Kolpinghaus

Grundeinkommen als Lösung?

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Über das Bedingslose Grundeinkommen ist im Kolpinghaus diskutiert worden. Die Positionen waren sehr unterschiedlich.

Das Jugendforum (JuFo) aus dem Rhein-Lahn-Kreis hat im Limburger Kolpinghaus mit Befürwortern und Gegnern des Bedingungslosen Grundeinkommens leidenschaftlich diskutiert. Dabei ging es darum, ob dies ein Modell für Deutschland sein könnte. Wenn jeder vom Kind bis zum Senior jeden Monat ohne eigene Arbeit die Grundkosten fürs eigene Leben vom Staat gedeckt bekommen würde, wäre das dann eine gerechtere Gesellschaft?

Der Mitinitiator der Diskussionsrunde, Thorsten Janning, sagte, Ziel sei es, die Diskussion des Themas in eine breite Öffentlichkeit zu bringen. Philipp Jacks als Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) warnte gleich zu Beginn aber: „Ein System des Bedingungslosen Grundeinkommens wäre weder einfach noch gerecht. Die existierenden Sozialsysteme sind gerechter.“ Jacks führte an, dass wenn alle dasselbe bekämen, das etwa für Singles ungerecht wäre, die sich nicht mit einem Partner die Wohnungsmiete teilen könnten. Es wäre aber auch für diejenigen seiner Meinung nach ungerecht, die mit hohen Mieten in Frankfurt leben müssten, während die Bevölkerung auf dem Land mit deutlich weniger Geld auskommen könnte.

Ein zweites Mitglied der Diskussionsrunde, der Student Nils-Josef Hofmann, zeigte sich ebenfalls kritisch. Er glaubt, dass ein solches System schwierig zu finanzieren sei. Und er sei skeptisch, was die Eigenverantwortung der Bürger angehe. Würde jeder weiterhin so motiviert morgens zu seiner Arbeit gehen, wenn er den Verdienst nicht mehr zum Überleben benötigt?

Dennis Sturm hingegen wäre glücklich gewesen, wenn er in der Gründungsphase seines Unternehmens ein solches Grundeinkommen gehabt hätte, das ihm durch die schwere Anfangszeit geholfen hätte. Sturm würde sich wünschen, jeder hätte in Deutschland dieselbe Chance und es würden nicht länger Erben von Unternehmen durch niedrigere Erbschaftssteuern gegenüber innovativen Existenzgründern wie ihm bevorzugt.

Ines Jancar war als Vertreterin des Bündnisses Grundeinkommen dabei. Sie würde es befürworten, weil es für die Menschen existenzsichernd, aber auch teilhabefördernd wäre. Das heißt, die Bürger hätten ohne den Zwang möglichst viel verdienen zu müssen, wieder mehr Freiheiten, Dinge zu tun, die ihnen wichtig sind. Sie könnten wieder mehr ehrenamtlich im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich tätig sein und sich mehr um die eigene Familie kümmern, wie Thomas Diekmann von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) Limburg als weiterer Grundeinkommen-Befürworter sagte. Er sprach von 823 Euro als Diskussionsgrundlage. Ein Gast aus dem Saal warf ein: „Laut Studien benötigt man 1096 Euro im Monat, um nicht in Armut abzurutschen.“ Jacks sagte, ein Mensch, der in Frankfurt lebe, liege darüber. Es müssten die Wohnraumkosten im Wohnort der Betroffenen auch eine Rolle spielen.

Auch Hofmann meinte, es sei nicht einfach, eine wirklich gerechte Lösung zu finden. Denn Pendler wohnten vielleicht ohne hohe Miete auf dem Land, hätten dann aber täglich zur Arbeit höhere Fahrtkosten. Ein Gast warnte: „Wenn jeder ein Grundeinkommen hat, würde das nicht die Arbeitgeber dazu bringen, den Mitarbeitern weniger zu zahlen?“ Ein anderer entgegnete, dass im Gegenteil die Arbeitgeber mehr für weniger attraktive Berufe zahlen müssten, weil die Leute ja keinen Druck mehr zum Geld verdienen hätten.

Ein anderer meinte, die meisten Leute seien so gestrickt, dass sie arbeiten wollten. Es gehe dabei nicht nur ums Geld, sondern auch einen geregelten Tagesablauf und Wertschätzung. Jancar erklärte, das Grundeinkommen mit jährlichen Kosten von einer Billion Euro sei finanzierbar, da der Staat aktuell für bestehende Sozialleistungen sowieso schon 960 Milliarden Euro ausgebe. Jacks warnte, dass dafür aber deutliche Steuererhöhungen nötig würden.

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