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Solche Vorgärten möchten die Grünen in Limburg künftig nicht mehr sehen.

Umweltschutz

"Leblos und lieblos": Drastisches Nein zu Steingärten in Limburg

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Stein- und Schottergärten sind deutschlandweit in der Diskussion, auch im Kreis Limburg-Weilburg. Die Grünen machten nun bei einem Diskussionsabend ihre Position klar.

Limburg - Der Kreisverband Limburg-Weilburg und Ortsverband Limburg der Grünen hatten für Donnerstagabend zu einer Diskussion zum Thema "Steinwüsten oder lebendige Vorgärten?" in den Clubraum der Stadthalle Limburg eingeladen. Welche Alternative die heimischen Grünen bevorzugen, war natürlich klar. Dr. Sebastian Schaub hatte für die Limburger Grünen-Stadtverordnetenfraktion bereits im Stadtparlament einen Antrag zu dem Thema gestellt. Gerade ist der Magistrat dabei, zu prüfen, was man tun kann, um künftig Stein- und Schottergärten so weit wie möglich in der Kreisstadt zu verhindern.

Grüne zu Steingärten in Limburg: "Wieder in Grünflächen umwandeln"

"Wir wollen auch Anreize schaffen, dass solche Gärten wieder in Grünflächen umgewandelt werden", sagte Schaub. Gut findet er es, dass in Limburg anscheinend alle Fraktionen Interesse daran hätten, zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Viele Bürger würden in der Annahme, weniger Pflegeaufwand betreiben zu müssen, Steingärten anlegen. Doch nach ein paar Jahren merkten sie dann, dass zwischen den Steinen auch Pflanzen sprießen würden und der Pflegeaufwand am Ende gar nicht geringer sei.

Ziel der Grünen sei es, dass auf Privatgrundstücken künftig nur noch Flächen versiegelt werden sollten, die auch unbedingt versiegelt werden müssten, sagte Schaub. Es gebe bereits jetzt schon gesetzliche Handhabungen, so der Grünen-Fraktionschef. Beispielsweise stehe in der Hessischen Bauordnung, dass mindestens 40 Prozent der nicht bebauten Grundstücksfläche grün bleiben müssten. Zudem gebe es eine Vorgabe, keine Flächen grundlos zu versiegeln.

Steingärten in Limburg bringen Nachteile

Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU) habe, so Schaub, zwar erklärt, dass Steingärten mit wasserdurchlässigen Folien nicht als Versiegelung angesehen werden könnten. Er selbst habe aber mit Fachleuten gesprochen und andere Auskunft bekommen. Zudem könne die Stadt, wie andere hessische Kommunen es vorgemacht hätten, eine Vorgartensatzung erlassen, in der festgelegt werden könne, dass in privaten Vorgärten Steingärten in Limburg in Zukunft nicht mehr zulässig seien.

Kreisvorstandsmitglied Wolfgang Lippe ergänzte, dass es aber aktuell das große Problem in Limburg sei, dass nach einer Bauabnahme Privatgrundstücke der Bürger von der Verwaltung nicht mehr nachkontrolliert würden. Wenn also später jemand seinen kompletten Garten versiegele, falle das in der Regel niemandem im Rathaus auf. Auch Schaub spricht sich dafür aus, dass städtische Mitarbeiter, wenn sie unterwegs seien, auf solche Verstöße mit achten sollten.

Die Limburger Landschaftsarchitektin Sabine Kraus machte deutlich, welche Nachteile Steingärten mit sich brächten. Kraus hält sie "für leblos und lieblos". Sie sprach von verminderter Lärmabsorption, einer Bodenaufheizung und einer erheblichen Einschränkung des Lebensraumes für Pflanzen und Tiere. "Es findet auch eine Verarmung des Bodenlebens durch Vlies und Folienabdeckung statt", sagte Kraus. Durch die Zerstörung von Lebensräumen gebe es enorme Verluste von Arten in der gesamten Nahrungskette. Nahrungsquellen für Insekten, Igel, Vögel und Fledermäuse würden durch Steingärten verschwinden, auch Unterschlupf- und Brutmöglichkeiten.

Steingärten in Limburg: Grüne wollen Bürger sensibilisieren

Durch die starke Bodenaufheizung durch die Steine erhöhe sich außerdem der Schädlingsbefall mit Spinnmilben und Schildläusen. Dadurch würden die Bürger dann chemische Bekämpfungsmittel einsetzen, mit weiterer negativer Wirkung auf Artenvielfalt und auch Trinkwasser. Kraus sagte, begrünte Flächen würden sich essenziell auf die Luftqualität in dicht besiedelten Bereichen auswirken. Pflanzen würden Feinstaub binden, Sauerstoff- und Kaltluft produzieren.

Die ehemalige Landtagsabgeordnete Senta Seip sagte, sie sei Leuten nicht böse, die Arbeit sparen wollten, aber schlecht beraten worden seien. Sie selbst findet Steingärten scheußlich und sagte, dass es auch Ziersträucher mit sehr geringem Pflegeaufwand gebe. Die Stadt müsse zudem auch mal die Bürger anschreiben und für das Thema sensibilisieren.

"Wenn man Leuten in privaten Gärten Vorschriften machen will, gehen viele gleich hoch", sagte BUND-Kreisvorsitzender Gerd Zimmermann. Es gehe eher darum, die Leute anzusprechen und zu überzeugen, Gärten wieder naturnäher zu gestalten. Wenn jemand aber Vorschriften verletze und völlig uneinsichtig sei, dann müsse man aber irgendwann auch mal härtere Maßnahmen ergreifen, sagte er.

In Limburg hat ein 25-Jähriger in der Kreisverwaltung randaliert und Mitarbeiter angegriffen. Die Polizei musste eingreifen. Zwei Männer geraten auf dem Parkplatz einer Klinik in Limburg aneinander. Einer steigt in seinen SUV und fährt gegen den Rollstuhl des anderen.

Ein anderes Thema das Limburg bewegt ist das Schicksal von Leona Michel. Die 22-Jährige hat Krebs. Alle Therapien schlugen fehl. Jetzt blickt sie dem Tod ins Auge. Und bleibt dennoch lebensfroh. RTL II zeigt eine Dokumentation über die junge Frau.

Von Robin Klöppel

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