Prozess

Geldanlagen bei der „G.-Bank“

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Am zweiten Verhandlungstag im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Vorstand der Volksbank Langendernbach hat die Wirtschaftsstrafkammer gestern Belege der Scheingeschäfte gesichtet. Dabei ging es auch um die Motive der Kunden.

„Jeder Mensch hat etwas, das ihn

an

treibt“: So steht es oben fett auf den Briefen der Volksb

an

k L

an

gendernbach, die der damalige Vorst

an

d

an

seine Geld

an

leger verschickte. Ja,

an

seine, denn die in der Regel hohen Summen l

an

deten nie auf einem Konto der Voba oder eines

an

deren Geldinstituts, sondern in seiner eigenen Kasse. „Bei der G.-B

an

k“, sagt H

an

s-Martin G.

Zum Prozessauftakt am Mittwoch hatte er erklärt, wie sich durch seine raffinierten Betrügereien eine „B

an

k in der B

an

k“ entwickelte, von der außer ihm niem

an

d etwas ahnte. Gestern erläuterte der l

an

gjährige Chef

an

h

an

d von Belegen und

an

deren Schriftstücken detailliert die Vorgehensweise.

In diesem Zusammenh

an

g klingt der Slog

an

der Volksb

an

ken makaber.

G. hatten hohe Schulden durch Verluste

an

der Börse

an

getrieben, 78 Kunden zu betrügen, um mit ihrem Geld 108 Immobilien mit 600 Wohnungen zu kaufen. Was die Anleger

an

getrieben hat, scheint ebenfalls klar zu sein: Vor allem höhere Zinssätze, wohl aber auch der Nebeneffekt, durch Direktgeschäfte (Papier für Bargeld) Gebühren und Steuerzahlungen zu umgehen. Oberstaats

an

walt Markus Weim

an

n deutet es

an

, der Vorsitzende Richter Peter Scherer spricht es deutlich aus, der Angeklagte räumt es dezent ein.

„Ich habe das Thema Steuern immer vermieden“, sagt er. Nur eine H

an

dvoll Kunden hätten ihn darauf

an

gesprochen. Denen habe er immer gesagt, dass sie sich selbst um die Steuern kümmern müssten. (Betroffene behaupten das Gegenteil; das wird in den Zeugenvernehmungen noch eine Rolle spielen; die Red.). „Die wollten das netto haben“, sagt der 63-Jährige, „das habe ich ermöglicht.“

Der Richter hakt nach: „Und den Rest haben Sie einbehalten?“ Der Angeklagte: „Genau.“ Der Richter: „D

an

n haben Sie noch ein Nebengeschäft gemacht?“ Der Angeklagte: „So ist es.“ Die „G.-B

an

k“ ist nach den Worten ihres „Eigentümers“ aufgrund des guten Zinssatzes und des Kostenvorteils attraktiv gewesen, weil durch die Bargeschäfte keine Depotgebühren

an

fielen.

Scherer k

an

n bei aller Neutralität nicht verbergen, wie sehr ihm dieses Gebaren aller Beteiligten missfällt. Für ihn ist schwer verständlich, dass kein Kunde nachgefragt hat, auf welchem Konto zum Teil sechsstellige Beträge gel

an

det sind, und sich auch keiner dar

an

gestört hat, dass auf den Dokumenten die Felder mit den erforderlichen Pflicht

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gaben zur Beratung leer waren. „Das war den Kunden egal“, sagt der Angeklagte. Hauptsache, die Zinsen flossen pünktlich und in der vereinbarten Höhe – 1,5 bis drei Prozent über den marktüblichen Sätzen.

Der Vorsitzende macht auch keinen Hehl daraus, was er von dem in allen B

an

ksatzungen geregelten, laut Scherer „ominösen“ Vier-Augen-Prinzip hält: Nicht viel. Jedenfalls d

an

n nicht, wenn es so lax geh

an

dhabt wird wie in heimischen B

an

ken. Bei der Voba L

an

gendernbach wurden die gefälschten Auftragsbestätigungen des Chefs von einem zweiten Mitarbeiter blind unterschrieben, wie G. mitteilt. Scherer verweist nebenbei auf ein am Montag beginnendes Verfahren vor „seiner“ Kammer: Ein Mitarbeiter der Kreissparkasse Limburg, der knapp eine Million veruntreut haben soll, hat das Vier-Augen-Prinzip umg

an

gen, indem er den nicht gesperrten PC seines Kollegen benutzte.

Die Durchsicht der vielen Anlagevorgänge offenbart, dass die strafrechtlich relev

an

ten 176 Untreue-H

an

dlungen zwischen dem 28. Dezember 2009 und dem 11. August 2014 nicht den Gesamtschaden abdecken. „Sie können g

an

z schön froh sein, dass da einiges verjährt ist“, sagt Scherer zu G. gew

an

dt. Der Angeklagte selbst hat Scheingeschäfte in Höhe von 9,8 Millionen Euro aufgelistet und ein Schuld

an

erkenntnis in dieser Höhe abgegeben. In der Anklage geht es „nur“ um gut acht Millionen.

Die Wirtschaftsstrafkammer ist in den renovierten Saal 104 umgezogen, damit die Belege auf zwei Monitoren gezeigt werden können. Erstaunlich, dass sich neben den beiden Söhnen des 63-Jährigen nur ein Zuschauer dafür interessiert. Dabei war es durchaus auch interess

an

t zu sehen, wer so alles sein Geld G.

an

vertraute – und wie viel. Eine heimische Ärztin beispielsweise investierte bei ihm 541 000 Euro; in der Anklage stehen fünf Anlagen im Wert von 401 000 Euro für Zinssätze zwischen 2,875 und 4,25 Prozent. „Sie hatte Erfahrung mit Wertpapieren und hat keine Fragen gestellt“, berichtet der Angeklagte. „Frau . . . hatte es immer eilig. Sie kam kurz ins Büro, hat unterschrieben und fertig.“

Das Prozedere war immer gleich: G. sprach mit den Kunden ab, wie viel sie

an

legen wollten und orderte die Summe ein paar Tage vor dem Termin. D

an

n wurde in seinem Büro der Auszahlungsbeleg unterschrieben, G. holte das Geld

an

der Kasse und steckte es auf dem Rückweg in seine Jackentasche. Die Kunden erhielten später auf offiziellem Voba-Briefbogen mit zwei Unterschriften die Auftragsbestätigung für die Volksb

an

k zum Kauf von Wertpapieren zum Direktgeschäft über die . . . B

an

k . . . Alles lief in bar. „Das war zwingend notwendig, damit mein System nicht aufflog“, sagt der M

an

n.

Fortsetzung am 5. November.

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