Feuerwehr-Rettungstaucher Stefan Schmitt in seinem Element.
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Feuerwehr-Rettungstaucher Stefan Schmitt in seinem Element.

Der Limburger ist noch heute als Taucher im Dienst

Ein halbes Jahrhundert im Einsatz

Feuerwehrmann Stefan Schmitt fand seine Lebensaufgabe

Limburg -Freiwillige Feuerwehren suchen händeringend Mitstreiter. Da ist es schon einmalig, wenn ein Bürger ein halbes Jahrhundert in der Einsatzabteilung für seine Mitmenschen in Alarmbereitschaft lebt. Kein anderer in der Limburger Wehr hat so viele Jahre auf dem Buckel wie Oberlöschmeister Stefan Schmitt, der sein Ehrenamt heute vor 50 Jahren am 16. September 1970 bei der Limburger Hauptstützpunktwehr begann, unter acht Wehrführern gedient hat und weiterhin zu den Aktivposten zählt.

Stefan war gerade mal 16, als sein gleichnamiger Vater, ein Limburger Rotkreuzfahrer, "seinen" Krankenwagen jeweils bei der Feuerwehr unterstellte. Was da bei den Blauröcken ablief, weckte das Interesse des jungen Radio- und Fernsehtechnikers. Damals gab es noch keine Jugendfeuerwehr, da wurden Jugendliche gleich in die Einsatzabteilung übernommen und da der Zivile Bevölkerungsschutz, heute Katastrophenschutz, damals hauptsächlich von der Feuerwehr getragen wurde, trat der junge Stefan auch dieser Organisation bei.

"Eigentlich wäre ich spätestens mit 65 Jahren schon ausgemustert", sagt er mit Hinweis auf das hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz. Da er aber zu den fitten und belastbaren Kameraden zähle, sei er, der als Atemschutzträger noch die Prüfung als Langzeitatmer bestanden hat, vom Innenminister mit 25 weiteren hessischen Feuerwehrsenioren für ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt ausgewählt worden. Dort werde die Dienstfähigkeit bis zur Vollendung des 67. Lebensjahres getestet.

Die Verantwortlichen hatten schon früh die Kenntnisse und Fähigkeiten ihres jungen Kollegen erkannt und für die Weiterentwicklung der Feuerwehrtruppe genutzt. Schon fünf Jahre nach seinem Eintritt avancierte er, der bei der Limburger Firma Müller & Glaab technisch ausgebildet wurde, zum Kreisausbilder für das Fernmeldewesen. Daneben war er für den Zivilen Bevölkerungsschutz Gruppenführer der Technischen Einsatzleitung.

gefördert

Stefan Schmitt lag schon damals die Förderung des Nachwuchses am Herzen. Bis 1990 machte er 14 Jahre lang als Jugendfeuerwehrwart junge Menschen in Theorie und praktischen Übungen mit den Anforderungen im Retten, Löschen, Bergen und Schützen vertraut. Die Feuerwehr war es, die bereits 1967 im Jahr der Verschwisterung Limburgs mit Sainte-Foy-lès-Lyon zum wichtigsten Träger der Partnerschaft wurde. "Da sollte die Jugend nicht nachstehen", sagt Stefan Schmitt, der Mitte der 70er Jahre mit der ersten Gruppe zum Zeltlager nach Frankreich reiste und den ersten Gegenbesuch der jungen Franzosen auf dem Limburger Greifenberg veranstaltete. So ging es Jahr für Jahr hin und her.

"Die Freundschaft besteht bis heute", freut sich der damalige Jugendleiter. Mehr noch. Über den ehemaligen Feuerwehrchef Guy Daniel, mit dem er seit 1972 befreundet ist, wurde Schmitt Mitglied der "Association Lès Coteaux de Montray"; eines Vereins, der in Ste. Foy einen Weinberg besitzt. In diesem Jahr fuhr er dorthin, um bei der Lese zu helfen. Bei Daniels ältester Tochter ist der Limburger Taufpate, dessen Ehefrau ist Patin bei Schmitts ältester Tochter.

Als die Limburger Feuerwehr 1985 als erste und bisher einzige in der Region eine Tauchergruppe ins Leben rief, war Stefan Schmitt zur Stelle und wurde der erste Einsatzleiter. "Wir sind mit vier Mann an Wochenenden und abends für unsere Ausbildung zur Berufsfeuerwehr nach Wiesbaden gefahren und haben einen alten Rettungswagen des DRK für unsere Zwecke umgebaut", erinnert sich der 66-Jährige, der auch heute noch Einsatztaucher ist.

Tiefe gegangen

Der begeisterte Taucher ist auch privat in Meerestiefen unterwegs. "Meinen ersten Tauchkurs habe ich 1983 in der Volkshochschule bei Fritz Heberling gemacht", berichtet er und von seinem ersten Tauchgang in Ägypten. Schmitt: "Auch als privater Taucher muss man stets Lehrgänge absolvieren. In diesem Bereich gehöre ich bei vier möglichen Sternen zu den Drei-Sterne-Tauchern. Bei der Feuerwehr bin ich Rettungstaucher Stufe II; das heißt, ich darf in fließenden Gewässern bis zu einer Tiefe von 30 Metern tauchen."

Seit 1985 hat er sowohl privat als auch für die Feuerwehr 575 Tauchgänge absolviert. So ist es nicht verwunderlich, dass der Limburger in der IG Tauchen Hessen das Amt des Sprechers der freiwilligen Feuerwehrtaucher ausübt. Das Neujahrsschwimmen der Limburger Gruppe, das schon über zehn Mal veranstaltet wurde, geht auf seine Initiative zurück. Schmitt kommt ins Schwärmen, wenn er von Hans Hass erzählt, dem berühmten Zoologen und Meeresforscher, mit dem er 1994 gemeinsam vor Palau, einem Inselstaat im Pazifischen Ozean, in die Tiefe ging. Schmitt: "Das ist der Traum eines jeden Tauchers."

Seit Jahren ist Schmitt stellvertretender Zugführer der Limburger Wehr. 20 Lehrgänge hat er in seiner Laufbahn absolviert, fünf Mal das Feuerwehr-Fitnessabzeichen in Gold gemacht (Schmitt: "Da gibt es nur zwei Kameraden im Kreis"). 17 Mal hat er das Deutsche Sportabzeichen in Gold geschafft. Dass der aktive Feuerwehrmann bereits mehrere Auszeichnungen erhalten hat, darunter die Bürgermedaille der Stadt Ste. Foy, versteht sich bei all seinen Aktivitäten von selbst.

Vor einigen Wochen hat der mit Ehefrau Petra verheiratete Radio- und Fernsehtechnikermeister, Vater dreier erwachsener Kinder, sein Geschäft in der Holzheimer Straße für den Ruhestand aufgegeben. "Wir hatten mal 14 Leute", sagt Schmitt, der seinen Betrieb wohl zum richtigen Zeitpunkt geschlossen hat, wenn er sagt: "In der heutigen Zeit, da Geräte kaum noch repariert werden, machen große Handelsketten den Einzelhändlern das Überleben schwer." Dieter Fluck

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