Bischof Georg Bätzing
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Bischof Georg Bätzing.

Bistum Limburg

Georg Bätzing - Ein mutiger und fröhlicher Bischof

  • Joachim Heidersdorf
    VonJoachim Heidersdorf
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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz wird 60 Jahre alt. Dieser Geburtstag ist ihm allerdings nicht wichtig. "Geburtstag hat jede Kuh", sagt er.

Limburg - Georg Bätzing hat in den vergangenen Wochen mit mehreren Paukenschlägen aufhorchen lassen - bundesweit und in Rom. Über sich selbst macht der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) dagegen keine großen Worte. Über seinen Sechzigsten will er nicht reden, am liebsten auch nichts hören und lesen. Warum? Bätzing lacht und zitiert ein Sprichwort aus seinem Heimatort Niederfischbach: "Geburtstag hat jede Kuh." Er habe noch nie Aufhebens darum gemacht.

Vor diesem Hintergrund kommen ihm die Corona-Beschränkungen entgegen. Generalvikar Wolfgang Rösch hat seinem Chef allerdings klar gemacht, dass er sich nicht ganz vor der Gratulationstour drücken kann. Am Dienstagmorgen wird es im Bischofshaus ein digitales Geburtstagsfest geben. Am Nachmittag feiert Bätzing in Limburg mit seiner jüngeren Schwester Petra, die ihm am nächsten steht.

"Mir ist es peinlich, als Person im Mittelpunkt zu stehen", sagt Bätzing. Dann werden dem Musikfreund wahrscheinlich auch die uns vorgetragenen Lobeshymnen unangenehm sein.

"Ein ganz feiner und liebenswürdiger Mensch", sagt die Schwester. "Ein idealer, immer freundlicher Nachbar", schwärmen die Anwohner in der Ferdinand-Dirichs-Straße. "Ein super Chef, der seine Mitarbeiter hervorragend motiviert", urteilt Büroleiter Hendrik Matena. "Ein Teamplayer, der Menschen einbezieht und mitnimmt", berichtet Generalvikar Wolfgang Rösch. "Einen besseren Bischof könnten wir uns nicht wünschen", sagt Bistumssprecher Stephan Schnelle. "Ein Segen für das Bistum", betont die Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, als Vertreterin der knapp 600 000 Katholiken von Frankfurt bis in den Westerwald.

Leise im Ton, bestimmt in der Sache

Alle heben neben dem Wirken als Oberhirte die menschlichen Stärken des promovierten Theologen hervor; seine gütige Wärme, erstaunliche Offenheit und ansteckende Fröhlichkeit. Der Westerwälder ist bodenständig und weltoffen, bescheiden und selbstbewusst, leise im Ton und bestimmt in der Sache, ein guter Zuhörer und geschickter Redner. Außerdem sympathisch, besonnen, fleißig und verlässlich. Der Bischof braucht den Kontakt zu Menschen; er sucht und schafft Nähe.

"Ich bin ganz normal", hat der damalige Trierer Generalvikar nach der Ernennung zum Bischof am 7. Juli 2016 bei seinem ersten Besuch in Limburg gesagt. Sein Leben hat sich seitdem grundlegend verändert - sein Charakter nicht. Natürlich stimmt es, was Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Amtseinführung am 18. September 2016 im Limburger Dom erklärt hat: "Die Weihe verändert den Geweihten und seine Umgebung". Bätzing lässt sich das jedoch nicht anmerken. "Georg ist sich hundertprozentig treu geblieben", erklärt Petra Bätzing. "Ich habe ihn noch nie schlecht gelaunt erlebt", sagt Rösch.

Der Bischof radelt weiter von seinem Haus am Fuße des Schafsbergs zum Amtssitz auf den Domberg; er kauft nach wie vor gerne selbst in der Stadt ein, Plaudern inklusive. In der Heimat "schwätzt" er Platt. Zu Terminen in der Umgebung fährt er am Wochenende selbst mit seinem blauen Peugeot 208, sonst chauffiert ihn ein Fahrer in einem grauen Audi A8 mit 150 KW. Für Bätzing lediglich ein bequemer Arbeitsplatz. Wer anfangs dachte, der Verzicht auf die von Protz-Bischof Tebartz konzipierte Luxus-Wohnung im Bischofshaus sei eine symbolische Entscheidung, weiß es längst besser: Das ist nicht die Welt des Eisenbahnersohnes. Vor allem wollte er dort nicht eingemauert sein. Im Einfamilienhaus in einem Wohnviertel fühlt der Single sich richtig wohl. Zur geliebten Gartenarbeit kommt er freilich kaum noch.

