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Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand.

Autoschieberbande

Haftstrafen für Hehler teurer Karossen

Drei Autoschieber sind vom Landgericht Bielefeld zu Haftstrafen bis zu sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Auch zwei in Limburg gestohlene Wagen waren in der vom Haupttäter angemieteten Halle entdeckt worden.

Sie hatten geklaute Autos angekauft, sie umfrisiert und die so mit scheinbar makellosen Historien versehenen Luxuskarossen gen Osten verschoben. Das Landgericht Bielefeld hat jetzt drei Männer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Insgesamt 19 in halb Deutschland gestohlene Pkws hatte das Trio – zwei Letten und ein Litauer – elektronisch und technisch so umgearbeitet, dass sie auf ihren Steuergeräten und der Fahrgestellnummer eine neue „Identität“ bekamen und zulassungstechnisch nicht mehr wiederzuerkennen wären. Darunter waren auch ein BMW X5 im Wert von 90 000 Euro und ein 120 000 Euro teurer Range Rover, die im Januar und Februar 2017 in Limburg verschwunden waren.

Von einem Gesamtwert der Fahrzeuge von etwa 1,2 Millionen Euro ging das Landgericht Bielefeld aus. Als Haupttäter war ein 33-jähriger Lette angeklagt, der in Papenburg eine Halle angemietet hatte, dort die Autos von einer professionellen Diebesbande anliefern ließ und sich aussuchte, was er zum Weiterverkauf behalten wollte. Zwischen 3000 und 6000 Euro zahlte er nach seinem eigenen Geständnis an die „Lieferanten“.

Die beiden Mitangeklagten – ein ebenfalls 33-Jähriger aus Lettland und ein 39-jähriger Litauer – steuerten ihre Fähigkeiten beim Umprogrammieren der Elektronik, Bearbeiten weiterer Fahrzeugmerkmale und Beschaffen echter Papiere bei. Nach Abschluss der „Umarbeitungen“ wurde die teuren Autos überwiegend der Marken Range Rover, Porsche und BMW an weitere Hehler verkauft, die sie dann nach Osteuropa weiterverschoben.

Der von der 2. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld befürchtete Mammutprozess blieb jedoch aus. Zunächst waren 22 Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt, dann noch mal eine Verlängerung bis Dezember geplant worden. Allerdings kürzte dann eine Verständigung, im Volksmund auch „Deal“ genannt, die Dauer der Beweisaufnahme erheblich ab: Für ihre umfassenden Geständnisse bekamen die Angeklagten Haftstrafen, die unter denen lagen, die sie sonst zu erwarten gehabt hätten. Der 33-jährige Drahtzieher muss wegen gewerbsmäßiger Bandenhehlerei für sechseinhalb Jahre hinter Gitter, die beiden anderen Täter für drei Jahre und drei Monate sowie zwei Jahre und acht Monate.

Wie in der Beweisaufnahme klar wurde, sind die eigentlichen Autodiebe noch nicht ermittelt. Ihre Masche war jedoch belegt: Sie hatten mithilfe eines sogenannten Repeaters die Signale von Funkschlüsseln oder -karten sogenannter Keyless-Systeme an der Haustür von Autobesitzern aufgegriffen und weitergeleitet, so dass die Autos geöffnet und gestartet werden konnten.

Die Hehlerbande hingegen hatte Pech: Eines von mehreren in Bielefeld „zwischengelagerten“ Fahrzeugen machte im März 2017 unerwartet durch das Absenden eines Notsignals auf sich aufmerksam – da der Range Rover bereits Wochen zuvor in Köln als gestohlen gemeldet war, kam die Polizei den Osteuropäern auf die Schliche. Die fand auch die Limburger Autos in der Halle – mit russischen Papieren und Kennzeichen. Die drei Angeklagten wurden im Dezember 2017 auf dem Weg von Berlin nach Papenburg verhaftet. In der Halle wurden zahlreiche Autos sichergestellt. Von mehreren der gestohlenen Pkw fehlt aber bis heute jede Spur.

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