Glück gehabt: Gerettete Jungtiere der Kitzrettung Rheingau-Taunus.
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Glück gehabt: Gerettete Jungtiere der Kitzrettung Rheingau-Taunus.

Tiere bedroht

Retter vor dem Mähdrescher – Rehkitz-Helfer in Limburg gesucht

  • vonRobin Klöppel
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23 Personen sind derzeit bei der Kitzrettung Linter aktiv. Kostenlos suchen sie die Felder von Bauern ab, um Rehkitze vor dem Tod durch den Mähdrescher zu retten.

Limburg – Die Kitzrettung Linter hat ein zufriedenstellendes erstes Jahr hinter sich. Wie die Gründerin Ingrid Fischer berichtet, seien fünf erste Einsätze auf Feldern in Limburg und Elbtal absolviert worden. In der Gruppe seien aktuell 23 Personen aktiv, so die 64-Jährige. Auf den ersten Aufruf über die Zeitungen hätten sich im vergangenen Jahr 30 Personen gemeldet, von denen aus Zeitgründen aber wieder der eine oder abgesprungen sei.

Von daher würde sich Fischer, die die Intiative zusammen mit Dorothee Beil und Anja Bodenbach leitet, freuen, wenn sich noch zusätzliche ehrenamtliche Helfer finden würden. Das möglichst, bevor die Kitzsaison wieder in die heiße Phase geht. Denn es könne sein, dass kurzfristig mehrere Aufträge für denselben Tag hereinkommen würden, erläutert die Lintererin. Denn die Landwirte müssten für das Mähen das passende Wetter abwarten, könnten nicht lange im Voraus planen. Folglich möchte die Kitzrettung Linter personell gewappnet sein, um spontane Unterstützungsbitten nicht absagen zu müssen.

Limburg: Kitzretter im gesamten Landkreis im Einsatz

Fischer berichtet, dass es der Gruppe nicht nur in Linter darum gehe, junge Kitze vor dem Tod durch Mähmaschinen zu retten. Prinzipiell könnten Landwirte und Jagdpächter aus dem gesamten Landkreis Limburg-Weilburg die Gruppe ansprechen. Die Kitzretter kommen dann kostenlos vorbei und suchen die entsprechenden Felder ab, bevor der Landwirt mit dem Mähen beginnt.

"Größere Kitze können selbst fliehen", sagt Fischer. Kleinere Jungtiere hingegen würden sich ducken und versuchte sich durch regungsloses Verharren am Boden vor Feinden zu schützen. Doch bei Mähmaschinen sei dies natürlich die komplett falsche Strategie, führe das häufig zu schweren Verletzungen oder dem Tod. Ein solcher Fall hat auch dazu geführt, dass Ingrid Fischer begann, sich zu engagieren. Von ihrem Haus am Linterer Ortsrand geht sie viel in Feld und Wald spazieren. Ihr fiel dabei öfter ein Reh auf, das im Feld stand. Von daher war der Lintererin schnell klar, dass dort auch ihr Kitz liegen müsse. Eines Tages kam Fischer wieder vorbei, doch das Feld war abgeerntet und das Kitz tot.

Kitzretter kritisieren: Wenig Unterstützung vom Bauernverband Limburg

Fischer berichtet, dass es eigentlich die Pflicht eines Landwirtes sei, die Felder vor dem Mähvorgang abzusuchen. Doch viele Landwirte hätten eben große Flächen und wenig Zeit, so dass die Realität eben manchmal eine andere sei. Ingrid Fischer findet es darum schade, dass es trotz Telefonaten mit dem Kreisbauernverband noch nicht möglich gewesen sei, die Arbeit der Kitzretter mal auf einer Sitzung des Bauernverbandes vorzustellen.

Die Gruppe habe den Bauernverband auch darum gebeten, Flyer an die Mitglieder zu verteilen und Infos über die Gruppe auf die Verbands-Webseite zu stellen. Fischer verspürt jedoch bis heute vom Kreisbauernverband wenig Unterstützung. Dabei gehe es ja gar nicht darum, die Landwirte bei ihrer Arbeit zu behindern. Vielmehr würden die Kitzretter ihnen eine Menge Arbeit abnehmen, wenn sie teilweise schon frühmorgens auf den Feldern unterwegs seien, um diese nach Kitzen abzusuchen. Einige Landwirte seien auf die Kitzrettung zugekommen. Alle seien, so Fischer, mit der Arbeit sehr zufrieden.

Sondergenehmigung des Gesundheitsamtes für die Suche nach Rehkitzen auf Limburger Feldern

Die Lintererin ist glücklich, wenn Landwirte vorurteilsfrei mit ihr kooperieren und anschließend Lob wie "Ihr seid echt eine tolle Truppe" kommt. Wie die 64-Jährige berichtet, gebe es aber auch Menschen mit Vorurteilen. So musste sie sich auch schon Sätze wie "Mädchen, mach' keinen Blödsinn und auf Tierretter" anhören. Dabei gebe es in Deutschland längst viele etablierte Kitzrettergruppen, gerade in Süddeutschland. Von daher kann Ingrid Fischer Landwirte und Jagdpächter der Region nur bitten, sie ohne Vorurteile zu kontaktieren. So solle die Kitzrettung Linter beispielsweise künftig ein größeres Gebiet in Ahlbach und einem Teil der Stadt Hadamar neu betreuen.

Im ersten Jahr ihrer Arbeit konnten die Kitzretter noch kein Kitz retten, da auf den abgesuchten Feldern keins zu finden war. Trotz Corona-Lockdowns haben die Kitzretter für die Saison 2021 laut Fischer eine Sondergenehmigung des Kreisgesundheitsamtes für Limburg-Weilburg bekommen. Sie müssen beim Begehen der Felder in Reihen eben nur untereinander Abstand halten und Masken tragen. Wie Fischer berichtet, müssen die Helfer zudem Handschuhe tragen, da auf keinen Fall bei Umsetzen eines Rehkitzes Menschengeruch an das Tier kommen darf, da es sonst die Ricke nicht mehr annehmen würde. Wenn ein Auftrag hereinkommt, teilt Fischer das den Aktiven über ihre WhatsApp- und Facebook-Gruppe umgehend mit.

Limburger Gruppe auf der Suche nach mehr Mitstreitern

Im Helferpool zu sein, bedeutet aber natürlich keine Pflicht, bei jedem Einsatz kommen zu müssen. Bisher hat Fischer immer noch genügend Mitstreiter gefunden. Laut ihr macht die Arbeit in der Gemeinschaft viel Spaß, manchmal ist sie aber auch anstrengend. Dann beispielsweise, wenn man in praller Sonne mehrere Stunden auf großen Flächen mit hohem Bewuchs unterwegs ist. Landwirte, Jagdpächter oder potenzielle Kitzretter können Ingrid Fischer unter (0 64 31) 4 18 13 oder 01 76/72 82 14 18 oder E-Mail eddi.fischer@t-online.de kontaktieren. Weitere Infos sind auf www.facebook.com/KitzrettungLinter zu finden. (Robin Klöppel)

Spezielle Drohnen sollen in Zukunft das Aufspüren der im Feld versteckten Rehkitze erleichtern. Rehe werden nicht nur Opfer von Mähdreschern. Vor zwei Jahren verloren zwei Jungtiere ihre Mutter wegen einem Auto. Für die beiden Rehkitze nahm es jedoch noch ein gutes Ende.

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