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Limburger Domsingknaben

Krise

Wie geht es weiter bei den Limburger Domsingknaben?

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Nach dem großen öffentlichen Knall in der vergangenen Woche bemühen die Verantwortlichen sich um Ruhe bei den Limburger Domsingknaben. Morgen ist Jahreshauptversammlung der Elternschaft.

Limburg - Mails, Briefe, Aussprachen und Sitzungen: Die ernste Krise bei den Domsingknaben hat auch in dieser Woche die Jungen, ihre Eltern, das Leitungsteam und das Domkapitel beschäftigt.

Nach dem Bericht dieser Zeitung am vergangenen Samstag haben sich die Fronten weiter verhärtet: Auf der einen Seite mehrere ältere Sänger und ihre Eltern, die Chorleiter Andreas Bollendorf unbedingt loswerden wollen; auf der anderen viele Knaben und ihre Eltern, die hochzufrieden mit ihm sind und ihm den Rücken stärken. Es scheint derzeit nur Schwarz oder Weiß zu geben. Dabei geht es auch um grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über den musikalischen Anspruch und die Arbeit des Chors.

Die beiden Lager reden und schreiben eifrig untereinander, aber kaum miteinander. Morgen wäre eine gute Gelegenheit dazu, doch in der Jahreshauptversammlung der Elternschaft soll der Konflikt möglichst nicht angesprochen werden. „Das Thema steht nicht auf der Tagesordnung“, sagte gestern die Vorsitzende Eveline Hannappel. Die Einladung war freilich schon verschickt worden, bevor der Streit um Bollendorf eskalierte. Hannappel, die nicht mehr für das Amt kandidiert, will die Tagesordnung nicht mehr ändern. Eltern könnten sich aber unter „Verschiedenes“ melden.

Zündstoff vermeiden

Direktor, Domkantor und Chorleiter Andreas Bollendorf.

Dem Domkapitel wäre es wohl lieber, wenn alle Beteiligten die Vergangenheit ruhen ließen und nur noch optimistisch nach vorne blickten. Die Kritik soll zwar aufgegriffen, jedoch nicht in breiter Runde diskutiert werden. In diesem Sinne ist auch am Donnerstag ein Gespräch der Domkapitulare Dr. Thomas Löhr und Dr. Wolfgang Pax mit dem am 14. Januar eingesetzten Leitungsteam verlaufen. Chorleiter und Direktor Andreas Bollendorf, der stellvertretende Chorleiter Wilhelm Gries und der Pädagogische Leiter Christoph Meurer werden denn auch morgen als Team auftreten und gemeinsam berichten. In diesem Fall wird die Tagesordnung geändert.

Ob dieses Trio die Krise gemeinsam bewältigen kann, bezweifeln viele. Sehr harmonisch war die Zusammenarbeit von Bollendorf (48) mit Gries (64) und Meurer (62) bislang jedenfalls nicht, berichten Insider übereinstimmend.

Die Betroffenen wollen sich dazu nicht äußern. Nachdem der im September 2015 angetretene Bollendorf am vergangenen Samstag in dieser Zeitung die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen hatte (keine Beziehung zu den Jugendlichen, fehlende Autorität, schlechte Chorproben), meldeten sich in dieser Woche Gries und Meurer, die beide seit 1985 bei den Domsingknaben sind.

Gries: Nicht beworben

Gries legt Wert auf die Feststellung, dass er sich nicht als Chorleiter beworben hat. „Ich wollte nie an erster Stelle stehen. Es geht mir nicht um meine Person. Die Domsingknaben sind mein Leben“, sagt er.

Meurer wehrt sich gegen die Darstellung, er habe einiges schleifen lassen und Bollendorf nicht rechtzeitig auf den Ernst der Lage aufmerksam gemacht. „Wir sind seit zwei Jahren mit einer Mediation zu Gange. Allen waren die Nöte der Jungen bekannt“, sagt er. Nur auf die Kritzeleien auf den Tafeln hätte er früher reagieren sollen. Dort sahen auch Löhr und Pax bei einem Besuch die Buchstaben „BMW“ und „AMG“, die für „Bollendorf muss weg“ und „Andi muss gehen“ standen.

Der Vorsitzende des Fördervereins, Markus Drossel, erläuterte gestern, warum er in der vergangenen Woche zurückgetreten ist: „Ich bin mit der Art der Führung des Chorleiters nicht einverstanden und sehe keine Basis für eine vernünftige Zusammenarbeit.“ Er sorge sich auch um die musikalische Qualität des Chors. Mit seiner Entscheidung zeige er sich ein Stück weit solidarisch mit den drei Jungen, die den Mut gehabt hätten, in der Krisensitzung die Probleme zu benennen, und nach dem für sie enttäuschenden Verlauf ihren Austritt erklärt hatten.

Info: 106 Chormitglieder

Anfang 2018 hatten die Domsingknaben 106 Mitglieder, 2017 waren es 98, davor 114, 2015 (im letzten Jahr von Klaus Knubben) 118, 2007 (dem letzten Jahr des Internats) 182. Schlecht besetzt ist der Chor derzeit bei den Männerstimmen. Nachdem drei Jugendliche ausgetreten sind, singen nur noch 16. Vier hören im Sommer nach dem Abitur auf.

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