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Gerichtsurteil in Limburg

Gestohlenes Geld an einem Abend verprasst

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Glück im Unglück hatten drei Angeklagte im Alter von 23 und 24 Jahren. Ein ursprünglich angeklagter Raub beziehungsweise Beihilfe dazu wertete Strafrichter Harro Marschall von Bieberstein als Diebstahl.

Glück im Unglück hatten drei Angeklagte im Alter von 23 und 24 Jahren. Ein ursprünglich angeklagter Raub beziehungsweise Beihilfe dazu wertete Strafrichter Harro Marschall von Bieberstein als Diebstahl. Zwei Männer wurden zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt. Der dritte bekam eine satte Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 56 Euro.

Ausgangspunkt der Tat war am 4. Mai vergangenen Jahres die Konrad-Kurzbold-Straße in Limburg, unweit der alten Lahnbrücke. Im Zuge eines Streits entriss der älteste der drei Angeklagten seiner Freundin die Handtasche und schütte den Rest einer Whiskyflasche über sie. Wenig später kamen die beiden anderen Angeklagten sowie ein vierter Mittäter ins Spiel, der erst kürzlich wegen Raubes zu einer deftigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Einer der Männer entnahm die Euroscheckkarte aus der Handtasche und hob von einem Geldautomaten 980 Euro ab. Mit dem Geld wurde ein Auto vollgetankt, die Herren spendierten sich ein Essen in einem Schnellrestaurant, und große Teile des Barbetrags wurden in einer Spielhalle in Bad Camberg verspielt. Schließlich nahm einer der Männer auf der Rückfahrt in Eschhofen noch die Dienste einer Prostituierten in Anspruch. Danach war das Geld weg, die Scheckkarte wurde zerbrochen.

Die Freundin des Handtaschendiebs beteuerte im Zeugenstand die Liebe zu ihrem „Angebeteten“ und sagte, sie habe sich nicht vorstellen können, dass ihr Freund zu solch einer Tat fähig sein würde. Die Tasche sei ihr nicht, wie sie bei der Polizei angegeben hatte, entrissen worden, sondern ihr Freund habe sie entwendet, als sie auf dem Boden stand. Der mit der Zeugin befreundete Angeklagte sagte, der Streit sei deshalb entstanden, weil ihn seine Freundin mit einem anderen Mann betrogen habe. „Ich wollte sie bestrafen“, sagte er.

Bei der Erörterung der Vorstrafen wurde deutlich, dass vor allen Dingen einer der angeklagten 23-Jährigen kein unbeschriebenes Blatt bei Polizei und Justiz ist. Der junge Mann wurde unter anderem 2008 wegen Raubes und mehrfacher gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Dem Mann wurde eine Serie von Verbrechen, meist unter Mittäterschaft anderer, zur Last gelegt.

Die Täter hinterließen damals im Landkreis Limburg-Weilburg und im Rhein-Lahn-Kreis eine Spur der Gewalt. In Anbetracht der unterschiedlichen Aussagen von Angeklagten und zwei Zeuginnen sagte der Vorsitzende Marschall von Bieberstein, dass die Prozessbeteiligten wieder einmal eine Vorstellung abgegeben hätten, die von Dreistigkeit und Respektlosigkeit kaum zu überbieten sei. Es sei „allerunterste Schiene“, wenn sich jeder Streit zwischen zwei Liebenden zu einer Straftat entwickele. Der Richter schloss nicht aus, dass zumindest einer der Angeklagten Druck auf das Opfer ausgeübt habe. „Die Zeugin stand am Rande einer Falschaussage“, sagte Marschall von Bieberstein.

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