Die Verpflichtung großer Orchester wird im Rahmen der Meisterkonzerte der Limburger Kulturvereinigung angesichts rückläufiger Abo-Zahlen nicht mehr so oft möglich sein. Das Gastspiel des Staatlichen Sinfonieorchesters Moskau 2003 in der Josef-Kohlmaier-Halle zählt zu den Höhepunkten in der 75-jährigen Vereinsgeschichte.
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Die Verpflichtung großer Orchester wird im Rahmen der Meisterkonzerte der Limburger Kulturvereinigung angesichts rückläufiger Abo-Zahlen nicht mehr so oft möglich sein. Das Gastspiel des Staatlichen Sinfonieorchesters Moskau 2003 in der Josef-Kohlmaier-Halle zählt zu den Höhepunkten in der 75-jährigen Vereinsgeschichte.

Jubiläum in Limburg

Geistige Nahrung neben Speis' und Trank

Die Kulturvereinigung wird 75 Jahre alt

Am 1. Juli 1946 wurde die Limburger Kulturvereinigung gegründet. Das ist nun 75 Jahre her und gerne hätte der Verein sein Jubiläum gebührend gefeiert, muss aber Corona-bedingt darauf verzichten. Vorsitzender Peter Schreiber ist jedoch zuversichtlich, dass die Festveranstaltung zu gegebener Zeit nachgeholt werden kann, zumal eine Reihe neuer Ideen die kulturellen Angebote ergänzen und bekannte Formate auffrischen sollen.

Wenn heute an das Ende des Zweiten Weltkriegs am 2. September 1945 und an die Verluste und Entbehrungen der Menschen erinnert wird, so darf bereits zehn Monate nach den schrecklichen Folgen die Gründung der Kulturvereinigung als eine bemerkenswerte Energieleistung verstanden werden. Freilich war auch das kulturelle Leben in Limburg zum Erliegen gekommen. Der damalige Bürgermeister Josef Schneider erkannte schon bald, dass die Menschen nach dem Zusammenbruch nicht nur Hunger und Durst nach Speis' und Trank, sondern auch nach geistigen Dingen hatten und regte seinerzeit die Gründung eines Kulturvereins an.

Die Kontakte des

Domkapellmeisters

In der Folge spielten in Limburg bald wieder bekannte Orchester, die das Publikum begeisterten. Damals im Dom waren sie auch bei einer Wiederholung ausverkauft. Namhafte Solisten sangen bei den großen Domkonzerten, die Domkapellmeister Hans Pabst leitete, der dank persönlicher Freundschaften Solisten für einen Auftritt in Limburg gewann, die nicht selten für einen Bettellohn auftraten. Eine mitentscheidende Rolle spielte Theodor Lebeda mit seiner Orchester- und Madrigalvereinigung wie der 1955 gegründeten Chorgemeinschaft, die große Oratorien aufführte.

Vorstandsmitglied Heinz Kleiter erinnerte anlässlich des 25-jährigen Bestehens 1971: "Die Kultur war notwendig, um wieder eine geistige Basis zu finden, auf der es sich lohnte, einen neuen Staat zu bauen. Bachs Matthäus-Passion konnte da mehr Orientierung bieten als manches kluge Wort der Staatsmänner." Da der St. Georgshof den Krieg ohne größere Schäden überstand, konnte dort ab 1951 auch wieder Theater gespielt werden. In den ersten Jahren gastierten die Landesbühnen von Frankfurt, Darmstadt und Neuwied sowie die Theater von Marburg, Gießen und Bad Godesberg.

Erst in den 60er Jahren wurde das Angebot vielfältiger, das Publikum durch das Fernsehen an Stars und Stücke gewöhnt. Im Bereich Theater änderte sich einiges. Es fanden sich immer wieder Mäzene, die den Verein unterstützten, der im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Veranstaltern immerhin zwei Drittel seiner Unkosten durch Mitglieder, Abonnenten und weitere Besucher decken konnte. Den verbleibenden Rest übernahm die Stadt. Heute sind die Kosten dagegen wesentlich höher.

Nachdem die Stadthalle 1977 fertiggestellt war, bekamen die Konzerte und Theaterveranstaltungen einen neuen würdigen Rahmen. Dank der städtischen Zuschüsse und der großen Resonanz des Publikums, das sich für unvergessene Abende mit wiederkehrenden Besuchen bedankte, konnte die Kulturvereinigung ihr Angebot auf zehn Theatervorstellungen und acht Meisterkonzerte erweitern. Auch zwei Kindertheater und eine Operette standen im Programm.

Es gab auch Pleiten. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und immer neuen verlockenden Kulturangeboten anderer Anbieter ließ das Interesse nach. Zudem machte das Fernsehen mit zusätzlichen Sendern der Live-Bühne Konkurrenz. Star-Gastspiele mussten her, um das Interesse des Publikums wachzuhalten und damit kam auch ein gewisser Snobismus, wie Heinz Kleiter als kritischer Begleiter 1971 anmerkte und feststellte: "Kultur kann man nicht verordnen. Wenn man sie schaffen will, dann muss man ihr dienen."

Anfang der 80er Jahre zählte die Kulturvereinigung 550 Besucher pro Meisterkonzert, die dem damaligen Vorsitzenden Günther Prégardien zu wenig waren. Es wurden Fragebogen zur Erkundung des Musikgeschmacks verschickt und jungen Nachwuchsmusikern ein Podium geboten, die als Landes- und Bundessieger die Neugierde des Publikums weckten.

Die erste große

Bürgerinitiative

Der amtierende Vorsitzende Peter Schreiber nennt die Gründung der Kulturvereinigung die erste große Bürgerinitiative in der Stadt, die diese Aufgabe im Auftrag der Kommune wahrnimmt. Heute, da es für den Konzertbereich nur noch 170 Abonnenten gibt, für die Theaterreihen immerhin noch 270 Abos verkauft werden, würde sich Peter Schreiber über Besucherzahlen wie vor 40 Jahren glücklich schätzen.

In der Saison 2021/22 stehen jeweils sechs Theaterabende und Meisterkonzerte im Programm. Was davon stattfinden wird und wie viele Besucher gegebenenfalls kommen werden, bleibt abzuwarten. Die von der Pandemie ausgelösten Unwägbarkeiten haben die Lage noch schwieriger gemacht. . dieter fluck

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