Der Sektionsleiter Intensivmedizin des Limburger Krankenhaus, Mehdi Afscharian (links) im Gespräch mit Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, Christoph Bühler.
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Der Sektionsleiter Intensivmedizin des Limburger Krankenhaus, Mehdi Afscharian (links) im Gespräch mit Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, Christoph Bühler.

Auswirkungen der dritten Welle

Corona im Kreis Limburg-Weilburg: Große Sorge in den Krankenhäusern

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  • Stefan Dickmann
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Die Intensivstationen in den Kliniken im Landkreis Limburg-Weilburg sind voll. Die Corona-Patienten werden immer jünger. Und es werden wohl noch mehr werden.

Limburg - Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Limburg-Weilburg steigt immer weiter. Ihre Zahl pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen, also die Inzidenz, ist am Donnerstag erstmals seit Dezember wieder über die Marke von 300 gestiegen. Die dritte Welle wirkt sich nun auch auf die Krankenhäuser im Kreis aus, wobei die Zahlen von Januar zum Glück bisher noch nicht wieder erreicht werden.

"Wir sind in großer Sorge", sagt der Ärztliche Direktor des Limburger St.-Vincenz-Krankenhauses Dr. Michael Fries und appelliert an die Bevölkerung, sich an die Corona-Regeln zu halten, um eine Überlastung der Intensivstationen und der Krankenhäuser zu verhindern.

Krankenhäuser im Kreis Limburg-Weilburg: Immer mehr junge Leute erkranken an Corona

Was Fries auch besorgt, ist, dass zunehmend jüngere Menschen im Alter von 20 bis 50 Jahren wegen einer Covid-19-Erkrankung im St. Vincenz behandelt werden müssen. Am Freitag waren es insgesamt 21 Corona-Patienten, davon zwölf auf der Intensivstation, von denen wiederum fünf beatmet werden mussten.

Noch aber hat das Krankenhaus die Zahl der Intensivbetten nicht wieder aufgestockt, wie es etwa im Dezember und Januar der Fall war. Allerdings sind nun alle 24 Betten belegt, so dass es schnell wieder so weit kommen kann. "Wir könnten auf 40 erweitern", sagt Krankenhaus-Sprecherin Nicola von Spee. Beatmet werden kann übrigens mittlerweile an allen 24 Intensivbetten, vor der Pandemie war das an 18 der Fall.

Corona: Patienten droht bei steigenden Zahlen Verlegung in andere Krankenhäuser

Wenn die Zahlen im Landkreis weiter steigen, kann es auch sein, dass "Patientinnen und Patienten in andere Kliniken des Versorgungsgebiets 5 verlegt werden müssen, um etwaige Zuspitzungen zu entschärfen", sagt Nicola von Spee. "Für die unterschiedlichsten Szenarien einer etwaigen eskalativen Lage sind wir mit abgestuften Konzepten vorbereitet." Im Versorgungsgebiet 5 mit zehn Kliniken und den Vertretern der Gesundheitsämter aus drei Kreisen (Limburg-Weilburg, Wiesbaden und Rheingau-Taunus) gebe es wie in den Monaten zuvor regelmäßige Konferenzen. "Wir profitieren hier von enger Rückkoppelung und offenem Austausch, die gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse fließen unmittelbar in unsere klinikinternen Vorgaben ein."

Von einer "sehr angespannten Situation" auf der Intensivstation des Kreiskrankenhauses Weilburg spricht der Ärztliche Direktor Dr. Joachim Sturm. Alle zehn Betten seien derzeit belegt, unter ihnen zehn Covid-Patienten, die von den anderen isoliert werden müssen und auch alle beatmet werden. Operationen, die planbar sind, würden bereits verschoben, macht Sturm auf die Praxis einer sogenannten "weichen Triage" aufmerksam. In jedem Fall werde die Dringlichkeit von Operationen geprüft und dann entschieden, so Sturm. Manche Covid-Patienten müssten auch an andere Kliniken abgegeben werden, weil zum Beispiel das Krankenhaus in Weilburg über keine künstliche Lunge verfüge. Umgekehrt würden in Weilburg auch Patienten aus dem benachbarten Westerwaldkreis aufgenommen, so Sturm.

Krankenhäuser: Weniger Patienten sterben, Impfungen machen sich bemerkbar

Im Unterschied zur Situation vor einigen Monaten seien die Intensivpatienten mit Covid-19 länger in Behandlung und auch jünger. "Hier macht sich der Fortschritt bei den Impfungen bemerkbar, das Durchschnittsalter sinkt, und es sterben nicht mehr so viele Patienten", erklärt der Mediziner. Doch nicht nur auf der Intensivstation nehme die Zahl der Patienten mit Corona-Infektion zu. Auch auf der "Normalstation" füllten sich die Betten. Wobei die Verweildauer dort deutlich kürzer sei.

Im Klinikum Weilmünster seien derzeit alle 18 verfügbaren Betten der Intensivstation belegt, berichtet Klinikdirektor Dr. Christoph Best. Von diesen Patienten sind sechs intensivmedizinische Covid-Patienten. Insgesamt zehn Patienten werden beatmet, fünf davon sind Covid-Patienten. "Insgesamt versorgen wir derzeit neun Covid-Patienten in der Vitos-Klinik für Neurologie Weilmünster", so Best, der Lage als "deutlich kritisch" einordnet.

Krankenhäuser rechnen mit steigenden Corona-Infektionen und mehr Patienten

Die stationäre Belegung mit Covid-Patienten spiegele in der Regel die Infektionslage von vor drei bis vier Wochen wider. Da seitdem die Zahlen gestiegen seien, rechne er in den kommenden Tagen und zwei bis vier Wochen mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen und mit einer Zuspitzung der Situation. "Wir beobachten zudem, dass die aktuellen Covid-Patienten jünger sind, weniger Vorerkrankungen haben und es dennoch schwere Verläufe gibt. Deshalb werden sie wesentlich länger behandelt und binden folglich länger Kapazitäten", sagt Best. Generell sei der allgemein-medizinische Versorgungsdruck höher als in der zweiten Welle, so dass insgesamt weniger Ressourcen zur Verfügung stünden. Das Risiko eines Personalengpasses bleibe trotz fortschreitender Impfung bestehen. (Stefan Dickmann/Rolf Goeckel/Sebastian Semrau)

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