Die Veränderung zeigt sich im Terminkalender des Frühaufstehers (6 Uhr). Weniger Zeit, mehr Belastung. Und klar: Die Last der vor einem Jahr durch die Wahl zum DBK-Vorsitzenden noch größer gewordene Aufgabe drückt nicht nur auf die breiten Schultern, sondern zuweilen auch aufs zarte Gemüt. Georg Bätzing wirkt manchmal etwas nachdenklicher, ernster und entschlossener als früher.

Vertrauen zurückgewonnen

Im durch den Finanzskandal tief erschütterten Bistum Limburg hat Bätzing das damals schwierigste Amt in der katholischen Kirche Deutschlands übernommen. Er hat schnell die Wogen geglättet, Vertrauen zurückgewonnen und ein besseres Klima geschaffen. Der Menschenfischer und Brückenbauer ist seinem Wahlspruch "Führe zusammen" gerecht geworden. Bätzings Leistungen und sein ausgleichendes Wesen haben die Amtsbrüder im März 2020 bewogen, ihn zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zu wählen - nach dreieinhalbjähriger Tätigkeit sehr ungewöhnlich. Nun muss der Mann in diesem Gremium zwischen fortschrittlichen Reformern und erzkonservativen Bewahrern moderieren, den Umbruch der katholischen Kirche in Deutschland steuern und sie aus dem Stimmungstief holen.

Typisch für Bätzing: Er hat sich nicht um den prestigeträchtigen Posten beworben; er drängt sich nicht auf, duckt sich aber auch nicht weg, weiß, was er will und traut sich etwas zu.

Als Sprachrohr von 23 Millionen Katholiken in Deutschland findet Bätzing jetzt mehr Gehör, seine Botschaften haben mehr Gewicht. Der Bischof nutzt dies als Chance. In den vergangenen Wochen hat er gleich mehrfach Skeptiker verblüfft. Sein forscher Protest gegen das päpstliche Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare schreckte sogar den Vatikan auf. In der Osterpredigt kritisierte der Bischof deutlich den mangelnden Reformwillen der katholischen Kirche, die durch erstarrte Strukturen und mangelnde Veränderungsbereitschaft vielen den Zugang zum Glauben blockiere. Mit der in den meisten Diözesen schleppenden Aufarbeitung des Missbrauchsskandals geht Bätzing ebenfalls scharf ins Gericht - und in Limburg mit bestem Beispiel voran.

"Der Bischof ist sehr mutig", lobt Hannelore Schillai. "Er ist sehr direkt, kämpft ohne Visier, ist angst- und tabufrei", erklärt Wolfgang Rösch. "Er lebt nicht in Schemen, sondern in dem, was er glaubt".

Kirchen-Kurs auf Zukunft

Deshalb will Bätzing sich nicht von seinem Kurs auf dem Synodalen Weg abbringen lassen: Mit Laienvertretern auf Augenhöhe über Macht, Sexualmoral, priesterliche Lebensformen und die Stellung der Frau in der katholischen Kirche zu diskutieren und diese Themen der Lebenswirklichkeit anzupassen. "Ich möchte den Kern der Kirche bewahren. Aber ich möchte auch, dass die Botschaft Menschen erreicht.", verkündet der Oberhirte. "Wir müssen mit der Zeit gehen, ohne dem Zeitgeist hinterherzuhecheln", lautet seine Devise. "Ich fühle mich als Seelsorger aus tiefstem Herzen", sagt der Theologe, der nie etwas anderes werden wollte als Priester.

Was wünscht er sich zum 60. Geburtstag? "Dass diese Pandemie möglichst bald vorbei ist", sagt Bätzing spontan. Er denkt kurz nach, schaut von seinem Schreibtisch aus nach rechts auf das Altarretabel mit dem Heiligen Josef und dem Jesuskind und nach links durch das Fenster auf den Dom und ergänzt: "Dass die Veränderungsprozesse in der Kirche so gut gelingen, dass wir näher bei den Menschen sind und wieder mehr für den Glauben begeistern".

An Georg Bätzing wird es nicht scheitern.

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