Erstmals nach 15 Jahren wurde das Anschlussgleis des Dyckerhoff-Zementwerkes in Wiesbaden-Amöneburg im November 2020 wieder bedient. Damit wären auch Kalktransporte aus dem Aartal über den Bahnhof Wiesbaden Ost durchführbar.
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Erstmals nach 15 Jahren wurde das Anschlussgleis des Dyckerhoff-Zementwerkes in Wiesbaden-Amöneburg im November 2020 wieder bedient. Damit wären auch Kalktransporte aus dem Aartal über den Bahnhof Wiesbaden Ost durchführbar.

Ein umweltfreundlicher Transportweg im Nassauer Land

Gütertransporte als Chance für die Aartalbahn

Weniger Schwerverkehr durch Limburg und das Aartal möglich

Mehr als 15 Jahre lang wurde der Gleisanschluss der Dyckerhoff GmbH für das Werk in Wiesbaden-Amöneburg nicht mehr genutzt. Ende 2020 erfolgte die erste Bedienung, die als Auftakt für die Ausweitung der Zusammenarbeit von Dyckerhoff mit dem Eisenbahn-Unternehmen Rhein Cargo gesehen wird. Die Dyckerhoff GmbH - als internationaler Hersteller von Zement und Transportbeton - hatte früher eigene Kalksteinbrüche im Aartal und ist seit vielen Jahrzehnten ein Kunde der Firma Schaefer Kalk, die in Hahnstätten zwei große Steinbrüche betreibt. Stefan Woywadt, Leiter des Werks Amöneburg, begründet die Reaktivierung: "Das ist nicht nur ein Beitrag, mit dem wir langfristig unsere Produktion absichern. Der Gleisanschluss gibt uns auch die Möglichkeit, einen umweltfreundlichen Transportweg in Zukunft wieder nutzen zu können und es macht unseren Standort unabhängiger von den bestehenden Verkehrswegen."

In den nächsten Monaten sollen Planung und Ausbau der Anlagen in Amöneburg weiter vorangetrieben werden. Im Gegensatz zu Wiesbaden-Amöneburg hatten die großen Dyckerhoff-Werke in Neuwied und Lengerich (NRW) ihre Gleisanschlüsse nie außer Betrieb genommen. Mit der Wiederanbindung des Werkes Amöneburg an das DB-Netz bestünde jetzt auch die Möglichkeit das Aartal, die B 417 und die Landeshauptstadt Wiesbaden von den seit mehr als 60 Jahren bestehenden umfangreichen Lkw-Transporten zu entlasten. Die Firma Schaefer Kalk beliefert Dyckerhoff aus dem Steinbruch Hahnstätten mit hochwertigem Kalkstein. Das von der Geschäftsführung des in Diez ansässigen Unternehmens in den vergangenen 15 Jahren immer wieder angeführte Argument, dass das Werk Amöneburg auf der Schiene nicht erreichbar sei, gilt nun nicht mehr.

"Schon lange

überfällig"

Dipl.-Ing Mario Pott aus dem Vorstand des Verkehrsclub Deutschland (VCD) Rhein-Lahn/Westerwald vertritt die Auffassung: "Auch für die, von der Tonnage noch weitaus umfangreicheren Transporte zum Schaefer-Werk in Steeden, bei denen von Hahnstätten zusätzlich zum gebrochenen Kalkstein auch Branntkalk für die Stahlindustrie über die B 54 durch die Aartalgemeinden und Limburg nach Steeden rollt, ist der Schienentransport schon lange überfällig. Die Verlagerung von der Straße auf die Schiene ermöglicht eine erhebliche Reduktion der Lärm-, Staub- und CO2-Belastungen." Schon heute wird nicht nur ein Teil der Branntkalk-Produktion aus Hahnstätten ab Steeden auf der Schiene befördert, sondern auch Container ins bayerische Chemiedreieck rollen ab Limburg mit der Bahn. Den Weg durchs Aartal müssen sie bislang auf dem Lkw zurücklegen.

Mit einer Entscheidung zur Verlagerung von großen Teilen der Kalktransporte auf die Bahn gäbe Schaefer Kalk nicht nur dem gesamten östlichen Teil des Rhein-Lahn-Kreises und der Aartalbahn die Chance für eine positive Entwicklung, sondern auch den vom Kalkverkehr geplagten Städten Limburg und Wiesbaden mehr Luft zum Atmen.

Mit einer Reaktivierung des Güterverkehrs in Richtung Diez würde Schaefer Kalk dafür sorgen, dass der erforderliche Nutzen-Kosten-Faktor deutlich über 1,0 käme und damit die Voraussetzung für die Bundesförderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgestz (GVFG) erreicht wird, der für die Aufnahme des Personenverkehrs gewährt wird.

Eine neue Gesetzgebung reduziert darüber hinaus den Planungsumfang für eine Wiederinbetriebnahme von Schienenstrecken wie der Aartalbahn: Wenn es um Bauarbeiten im Bestand geht, entfallen in Zukunft die enorm kosten- und zeitaufwendigen Planfeststellungsverfahren. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", fragen sich auch die im "Bündnis für Verkehrswende nördliches Rheinland-Pfalz" zusammengeschlossenen Verkehrs- und Umweltverbände.

Die zusätzliche Nutzung des Nordabschnitts für den Güterverkehr - ausschließlich in Richtung Limburg - verbessert die vom rheinland-pfälzischen Verkehrsstaatssekretär Andy Becht (FDP) und seinem hessischen Kollegen Jens Deutschendorf (Grüne) befürwortete durchgängige Verbindung nach Wiesbaden und Mainz. Deutschendorf hat übrigens während seiner Amtszeit als Erster Kreisbeigeordneter im Landkreis Waldeck-Frankenberg die erfolgreiche Reaktivierung der Schienenverbindung von Korbach nach Frankenberg begleitet. Hans-Peter Günther

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