Ein feierlicher Moment. Dompfarrer Gereon Rehberg und der stellvertretende Vorsitzende des Pastoralauschusses, Ulrich Heun (links), überreichen den Vertretern der Kirchorte jeweils eine Kerze als Symbol für die neue Gemeinschaft.
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Ein feierlicher Moment. Dompfarrer Gereon Rehberg und der stellvertretende Vorsitzende des Pastoralauschusses, Ulrich Heun (links), überreichen den Vertretern der Kirchorte jeweils eine Kerze als Symbol für die neue Gemeinschaft.

Gemischte Gefühle unter Limburgs Katholiken

Großer Anlass und nüchterner Gottesdienst

Kein Friede, Freude, Eierkuchen beim Auftakt zur Gründung der Pfarrei neuen Typs

"Guter Gott, wir bitten für die katholische Kirche in Deutschland, dass sie bei notwendigen Veränderungen die jeweiligen Gemeindemitglieder frühzeitig integriert und beteiligt." Die Fürbitte, die die Vorsitzende des St. Georg-Pfarrgemeinderats, Dr. Adelheid Rauch, während des Auftaktgottesdienstes zur Gründung der Pfarrei neuen Typs vorbetete, war sicher nicht nur für Gottes Ohren bestimmt. Allzu tief sitzt die Enttäuschung der Mitglieder der Dompfarrei über die anstehenden Neuerungen, von denen sie zum Teil erst aus der Zeitung erfahren haben.

Keine Zerschlagung,

sondern Aufbruch

Der Gottesdienst im St. Georgs-Dom am Wochenende war der erste Schritt zur Pfarreiwerdung im pastoralen Raum Limburg. Aus zehn ehemaligen Pfarreien, darunter die Dompfarrei St. Georg, St. Antonius (Eschhofen), St. Hildegard (Limburg), St. Jakobus (Lindenholzhausen), St. Johannes (Elz), St. Josef (Staffel), St. Lubentius (Dietkirchen), St. Marien (Limburg), St. Nikolaus (Dehrn) und St. Servatius (Offheim), wird künftig eine einzige, nach dem Motto "Aus zehn mach eins".

Dompfarrer Gereon Rehberg las aus dem 1. Korintherbrief, in dem es um die in Jesus Christus begründete Einheit der Gemeinde geht. Er bemühte sich, den Gottesdienstbesuchern die Notwendigkeit der Pfarreiverschmelzung vor Augen zu führen und sprach von den Erfordernissen der Zeit, da die Katholiken im pastoralen Raum stark abgenommen haben und Mangel an hauptamtlichem Nachwuchs in der Seelsorge herrsche. Die Kirche lebe mehr und mehr vom ehrenamtlichen Einsatz normaler Christenmenschen. Es ginge hierbei aber nicht um Zerschlagung, sondern um einen gemeinsamen Aufbruch. Er dankte den Anwesenden dafür, dass sie diesen Prozess mittragen, besonders der Pastoralausschuss, der sich um die Ausarbeitung wichtiger Eckpfeiler der neuen Pfarrei kümmert.

Trotz aller Bemühungen des Pfarrers und des großen Anlasses war der Gottesdienst erstaunlich nüchtern. Der festliche Charakter fehlte, obwohl Organist Carsten Igelbrink die Stunde musikalisch untermalte und aus allen beteiligten Pfarreien, die jetzt Kirchorte genannt werden, Seelsorger und Gläubige gekommen waren und den Gottesdienst zum Teil auch mitgestalteten. Der zweite Vorsitzende des Pastoralausschusses, Ulrich Heun (St. Nikolaus, Dehrn) begrüßte und versuchte ebenfalls, den Anwesenden Mut für den gemeinsamen Weg zu machen. Eingeladen war die Italienische Gemeinde, die, ebenso wie alle zehn neuen Kirchorte, eine Kerze als Symbol "Aus zehn mach eins" überreicht bekam.

Vielleicht wäre die Stimmung im Gottesdienst festlicher geworden, wenn die Kerzen entzündet worden wären oder der Bischof, der Weihbischof oder der Generalvikar dabei gewesen wären. Die Gottesdienstbesucher hätten das sicher als Zeichen der Einheit und der Wertschätzung gedeutet.

Dicke Luft

auf dem Domplatz

So hatte man nach dem Gottesdienst den Eindruck, dass dicke Luft auf dem Domplatz lastete. Dabei kristallisierte sich heraus, dass die "Pfarrei neuen Typs", die voraussichtlich Dompfarrei St. Georg heißen wird (der Dom bleibt Pfarrkirche, Gereon Rehberg leitender Pfarrer), längst akzeptiert wird.

Die Menschen sind aber unglücklich über die räumlichen und pastoralen Veränderungen, die der Prozess nach sich zieht. "Ich bin entsetzt, dass unser schönes Pfarrhaus so zweckentfremdet werden soll", sagt Brunhilde Schwind-Müllers von der Dompfarrei. Sie habe selbst in Chören gesungen und sei im Förderverein für die Domsingknaben - aber warum der Pfarrer deshalb ausziehen müsse, sei ihr unverständlich. Platz für die Musik gebe es im Schloss genug, und das Pfarramt gehöre doch zur Pfarrkirche, ebenso wie der Pfarrer. Bedenken hat sie auch wegen der Menge an Touristen, die täglich das Wahrzeichen von Limburg besuchen. "Wenn die ganzen Kinder hier täglich hingebracht und abgeholt werden müssen und zudem ständig die Räume wechseln, wird es für Anwohner und Touristen sehr schwierig."

Moslem Dr. Mathias Schirmmacher wohnt auf dem Domberg. Sein Vater, Architekt Dr. Ernst Schirmacher, hat einst mit Weitblick und seinem Können dafür gesorgt, dass das Gesicht der Altstadt bewahrt und zu einem kleinen Juwel wurde. Sein Sohn wehrt sich gegen den geplanten Bau eines Pavillons im Pfarrgarten. "Solch ein Ensemble, wie wir es hier oben haben, darf man doch nicht zerstören."

Auch Marlies Hering aus Elz, die die Hauswirtschaftsschule im Schloss besucht hat, schüttelt nur den Kopf. "Ich kenne jeden Winkel im Schloss - da ist doch mehr als genug Platz für die Chöre." Ideen gibt es genug. "Wenn zum Beispiel das Stadtarchiv in die leerstehenden Räume der Stadt ziehen würde, wäre es für die Bürger viel leichter erreichbar, und die Dommusik wäre im Schloss ideal gebündelt", meinte einer der Gottesdienstbesucher. Gewünscht wird auch von vielen, dass die "Kirche im Dorf" bleibt. Die Pfarrverwaltung am Stadtrand will sich keiner so recht vorstellen, ein Pfarrhaus ohne Pfarrer schon gar nicht. "Hier sind Entscheidungen gefallen, ohne die Ehrenamtlichen miteinzubeziehen. Man sollte noch einmal versuchen, miteinander zu reden.", hofft Marianne Ax-Vorndran von der Domgemeinde. Vielleicht kann ja der heilige Georg noch helfen. Er ist einer der 14 Nothelfer und steht sowohl für Veränderungen als auch für gelebten Glauben.

anette in concas

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