ostern!“ (Sebastian Semrau)

Die Unterzeichner des offenen Briefes

Alexandra Heß, Diskothek Empire, Limburg; Amir Mahmoud, Amir's Bauernschänke, Waldernbach, André und Marcel Müller, Roter Hahn (UD Lounge) und Werner Senger Haus, Limburg; Anna Weyl und Eike Mielitz, Hotel Nassauer Hof, Limburg, Artur Khachaturjan, Zum Weißen Roß, Merenberg, Ben Bergmann und Melanie Hellmanzik, Restaurant Black Cow, Limburg; Christopher Herzberg, Herzberg Getränke, Merenberg; Corina und Joachim Buggle, Landhotel zum Bären, Balduinstein; Daniela Loibl, PM Lounge, Weilburg; Daniele Arena, Trattoria Catania, Linter; Daniele Sciarrino, Pizzeria Trattoria Little Italy, Limburg; Detlef Klöckner, Rundes Eck, Limburg; Elisa Herdering, Café Kolorit, Limburg; Farhad Ghafouri, Rick's Café Américain Cineplex, Limburg; Gerald Herdering, Bäckerei Herdering, Elbtal; Gerd Kretschmer, Nassauer Hof, Elz; Gunnar Zessel, NA+1, Limburg, Hedmar Schlosser, Hotel "zur Krone", Löhnberg, Hotel "Residenz 23", Weilburg, Georgs Steakhouse, Bowlhouse, Villa Konthor, Zum Batzewert, alle Limburg; Jadranka Neul-Dula und Jens Neul, Gasthaus Euler, Holzheim; Kai Handeck, Borngass' Stübchen, Obertiefenbach; Karl Held, Tafelspitz, Limburg; Kevin Heep und Markus Stillger, MaKe Weinbar, Limburg; Kevin Engelhardt, E's BAR, Limburg; Maurizio Casella, Altes Faß, Elz; Michael Abel, Bistro Altes aRthaus, Weilburg; Michael Felten, Gaststätte Zur Turnhalle, Limburg; Nassim Schäfer, Fare Tredici Limburger Kaffeerösterei; Oliver Birkhölzer, Weinhaus Schultes, Limburg; Raffaella Spatola, Cafe Spuntino, Limburg; Rainer Habich, Gaststätte Taunushöhe, Schmitten; Roman Bender, Gasthaus Burgkeller, Blue Bar, Blue Desperado, Antik Café, Tonne Kellerkneipe, alle Limburg; Sascha Huth, Bäckerei Huth, Limburg; Satwinder Kaur, Restaurant LahnTerrasse, Limburg; Serena Graziano, Bistro Zeller, Weilburg, Restaurant-Pizzeria Lahnterasse, Gräveneck; Susann Will-Goßmann, Gastronmie Roxys Küch, Linter; Thomas Kiefer, Tommys Weilburg; Torsten Anders, Paulaner Braustüberl, Limburg; Torsten Volkmann, Kanapee, Weilburg; Walter Meloni, Caffé Meloni, Limburg; Werner Simon, Gastwirtschaft Simon, Hangenmeilingen.

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